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Radon in Bayern: Karte, Vorsorgegebiet Wunsiedel, Fichtelgebirge, Bayerischer Wald, München

Landkreis Wunsiedel ist Bayerns Vorsorgegebiet (11.02.2021); erhöhte Werte auch in Oberpfalz, Bayerischem Wald, Alpenvorland. Karte, LfU-Angebote, Tipps.

Veröffentlicht am Lesezeit ca. 7 Min. Redaktion radoncheck24.de

Karte von Bayern mit markiertem Radon-Vorsorgegebiet Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge

Bayern hat seit dem 11. Februar 2021 ein amtliches Radon-Vorsorgegebiet: den Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge. Erhöhte Radonwerte sind nach BfS-Angaben aber überall dort häufiger, wo uranhaltige Gesteine vorkommen – in den Mittelgebirgen und im Alpenvorland. Das Umweltministerium bezeichnet die Gebietsfestlegung ausdrücklich als „fortschreitenden dynamischen Prozess“ und lässt in weiteren Landkreisen messen. Hier lesen Sie, was die Karten für Bayern zeigen, welche Angebote das Landesamt für Umwelt (LfU) macht und wie Sie Ihr Haus prüfen.

Radon-Karte Bayern: Was zeigen die amtlichen Karten?

Eine eigene bayerische Radonkarte gibt es nicht – das LfU verweist in seinen FAQ auf die bundesweiten BfS-Karten (Bodenluft, Radon-Potenzial, Radon in Wohnungen). Wo die Schwerpunkte liegen, hat das LfU selbst beschrieben: Erhöhte Radonkonzentrationen in der Bodenluft finden sich „hauptsächlich [in] den Mittelgebirgen aus Granitgestein“ – in Bayern „vor allem der Bayerische Wald, der Oberpfälzer Wald und das Fichtelgebirge“. Aber auch im Alpenvorland (durchlässige Schotterböden, Talfüllungen) und nördlich von München gibt es Bereiche mit erhöhten Bodenluftwerten (LfU-Bericht „Radon in Innenräumen“, 2012). Der Mittelwert in bayerischen Innenräumen liegt nach LfU-Angaben bei etwa 50 Bq/m³ – im Einzelfall sind deutlich höhere Werte möglich.

Wichtig für die Einordnung: Die BfS-Karten sind Prognosen im Kilometer-Raster. Aussagen über ein einzelnes Gebäude lassen sich daraus nicht ableiten – das betont auch das LfU. Wie Sie die Karten richtig lesen, erklärt unsere Übersichtsseite Radon-Karte Deutschland.

Vorsorgegebiet Landkreis Wunsiedel: alle Orte

Das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz (StMUV) hat den Landkreis Wunsiedel i. Fichtelgebirge mit Allgemeinverfügung vom 13.01.2021 (Bayerisches Ministerialblatt 2021 Nr. 63) als Radon-Vorsorgegebiet festgelegt; in Kraft ist die Festlegung seit dem 11.02.2021. Datengrundlage waren die BfS-Prognosekarten von 2017 und 2020 sowie eigene Bodenluftmessungen des LfU, die die Prognose für das Fichtelgebirge bestätigten.

Kategorie Orte im Vorsorgegebiet Landkreis Wunsiedel
Städte Arzberg, Kirchenlamitz, Marktleuthen, Marktredwitz, Selb, Schönwald, Weißenstadt, Wunsiedel
Märkte und Gemeinden Bad Alexandersbad, Höchstädt i. Fichtelgebirge, Hohenberg a. d. Eger, Nagel, Röslau, Schirnding, Thiersheim, Thierstein, Tröstau
Gemeindefreie Gebiete Kaiserhammer Forst-Ost, Martinlamitzer Forst-Süd, Meierhöfer Seite, Neubauer Forst-Süd, Tröstauer Forst-Ost und -West, Vordorfer Forst, Weißenstadter Forst-Nord und -Süd

Die Festlegung gilt für den gesamten Landkreis – unabhängig davon, wie hoch die Werte in einem einzelnen Gebäude tatsächlich sind. Was die Einstufung rechtlich bedeutet (Messpflicht an Arbeitsplätzen im Keller- und Erdgeschoss, zusätzliche Schutzmaßnahme beim Neubau), erklären wir ausführlich unter Radon-Vorsorgegebiete.

Fichtelgebirge, Bayerischer Wald, Alpenrand: Wie steht es um weitere Regionen?

Das Fichtelgebirge ist bislang die einzige amtlich festgelegte Region. Die Allgemeinverfügung nennt aber weitere Gebiete, in denen die BfS-Prognosekarten Hinweise lieferten, ohne dass eine Festlegung erfolgte – dort laufen eigene Messungen des Freistaats:

  • Prognose 2017: Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen und Landkreis München
  • Prognose 2020: Stadt Bayreuth sowie die Landkreise Garmisch-Partenkirchen, Miesbach und Traunstein (Alpenrand)

Das StMUV kündigt an, dass „ggf. weitere Radon-Vorsorgegebiete in den nächsten Jahren festgelegt“ werden. Der Bayerische Wald und der Oberpfälzer Wald sind zwar keine Vorsorgegebiete, zählen laut LfU aber neben dem Fichtelgebirge zu den bayerischen Granit-Mittelgebirgen mit erhöhten Radonkonzentrationen in der Bodenluft; das LfU untersuchte entsprechend vor allem Gebäude „im Bayerischen Grundgebirge von Hof bis Passau“ und im Voralpenland. In Granitgebieten wie dem Fichtelgebirge, dem Oberpfälzer Wald und rund um den Dreisesselgranit im Bayerischen Wald wurden zudem erhöhte Radongehalte im Trinkwasser gemessen (über 500 Bq/l) – relevant für Hausbrunnen, siehe Radon im Trinkwasser. Wer in diesen Regionen wohnt, sollte sich nicht auf die Gebietskulisse verlassen, sondern messen – erhöhte Werte kommen auch außerhalb von Vorsorgegebieten vor, und umgekehrt ist innerhalb nicht jedes Haus betroffen.

Tipp: Radon sammelt sich vor allem in erdberührten Räumen. Messen Sie zuerst im Keller und in mindestens zwei häufig genutzten Räumen des untersten Wohngeschosses – so empfiehlt es das LfU Bayern.

Radon messen in Bayern: So gehen Sie vor

Für private Wohnungen gibt es keine Messpflicht – die Behörden empfehlen die Messung aber ausdrücklich, denn nur sie zeigt die tatsächliche Belastung. Zwei Wege haben sich bewährt:

  1. Orientierung mit elektronischem Messgerät: Ein Gerät wie das Radon Eye RD200 zeigt schon nach kurzer Zeit Live-Werte und den Tagesverlauf – ideal, um Problemräume zu erkennen und den Effekt von Lüften zu testen. Genau dafür können Sie bei uns ein Radon-Messgerät mieten; wie die Auswertung aussieht, zeigt unsere Beispiel-Auswertung.
  2. Langzeitmessung für den Jahresmittelwert: Passive Exposimeter (ca. 30–50 €) einer vom BfS anerkannten Stelle, Messdauer nach LfU-Empfehlung mindestens 6 Monate, davon mindestens die Hälfte im Winterhalbjahr – besser 12 Monate. Nur so lässt sich der Referenzwert von 300 Bq/m³ (Jahresmittel) seriös vergleichen.

Wie Sie das Gerät platzieren (10–20 cm Wandabstand, nicht an Heizung oder Fenster), lesen Sie unter Messgerät richtig aufstellen; die Einordnung der Ergebnisse erklärt Messwerte verstehen. Ob es aktuell kostenlose Angebote in Ihrem Bundesland gibt, fasst Kostenlose Radonmessung zusammen.

Beratung und Angebote: Radon-Fachstelle Bayern (RFB)

Bayern bündelt seine Radon-Kommunikation an der Radon-Fachstelle Bayern (RFB) am LfU (radon-fachstelle@lfu.bayern.de). Die wichtigsten Angebote:

Angebot Inhalt
Informationskampagne „Trautes Heim, RADON NEIN“ Dreiklang „informieren – messen – handeln“ mit Video-Quiz und Fotogeschichten
Newsletter „Radon-Info“ 4–6 Ausgaben pro Jahr mit Neuigkeiten aus dem Radonschutz
Bayerisches Radon-Netzwerk-Treffen Jährliche Fachveranstaltung (15. Treffen am 10.03.2026)
RADEX 3.0 Kostenfreie Fachanwendung für Arbeitsplatzverantwortliche (Zugang über BayernID)
Comic „Radonia“ Niedrigschwellige Aufklärung für Familien

Im Landkreis Wunsiedel gibt es zusätzlich eine vom StMUV finanzierte Informationsstelle Radon am Landratsamt (Budget rund 340.000 €) sowie das Pilotprojekt von 2021, bei dem Arbeitgebern die Messkosten erstattet wurden, wenn sie ihre Ergebnisse übermittelten.

Pflichten in Bayern: Wer muss handeln?

  • Privathaushalte: keine Mess- oder Sanierungspflicht – auch nicht im Vorsorgegebiet. Empfohlen wird die freiwillige Messung; ab 100 Bq/m³ rät das BfS, Maßnahmen zu erwägen.
  • Arbeitgeber im Landkreis Wunsiedel: Messpflicht für Arbeitsplätze im Keller- und Erdgeschoss (12-Monats-Messung mit anerkannter Stelle, Frist 18 Monate ab Festlegung bzw. Tätigkeitsaufnahme). Details: Messpflicht am Arbeitsplatz.
  • Bauherren im Vorsorgegebiet: Beim Neubau ist zusätzlich zum Feuchteschutz mindestens eine Radonschutzmaßnahme nach § 154 StrlSchV umzusetzen – etwa eine Absaugmöglichkeit unter der Bodenplatte. Mehr dazu unter Neubau: radonsicher bauen.
  • Bundesweit, auch außerhalb des Vorsorgegebiets: Arbeitsplätze in Wasserwerken, untertägigen Bergwerken, Besucherbergwerken und Radonheilbädern sind messpflichtig (Anlage 8 StrlSchG).

Rechtlicher Hinweis: Unsere Mietgeräte liefern eine Orientierungsmessung. Sie ist keine Messung durch eine vom BfS anerkannte Stelle nach § 155 StrlSchV und kann die gesetzliche Messpflicht an Arbeitsplätzen im Vorsorgegebiet nicht erfüllen. Der Referenzwert von 300 Bq/m³ ist zudem ein Jahresmittel – Kurzzeitwerte sind nur eine erste Einordnung.

Typische Situationen in Bayern – und was jeweils zu tun ist

Ihre Situation Empfehlung
Wohnung oder Haus im Landkreis Wunsiedel Freiwillig messen (keine Pflicht für Private); bei Werten über 100 Bq/m³ Maßnahmen erwägen, über 300 Bq/m³ Langzeitmessung und Beratung
Haus im Bayerischen Wald, Oberpfälzer Wald oder Alpenvorland Karte ist dort kein Vorsorgegebiet, aber das LfU nennt erhöhte Bodenluftwerte – orientierend messen, besonders Keller und Erdgeschoss
Arbeitgeber mit Keller-/EG-Arbeitsplätzen in Wunsiedel Gesetzliche Messpflicht: 12-Monats-Messung über anerkannte Stelle, Ergebnisse dokumentieren, Beschäftigte informieren
Bauherr im Vorsorgegebiet Feuchteschutz plus mindestens eine Zusatzmaßnahme nach § 154 StrlSchV – am günstigsten in der frühen Planung
Mieterin/Mieter irgendwo in Bayern Orientierend messen ist erlaubt; bei dauerhaft erhöhten Werten das Gespräch mit dem Vermieter suchen (Mietwohnung & Vermieter)

Zwei Praxis-Hinweise für alle Fälle: Radonwerte sind in der Heizperiode am höchsten – wer im Winter misst, unterschätzt das Jahresmittel nicht (Radon & Jahreszeiten). Und die Konzentration nimmt nach oben hin ab: Der Keller ist fast immer der richtige Start-Messort, das Schlafzimmer im Obergeschoss die Ergänzung.

Fazit: Karte prüfen, dann messen

Für Bayern gilt: Der Landkreis Wunsiedel ist das einzige Vorsorgegebiet, aber die Gebietskulisse ist in Bewegung – Bayreuth und mehrere Alpenrand-Landkreise werden weiter untersucht. Unabhängig von der Karte bringt nur eine Messung Gewissheit für Ihr Gebäude. Einen schnellen Einstieg bietet die Orientierungsmessung mit dem Mietgerät, den verbindlichen Jahreswert liefert die Langzeitmessung einer anerkannten Stelle. Wie es nach einem erhöhten Messwert weitergeht, zeigt unser Ratgeber Radon-Sanierung – von einfachen Sofortmaßnahmen bis zur Absaugung.

Häufige Fragen

Welche Gebiete in Bayern sind Vorsorgegebiet?

Bayern hat genau ein Radon-Vorsorgegebiet: den Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge, festgelegt durch Allgemeinverfügung des Umweltministeriums (StMUV) vom 13.01.2021, in Kraft seit dem 11.02.2021. Die Festlegung erfolgte auf Landkreisebene und umfasst alle 17 Gemeinden sowie die gemeindefreien Gebiete des Landkreises, darunter Wunsiedel, Selb, Marktredwitz, Arzberg, Kirchenlamitz und Weißenstadt. Eigene Bodenluftmessungen des LfU haben die bundesweite BfS-Prognose dort bestätigt.

Wie hoch ist die Belastung in München, Nürnberg, Augsburg?

Für einzelne Städte veröffentlichen die Behörden keine amtlichen Messwert-Listen; die BfS-Karte „Radon in Wohnungen“ liefert Schätzwerte je Gemeinde. Großstädte schneiden darin wegen des hohen Anteils an Mehrfamilienhäusern und höheren Geschossen meist niedriger ab als ihr Umland. Keine der drei Städte liegt in einem Vorsorgegebiet. Ob Ihre Wohnung betroffen ist, zeigt aber nur eine Messung – Details für die Landeshauptstadt finden Sie auf unserer Seite Radon in München.

Gibt es in Bayern kostenlose Messungen?

Ein landesweites kostenloses Messprogramm für Privathaushalte war auf den Seiten des LfU zuletzt nicht zu finden. Das LfU verweist auf passive Exposimeter für etwa 30 bis 50 Euro, die Sie bei anerkannten Messstellen bestellen und nach 6 bis 12 Monaten zur Auswertung einsenden. Im Landkreis Wunsiedel gab es 2021 ein Pilotprojekt mit Kostenerstattung für Arbeitgeber, die ihre Messergebnisse übermitteln, außerdem eine vom StMUV finanzierte Informationsstelle Radon am Landratsamt.

Wo bekomme ich in Bayern ein Messgerät?

Für Langzeitmessungen bestellen Sie passive Kernspur-Exposimeter bei einer vom BfS anerkannten Stelle (Liste auf bfs.de, laut BfS 30 bis 50 € pro Detektor inkl. Laborauswertung, Stand März 2026). Für eine schnelle Orientierung mit Live-Werten können Sie bei uns ein elektronisches Messgerät (Radon Eye RD200) mieten – es wird bundesweit, also auch nach Bayern, versandt. Beachten Sie: Eine solche Orientierungsmessung ersetzt keine 12-Monats-Messung durch eine anerkannte Stelle, wie sie für Arbeitsplätze im Vorsorgegebiet vorgeschrieben ist.

Was gilt für Arbeitgeber im Landkreis Wunsiedel?

Wer im Vorsorgegebiet Arbeitsplätze im Keller- oder Erdgeschoss betreibt, muss die Radon-Konzentration über 12 Monate mit Geräten einer vom BfS anerkannten Stelle messen lassen (§ 127 StrlSchG). Die Frist betrug 18 Monate ab Festlegung – für Wunsiedel also bis zum 11.08.2022; bei neu aufgenommener Tätigkeit läuft sie ab Aufnahme. Bei Überschreitung von 300 Bq/m³ sind unverzüglich Reduzierungsmaßnahmen zu ergreifen. Für Arbeitsplatzverantwortliche stellt das LfU die kostenfreie Fachanwendung RADEX 3.0 bereit.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. StMUV Bayern – Radon-Vorsorgegebiete (Allgemeinverfügung)
  2. LfU Bayern – Radon-Vorsorgegebiete
  3. LfU Bayern – Radon-Fachstelle Bayern (RFB)
  4. LfU Bayern – FAQ Radon
  5. Bayerische Staatsregierung – PM 27.01.2021: Landkreis Wunsiedel als Radon-Vorsorgegebiet festgelegt
  6. BfS – Karte der Radon-Vorsorgegebiete in Deutschland
  7. BfS – Radon-Vorsorgegebiete (Regelungen)
  8. LfU Bayern – Radon in Innenräumen: Auswirkungen von Gebäudeabdichtungen in Bayern (Bericht, 2012)

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