Radon-Wissen

Radon-Werte-Tabelle: Was bedeuten 100, 300 und 1.000 Bq/m³?

Von 9 Bq/m³ Außenluft bis über 1.000 Bq/m³: Tabelle mit Referenzwert 300, WHO-Empfehlung 100, Durchschnittswerten und Umrechnung in pCi/L.

Veröffentlicht am Aktualisiert am Lesezeit ca. 7 Min. Redaktion radoncheck24.de

Skala der Radon-Werte von 9 Bq/m³ Außenluft bis 1.000 Bq/m³ mit Referenzwert 300 Bq/m³

Radonwerte werden in Becquerel pro Kubikmeter (Bq/m³) angegeben – doch was ist normal, was erhöht, was dringend? Kurz gesagt: Rund 9 Bq/m³ herrschen im Freien, deutsche Wohnungen liegen im Durchschnitt bei etwa 65 Bq/m³, ab 100 Bq/m³ empfiehlt das BfS zu handeln, und 300 Bq/m³ ist der gesetzliche Referenzwert. Diese Seite ordnet alle wichtigen Werte in einer Tabelle ein – inklusive Umrechnung in die US-Einheit pCi/L.

Die große Radon-Werte-Tabelle

Alle Werte beziehen sich auf die Radon-222-Aktivitätskonzentration in der Raumluft, in der Regel als Jahresmittelwert:

Wert (Bq/m³) pCi/L Bedeutung
9 0,2 Jahresmittel der Außenluft in Deutschland (typisch 3–31 Bq/m³)
37 1,0 1 pCi/L – Basis der Umrechnung
44 1,2 Median deutscher Wohnungen (BfS-Erhebung 2019/2020)
65 1,8 bevölkerungsgewichteter Durchschnitt deutscher Wohnungen
100 2,7 WHO-Empfehlung für den nationalen Referenzwert; BfS: ab hier Senkung erwägen, Planungsziel für Neubauten
148 4,0 Aktionswert der US-Umweltbehörde EPA (4 pCi/L)
200 5,4 Action Level in Großbritannien, Richtwert in Kanada
300 8,1 Referenzwert in Deutschland, EU, Österreich und der Schweiz (Jahresmittel)
1.000 27 BfS: bauliche Maßnahmen sollten unbedingt innerhalb von drei Jahren abgeschlossen werden

Zum Vergleich: In einzelnen Gebäuden – vor allem in Bergbauregionen – wurden auch Werte von mehreren Tausend Bq/m³ gemessen. Nach oben ist die Skala also offen; solche Fälle sind aber selten (nur rund 0,25 % der Bevölkerung leben bei über 1.000 Bq/m³).

Was ist ein normaler Radon-Wert?

Einen „Null-Wert“ gibt es nicht: Radon kommt überall in der Umwelt vor, die Außenluft mit ihren rund 9 Bq/m³ gilt als unterste praktisch erreichbare Grenze für Innenräume. Die repräsentative BfS-Messkampagne 2019/2020 (rund 6.000 zufällig ausgewählte Wohnungen, Messung über ein volles Jahr) ergab für Deutschland:

Kenngröße Wert
Median ca. 44 Bq/m³
Durchschnitt (bevölkerungsgewichtet) rund 65 Bq/m³
über 100 Bq/m³ ca. 10,5 Mio. Menschen (rund 12–13 %)
über 300 Bq/m³ knapp 2 Mio. Menschen (ca. 2,2 %)
über 1.000 Bq/m³ ca. 0,25 % der Bevölkerung

Die regionalen Unterschiede sind groß: Die Gemeinde-Mittelwerte reichen von unter 35 Bq/m³ im westlichen Niedersachsen bis über 150 Bq/m³ in vielen Mittelgebirgs- und Gebirgsregionen. Wo Ihre Region steht, zeigt die Radon-Karte Deutschland. Und weil niedrige Geschosse näher am Baugrund liegen, sind Einfamilienhäuser auf dem Land bei gleicher Boden-Belastung stärker betroffen als städtische Mehrfamilienhäuser – warum, erklärt dieser Artikel. Was hinter der Einheit Bq/m³ steckt und wie Radon entsteht, erklärt der Grundlagenartikel Was ist Radon?.

Ab wann sind Radon-Werte gefährlich?

Die unbequeme, aber ehrliche Antwort: Es gibt keinen Schwellenwert, unterhalb dessen Radon mit Sicherheit kein Gesundheitsrisiko darstellt. Das Lungenkrebsrisiko steigt nach den großen europäischen Wohnungsstudien linear um etwa 16 % pro 100 Bq/m³ langjähriger Radonbelastung – bei rund 600 Bq/m³ verdoppelt es sich. „Langjährig“ heißt: Es zählt der Durchschnitt über etwa 20 bis 30 Jahre, nicht der einzelne Spitzenwert an einem verregneten Winterabend.

Was das absolut bedeutet, zeigen die Zahlen des BfS auf Basis der europäischen Studienauswertung:

Gruppe Lungenkrebstote je 1.000 Personen ohne Radon bei 100 Bq/m³ bei 800 Bq/m³
Nie-Raucher ca. 4 4,6 9,3
Raucher (15–24 Zigaretten/Tag) 100 116 216

Für Nichtraucher ist das Zusatzrisiko bei moderaten Werten also klein – für Raucher wirkt Radon auf ein ohnehin hohes Grundrisiko und wiegt dadurch absolut viel schwerer. Ausführlich: Radon und Lungenkrebs sowie Radon und Rauchen.

Einordnung statt Alarm: Ein einzelner hoher Messwert ist kein Notfall – ein dauerhaft hoher Jahresmittelwert ist ein Handlungsauftrag. Radon wirkt über Jahre, nicht über Nacht. Es bleibt also Zeit, sauber zu messen und die passende Maßnahme zu wählen.

300 Bq/m³ in der Tabelle: Maßstab, kein Grenzwert

Der fett markierte Wert von 300 Bq/m³ im Jahresmittel ist der gesetzliche Referenzwert (§ 124 StrlSchG) – kein Grenzwert, der nicht überschritten werden darf, sondern der Maßstab dafür, ob Maßnahmen angemessen sind. Die WHO empfiehlt strenger 100 Bq/m³; auch das BfS rät, bereits ab 100 Bq/m³ zu handeln, und nennt diesen Wert als Planungsziel für Neubauten. Daraus ergeben sich drei Handlungsstufen:

  • über 100 Bq/m³: Konzentration senken – häufig reichen einfache Mittel wie konsequenteres Lüften und das Abdichten von Eintrittspfaden und Kellertüren;
  • über 300 Bq/m³: Maßnahmen zur Senkung sind in jedem Fall angebracht – von der Abdichtung bis zur Absaugung;
  • über 1.000 Bq/m³: bauliche Maßnahmen sollten unbedingt innerhalb von drei Jahren abgeschlossen werden.

Was der Referenzwert rechtlich bedeutet, wie er sich von einem Grenzwert unterscheidet und welche Pflichten an Arbeitsplätzen daraus folgen, steht im Artikel Radon-Grenzwert und Referenzwert erklärt.

Zur Größenordnung der Strahlendosis: Wer dauerhaft bei 300 Bq/m³ wohnt, erhält nach WHO-Angaben eine effektive Dosis von ungefähr 10 mSv pro Jahr – mit den neueren Dosiskoeffizienten der Internationalen Strahlenschutzkommission (ICRP) sind es sogar rund 14 mSv. Zum Vergleich: Die gesamte natürliche Strahlenexposition in Deutschland liegt im Mittel bei etwa 2,1 mSv pro Jahr, davon stammen rund 1,1 mSv vom Radon.

Referenzwerte international im Vergleich

Deutschland liegt mit 300 Bq/m³ am oberen Rand dessen, was die EU-Richtlinie zulässt – andere Länder setzen strengere Schwellen:

Land / Institution Wert (Jahresmittel) Status
WHO 100 Bq/m³ empfohlener nationaler Referenzwert (max. 300)
ICRP 100–300 Bq/m³ empfohlene Spanne für nationale Referenzwerte
Deutschland, EU, Österreich, Schweiz 300 Bq/m³ Referenzwert
Großbritannien 200 Bq/m³ (Target: 100) Action Level
Kanada 200 Bq/m³ Richtwert
USA (EPA) 148 Bq/m³ (4 pCi/L) Aktionswert; „consider fixing“ ab 74 Bq/m³

Umrechnung: Bq/m³ und pCi/L

International begegnen Ihnen zwei Einheiten. In Europa ist Becquerel pro Kubikmeter (Bq/m³) üblich, in den USA Picocurie pro Liter (pCi/L). Die Umrechnung ist einfach:

  • 1 pCi/L = 37 Bq/m³
  • Bq/m³ → pCi/L: Wert durch 37 teilen (Beispiel: 300 Bq/m³ ÷ 37 ≈ 8,1 pCi/L)
  • pCi/L → Bq/m³: Wert mit 37 multiplizieren (Beispiel: 4 pCi/L × 37 = 148 Bq/m³)

So erklärt sich auch, warum der US-Aktionswert der EPA (4 pCi/L ≈ 148 Bq/m³) deutlich niedriger liegt als der deutsche Referenzwert: Die EPA empfiehlt sogar schon zwischen 2 und 4 pCi/L (rund 74–148 Bq/m³), eine Sanierung zu erwägen.

Radon-Werte im Keller: Wie viel „mehr“ ist normal?

Innerhalb eines Hauses sind die Werte nicht gleich verteilt: Die Radonkonzentration ist üblicherweise in bodenberührenden Bereichen – Keller und nicht unterkellerte Erdgeschossräume – am höchsten und nimmt von Stockwerk zu Stockwerk ab. Ein Langzeitbeispiel aus dem BfS-Radon-Handbuch zeigt die typische Staffelung: Keller in der Größenordnung von 500 Bq/m³, Erdgeschoss um 250 Bq/m³, erste Etage um 100 Bq/m³.

Ein erhöhter Kellerwert ist deshalb für sich genommen noch kein Alarmsignal – entscheidend ist, wie viel davon in den tatsächlich genutzten Aufenthaltsräumen ankommt und wie lange Sie sich dort aufhalten. Ein reiner Lagerkeller ist kein Aufenthaltsraum im Sinne des Gesetzes; ein Keller-Homeoffice oder Souterrain-Schlafzimmer dagegen schon – dort gilt derselbe Maßstab wie in jedem Wohnraum.

Der Jahresmittelwert: darauf beziehen sich alle Werte

Alle Referenz- und Richtwerte dieser Tabelle beziehen sich auf das Jahresmittel – aus gutem Grund: Radonwerte schwanken stark mit Jahreszeit, Tageszeit, Wetter und Lüftungsverhalten. Im Winter sind sie in der Regel deutlich höher als im Sommer, nachts höher als tagsüber (warum, lesen Sie hier).

Für die Praxis heißt das:

  1. Kurzzeitwerte richtig einordnen: Ein elektronisches Messgerät wie das Radon Eye RD200 liefert innerhalb von Stunden erste Werte und zeigt Verläufe und Spitzen – ideal als Screening und zur Ursachensuche. Ein direkter Vergleich mit dem Referenzwert ist damit aber nur als Orientierung möglich. Wie Sie Ihre Messergebnisse interpretieren, zeigt Messwerte verstehen und unsere Beispiel-Auswertung.
  2. Langzeit bestätigt: Für belastbare Jahresmittelwerte empfiehlt das BfS passive Messungen über 3 bis 12 Monate, bevorzugt in der Heizperiode (wie lange messen?).
  3. Ort wählen: Gemessen wird in den wichtigsten Aufenthaltsräumen – und zusätzlich dort, wo die höchsten Werte zu erwarten sind, typischerweise im Keller.
Tipp: Starten Sie mit einem gemieteten Radon-Messgerät als Schnellcheck: Bleiben die Werte auch bei geschlossenen Fenstern und in der Heizperiode deutlich unter 100 Bq/m³, ist eine Überschreitung des Referenzwerts unwahrscheinlich. Bei höheren Werten lohnt die Langzeitmessung – so funktioniert’s.

Häufige Fragen

Welcher Radon-Wert ist normal?

In deutschen Wohnungen liegt der Median bei etwa 44 Bq/m³, der bevölkerungsgewichtete Durchschnitt bei rund 65 Bq/m³ (BfS-Messkampagne 2019/2020). Im Freien sind es im Mittel rund 9 Bq/m³. Werte in dieser Größenordnung sind unauffällig – ein „Null-Wert“ ist allerdings nirgends erreichbar, denn Radon kommt überall in der Umwelt vor.

Ab wann ist ein Radon-Wert gefährlich?

Es gibt keinen Schwellenwert, unterhalb dessen Radon sicher unbedenklich wäre – das Risiko steigt linear mit Konzentration und Dauer (ca. 16 % höheres Lungenkrebsrisiko pro 100 Bq/m³ langjähriger Belastung). Als Orientierung: Ab 100 Bq/m³ im Jahresmittel empfiehlt das BfS, die Konzentration zu senken; über 300 Bq/m³ sind Maßnahmen in jedem Fall angebracht; über 1.000 Bq/m³ sollten bauliche Maßnahmen innerhalb von drei Jahren abgeschlossen werden.

Was bedeutet 300 Bq/m³?

300 Bq/m³ ist der gesetzliche Referenzwert für die über das Jahr gemittelte Radonkonzentration in Aufenthaltsräumen und an Arbeitsplätzen (§§ 124, 126 StrlSchG). Er ist kein Grenzwert, sondern ein Maßstab: Liegt der Jahresmittelwert darüber, gilt die Belastung als unangemessen hoch und Gegenmaßnahmen sind angezeigt. Details im Artikel Grenzwert und Referenzwert.

Wie rechne ich Bq/m³ in pCi/L um?

1 pCi/L (Picocurie pro Liter, die US-Einheit) entspricht 37 Bq/m³. Zur Umrechnung teilen Sie den Bq/m³-Wert durch 37 – oder multiplizieren einen pCi/L-Wert mit 37. Beispiel: Der US-Aktionswert von 4 pCi/L entspricht rund 148 Bq/m³; der deutsche Referenzwert von 300 Bq/m³ entspricht etwa 8,1 pCi/L.

Wie hoch ist der Durchschnitt in deutschen Wohnungen?

Nach der repräsentativen BfS-Messkampagne 2019/2020 beträgt der bevölkerungsgewichtete Jahresmittelwert rund 65 Bq/m³; der Median liegt bei ca. 44 Bq/m³. Etwa 10,5 Millionen Menschen (rund 12–13 %) leben bei mehr als 100 Bq/m³, knapp 2 Millionen bei mehr als 300 Bq/m³ und rund 0,25 % der Bevölkerung bei über 1.000 Bq/m³.

Gilt im Keller ein anderer Wert?

Nein, es gibt keinen eigenen Keller-Grenzwert. Der Referenzwert von 300 Bq/m³ bezieht sich auf Aufenthaltsräume – also Räume, die zum nicht nur vorübergehenden Aufenthalt bestimmt sind. Ein reiner Lagerkeller fällt nicht darunter; sobald ein Kellerraum aber als Wohn-, Hobby- oder Arbeitsraum genutzt wird, gilt derselbe Maßstab wie überall im Haus. Mehr dazu: Radon im Keller.

Reicht eine kurze Messung, um den Wert mit 300 Bq/m³ zu vergleichen?

Nur eingeschränkt. Der Referenzwert bezieht sich auf das Jahresmittel, während Radonwerte mit Jahreszeit, Wetter und Lüftung stark schwanken. Kurzzeitmessungen – etwa mit einem gemieteten elektronischen Gerät – sind eine gute erste Orientierung und zeigen Spitzen und Verläufe; für den verlässlichen Vergleich mit dem Referenzwert empfiehlt das BfS Messungen über 3 bis 12 Monate, bevorzugt in der Heizperiode.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. BfS – Referenzwert
  2. § 124 StrlSchG – Referenzwert
  3. BfS – Radon in Wohnungen in Deutschland (Karte)
  4. BfS – Radon in der Freiluft
  5. WHO – Fact sheet „Radon and health“
  6. US EPA – What is EPA's Action Level for Radon and What Does it Mean?
  7. Richtlinie 2013/59/Euratom (Art. 74)
  8. BfS-Broschüre „Radon in Innenräumen“ (Strahlenschutzstandpunkt)

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