Regionen & Bundesländer

Radon in Berlin, Brandenburg, Hamburg, Bremen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern

Niedrige Bodenwerte, aber Ausnahmen im Einzelhaus: Radon in Berlin, Brandenburg, Hamburg, Bremen, SH und MV. Schätzwerte, Kita-Messungen, Messtipps.

Veröffentlicht am Lesezeit ca. 6 Min. Redaktion radoncheck24.de

Karte Norddeutschlands mit Berlin, Brandenburg, Hamburg, Bremen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern und überwiegend niedrigen Radonwerten

Berlin, Brandenburg, Hamburg, Bremen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern haben eines gemeinsam: keine Radon-Vorsorgegebiete und überwiegend niedrige Prognosewerte – die Norddeutsche Tiefebene ist geologisch radonarm, und die Radon-Konzentration steigt in Deutschland von Nord nach Süd. Trotzdem gibt es Ausnahmen im Einzelhaus, und Mecklenburg-Vorpommern meldet inzwischen höhere Potenziale als erwartet. Hier finden Sie die Befunde, Messkampagnen und Ansprechpartner aller sechs Länder.

Warum der Norden auf den Radon-Karten grün ist

Zwei belegte Gründe sprechen für die günstige Lage: Erstens fehlen im Norden großflächig die uranreichen Gesteine der Mittelgebirge – hohe Innenraumwerte konzentrieren sich laut BfS „hauptsächlich in den Mittelgebirgen und im Alpenvorland“. Zweitens zeigt schon die Außenluft das Gefälle: Die BfS-Karte „Radon im Freien“ (Mittelwert bundesweit 9 Bq/m³) verzeichnet einen Anstieg von Nord nach Süd; an Nord- und Ostsee sorgen radonarme Meeresluftmassen zusätzlich für niedrige Werte.

Hinzu kommt der Stadteffekt: Berlin und Hamburg nennt das BfS ausdrücklich als Beispiele für Städte, deren Wohnungs-Schätzwerte wegen vieler Mehrfamilienhäuser und höherer Geschosse deutlich unter denen des Umlands liegen. Wie die Karten funktionieren – und warum sie nichts über Einzelgebäude sagen –, erklärt unsere Übersicht Radon-Karte Deutschland.

Die sechs Länder im Überblick

Land Befund Ansprechpartner
Berlin 60 Bodenluft-Messorte (2020): uranreiche Gesteine fehlen, Rupelton als Barriere; Ausnahmen durch Baustoffe/Trümmerschutt möglich Senatsverwaltung (SenMVKU), Tel. 030 90166-410, strahlenschutz@senmvku.berlin.de
Brandenburg Keine Notwendigkeit einer Ausweisung; niedrige Konzentrationen, im Süden etwas höher als im Norden MLEUV Referat 55, Tel. 0331 866-7950; LAVG (Gesundheitsschutz)
Hamburg Kitas/Schulen 2019–2024: über 200 Einrichtungen, mehr als 3.000 Räume – über 99 % deutlich unter 300 Bq/m³, ca. 90 % unter 100 Bq/m³ Behörde für Justiz und Verbraucherschutz, radon@justiz.hamburg.de, Tel. 040 42837-3093
Bremen Geologischer Dienst (2020): Radionuklid-Konzentrationen „wie in Norddeutschland generell, sehr gering“ Senatorin für Umwelt, Klima und Wissenschaft, Tel. 0421 361-74755
Schleswig-Holstein 913 Bodenluft-Standorte (2019–2020): Potenzial steigt von der Westküste zum Östlichen Hügelland, Schwellenwert nirgends erreicht Radonberatungsstelle SH, Tel. 0431 988-5530, radonberatung@melund.landsh.de
Mecklenburg-Vorpommern Keine Ausweisungsgründe; LUNG-Messungen (Stand 2024): teils „höhere Radonpotentiale, als bisher angenommen“ – BfS-Prognosen werden angepasst LUNG, Dezernat Radonvorsorge, Tel. 0385 588-64550, radonvorsorge@lung.mv-regierung.de

Berlin und Brandenburg: Geologie als Schutzschild

Berlin hat 2020 an 60 Messorten alle oberflächennahen Gesteinstypen untersucht – vor allem eiszeitliche Sedimente und Geschiebe. Das Ergebnis: Uran- und thoriumreiche Gesteine wie manche Granite fehlen im oberflächennahen Untergrund (sie kommen nur vereinzelt in eiszeitlichen Geschieben vor), und der tiefer liegende Rupelton wirkt als Barriere gegen aufsteigendes Radon. Eine Gebietsausweisung war daher nicht nötig. Wichtig bleibt der Hinweis der Senatsverwaltung auf Einzelfälle: Erhöhte Werte durch radiumhaltige Baustoffe oder Aufschüttungen mit Trümmerschutt sind nicht ausgeschlossen – ein Thema, das unser Artikel Radon aus Baustoffen vertieft.

Brandenburg sieht „auf Grundlage der bislang durchgeführten Untersuchungen und unter Berücksichtigung der geologischen Situation“ kein Erfordernis für Vorsorgegebiete; die Konzentrationen sind niedrig, im Süden etwas höher als im Norden. Für Messfragen verweist das Land auf die vom BfS anerkannten Stellen.

Hamburg und Bremen: Stadtstaaten mit klaren Daten

Hamburg liefert die umfangreichste Datenbasis der Stadtstaaten: Nach orientierenden Messungen in öffentlichen Gebäuden (2018/2019) ließ die Stadt von 2019 bis 2024 in über 200 Kitas und Schulen mehr als 3.000 Räume messen. Über 99 % der Werte in Aufenthaltsräumen liegen deutlich unter dem Referenzwert von 300 Bq/m³, rund 90 % unter 100 Bq/m³. Empfohlen werden Messungen vor allem in Keller- und Erdgeschoss-Aufenthaltsräumen. Warum gerade Schulen und Kitas gemessen werden, erklärt Radon in Schule & Kita.

Für Bremen stellte der Geologische Dienst im Juni 2020 fest, dass die Aktivitätskonzentration natürlicher Radionuklide „wie in Norddeutschland generell, sehr gering“ ist und der Referenzwert nicht erreicht wird.

Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern: gemessen statt geschätzt

Schleswig-Holstein untersuchte 2019–2020 gemeinsam mit dem Geologischen Landesdienst die Bodenluft an 913 Standorten: Das geogene Radonpotenzial nimmt von der Westküste zum Östlichen Hügelland zu, „der entscheidende Schwellenwert [wird] aber in keinem Bereich erreicht“. Die Radonberatungsstelle des Landes weist zugleich darauf hin, dass „leicht erhöhte Radonkonzentrationen“ auftreten können.

Mecklenburg-Vorpommern entschied zum 31.12.2020 gegen eine Ausweisung – auch im Vergleich mit dem geologisch ähnlichen Schleswig-Holstein. Interessant ist die neuere Entwicklung: Das LUNG (Dezernat Radonvorsorge, Stand Juni 2024) berichtet, dass bei eigenen Zusatzmessungen „auch höhere Radonpotentiale, als bisher angenommen, auftreten“ – die BfS-Prognosen für MV sollen entsprechend angepasst werden. Langzeitmessungen in Boden- und Innenraumluft gelten als dauerhafte Aufgabe; der Referenzwert kann lokal überschritten werden.

Merksatz: „Grüne“ Karten senken die Wahrscheinlichkeit, nicht das Einzelrisiko auf null. Das BfS stellt zu allen Radon-Karten klar: Aussagen zu Einzelgebäuden sind daraus nicht abzuleiten – das kann nur eine Messung.

Wann sich die Messung im Norden lohnt

Auch in radonarmen Regionen gibt es typische Konstellationen, in denen ein Blick auf die Zahlen sinnvoll ist:

  • Souterrain- und Kellerwohnungen sowie Hobby- und Arbeitsräume im Untergeschoss – dort sind die Werte im Haus am höchsten (Radon im Keller).
  • Altbauten mit Naturkeller oder durchlässiger Bodenplatte.
  • Nach energetischer Sanierung, wenn dichtere Fenster den Luftwechsel verringern.
  • Einzelfälle mit besonderen Baustoffen oder Aufschüttungen (Berlin weist ausdrücklich darauf hin).

Der einfachste Einstieg ist eine Orientierungsmessung mit einem elektronischen Gerät wie dem Radon Eye RD200: Live-Werte, Tagesverlauf und Lüftungseffekt nach wenigen Tagen. Ein solches Gerät können Sie bei uns mieten – wie das Ergebnis aussieht, zeigt die Beispiel-Auswertung. Für den verbindlichen Jahresmittelwert empfehlen die Behörden passive Exposimeter über 3–12 Monate (in MV laut LUNG, Stand Juni 2024, „unter 50 €“ über anerkannte Stellen erhältlich). Praxis-Tipps: Messgerät richtig aufstellen.

Rechtlicher Hinweis: Unsere Miet-Messung ist eine Orientierungsmessung – keine Messung durch eine vom BfS anerkannte Stelle nach § 155 StrlSchV. Der Referenzwert von 300 Bq/m³ ist ein Jahresmittel und kein Grenzwert; Kurzzeitwerte liefern eine erste Einschätzung, keinen amtlichen Nachweis.

Fazit

Der Norden hat die besten Radon-Karten Deutschlands – belegt durch Bodenluft-Programme mit hunderten Standorten, Schul-Messkampagnen und geologische Analysen. Verlassen sollte man sich darauf im Einzelfall trotzdem nicht: MV korrigiert seine Prognosen gerade nach oben, Berlin warnt vor Sonderfällen durch Baustoffe und Aufschüttungen. Wer im Keller oder Erdgeschoss wohnt, misst einmal orientierend – und hat dann Gewissheit statt Wahrscheinlichkeit. Die Rechtslage rund um die Gebietskulisse erklärt Radon-Vorsorgegebiete.

Häufige Fragen

Ist Radon in Norddeutschland überhaupt ein Thema?

Seltener als im Süden, aber nicht nie: In der Norddeutschen Tiefebene sind hohe Innenraumwerte laut BfS deutlich seltener, weil uranarme, oft lehmige eiszeitliche Böden vorherrschen – auch die Radon-Konzentration im Freien steigt von Nord nach Süd. Keines der sechs Länder hat Vorsorgegebiete ausgewiesen. Aber: Die Karten beschreiben Regionen, keine Häuser. Mecklenburg-Vorpommern meldete 2024 sogar, dass eigene Messungen teils „höhere Radonpotentiale, als bisher angenommen“ zeigen. Eine Messung im Einzelhaus bleibt der einzige sichere Nachweis.

Wie hoch sind die Werte in Berlin und Hamburg?

Beide Städte nennt das BfS in seiner Wohnungs-Karte als Beispiele für niedrige Stadtwerte – viele Menschen wohnen in Mehrfamilienhäusern und oberen Geschossen, wo wenig Radon ankommt. Berlin hat 2020 an 60 Standorten die Bodenluft untersucht: Es fehlen uranreiche Gesteine, und der tiefere Rupelton wirkt als Barriere; eine Gebietsausweisung war nicht nötig. Einzelfälle erhöhter Werte – etwa durch Baustoffe oder Aufschüttungen mit Trümmerschutt – schließt die Senatsverwaltung aber nicht aus.

Was ergaben die Kita- und Schulmessungen in Hamburg?

Hamburg hat von 2019 bis 2024 in über 200 Kitas und Schulen mehr als 3.000 Räume gemessen. Ergebnis: Über 99 % der Messwerte in Aufenthaltsräumen liegen deutlich unter dem Referenzwert von 300 Bq/m³, rund 90 % sogar unter dem WHO-Empfehlungswert von 100 Bq/m³. Zuvor gab es bereits orientierende Messungen in öffentlichen Gebäuden (2018/2019). Die Radon-Fachseite betreibt die Behörde für Justiz und Verbraucherschutz (radon@justiz.hamburg.de, Tel. 040 42837-3093).

Lohnt sich eine Messung trotz niedriger Karte?

Ja, in bestimmten Situationen: bei Wohn- oder Arbeitsräumen im Keller und Souterrain, bei Häusern mit Naturkeller oder alter Bodenplatte, nach energetischer Sanierung mit dichteren Fenstern – und generell, wenn Sie Gewissheit statt Statistik wollen. Die Prognosekarten gelten ausdrücklich nicht für Einzelgebäude; lokale Ausnahmen (Baustoffe, Aufschüttungen, durchlässige Bodenstellen) kommen überall vor. Eine Orientierungsmessung kostet wenig Zeit und schafft Klarheit; in MV verweist das LUNG auf Messungen „unter 50 €“ über anerkannte Stellen.

An wen wende ich mich in den sechs Ländern?

Berlin: Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt (strahlenschutz@senmvku.berlin.de, Tel. 030 90166-410). Brandenburg: MLEUV Referat 55 (Tel. 0331 866-7950) und LAVG. Hamburg: Behörde für Justiz und Verbraucherschutz (radon@justiz.hamburg.de). Bremen: Senatorin für Umwelt, Klima und Wissenschaft (Tel. 0421 361-74755). Schleswig-Holstein: Radonberatungsstelle des Landes (Tel. 0431 988-5530, radonberatung@melund.landsh.de). Mecklenburg-Vorpommern: LUNG, Dezernat Radonvorsorge (Tel. 0385 588-64550, radonvorsorge@lung.mv-regierung.de).

Quellen und weiterführende Informationen

  1. Berlin – Senatsverwaltung: Radon in Berlin
  2. MLEUV Brandenburg – Radon
  3. Hamburg (BJV) – Schutz vor Radon
  4. Bremen – Schutz vor Radon: Vorsorgemaßnahmen
  5. Schleswig-Holstein – PM 07.12.2020: Ergebnisse des Radon-Untersuchungsprogramms
  6. LUNG Mecklenburg-Vorpommern – Radonvorsorge
  7. BfS – Radon im Freien in Deutschland
  8. BfS – Radon in Wohnungen in Deutschland

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