Radon messen

RadonEye RD200 im Praxis-Check: Genauigkeit, App, Stärken, Schwächen

FTLab RadonEye RD200: Ionisationskammer, erster Wert nach 10 Minuten, ±10 %, Bluetooth-App, ca. 190 €. Erfahrungen aus der Vermietung, Stärken, Schwächen.

Veröffentlicht am Aktualisiert am Lesezeit ca. 7 Min. Redaktion radoncheck24.de

RadonEye RD200 Radon-Messgerät mit OLED-Display und Bluetooth-Verbindung zur Smartphone-App

Das RadonEye RD200 des koreanischen Herstellers FTLab ist der Referenzpunkt unter den elektronischen Radon-Messgeräten für Privathaushalte: gepulste Ionisationskammer, erster Messwert nach rund 10 Minuten, Herstellerangabe unter ±10 % Abweichung – zum Kaufpreis von etwa 190 Euro im Fachhandel (Stand 09/2026). Wir setzen das Gerät in unserem Vermietbetrieb ein und kennen seine Stärken und Eigenheiten aus der täglichen Praxis. Hier ist der komplette Check: Technik, Studienlage, App, Schwächen und für wen sich das Gerät lohnt.

Technische Daten im Überblick

Merkmal Wert (Herstellerangaben)
Sensor gepulste Ionisationskammer, 200 cm³
Messbereich ca. 1–3.700 Bq/m³ (0,1–99,99 pCi/L); darüber Anzeige „OVER“
Genauigkeit < ±10 % (Mindestfehler ca. ±15–18 Bq/m³), geprüft durch KTL
Präzision < 10 % bei 370 Bq/m³
Erster Wert / verlässlich nach ca. 10 min / nach ca. 60 min
Messintervall Update alle 10 min (gleitender 60-Minuten-Mittelwert)
Datenspeicher 1 Wert pro Stunde, bis zu 1 Jahr, bleibt bei Stromausfall erhalten
Anzeige 0,96-Zoll-OLED: aktueller Wert, Tagesmittel, 30-Tage-Mittel, Peak, Messdauer
Verbindung Bluetooth LE (Reichweite < 10 m), App für iOS und Android
Alarm akustisch + LED, Standardschwelle 148 Bq/m³, in der App einstellbar
Stromversorgung 12-V-Netzteil (kein Akku)
Betriebsbedingungen 10–40 °C, Luftfeuchte unter 80 %
Maße / Gewicht Ø 80 mm × 120 mm, 240 g
Lebensdauer laut Hersteller ca. 5 Jahre; Nachkalibrierung für den Privatgebrauch i. d. R. nicht nötig

Wie das RadonEye misst

Im Inneren sitzt eine 200-cm³-Ionisationskammer: Alphateilchen aus dem Zerfall von Radon und seinen Folgeprodukten erzeugen in der Kammerluft Ladungsimpulse, die eine empfindliche Verstärkerschaltung registriert; ein Algorithmus filtert Störsignale heraus und berechnet daraus die Radonkonzentration. Der Hersteller beziffert die Empfindlichkeit auf 30 Zählimpulse pro Stunde je pCi/L – nach eigener Aussage 20- bis 30-mal mehr als bei einfachen Consumer-Geräten. Praktisch bedeutet das: Das RD200 reagiert schnell und liefert auch bei niedrigen Konzentrationen brauchbare Stundenwerte, wobei einzelne Stundenwerte bei sehr niedrigen Werten prinzipbedingt etwas streuen – Tages- und Wochenmittel sind robust.

Zur Einordnung in die BfS-Systematik: Das RD200 ist ein elektronisches Messgerät für Momentaufnahmen, Screening und Dauerbeobachtung. Es ersetzt keine Langzeitmessung mit passiven Detektoren, wenn es um den Jahresmittelwert geht – dafür zeigt es Ihnen in Echtzeit, was in Ihrem Haus passiert. Wie das Gerät in den Gesamtablauf einer Messung passt, zeigt der Überblick über Messwege und Messdauer.

Genauigkeit: Was unabhängige Studien sagen

Herstellerangaben sind das eine – unabhängige Prüfungen das andere. Die Studienlage zum RadonEye ist ungewöhnlich gut:

  • Sensors 2024 (Rábago et al.): Im 54-Tage-Vergleich mehrerer Low-Cost-Monitore gegen ein kalibriertes AlphaGUARD-Referenzgerät wich das RD200 im Mittel um −15,8 % ab, das Schwestermodell Plus2 um −9,4 %. Beide RadonEye-Geräte reagierten sehr ähnlich und gehörten zu den schnelleren Geräten im Feld; bei Konzentrationssprüngen brauchte die Anzeige wegen der 60-Minuten-Mittelung einige Stunden bis zur vollen Anpassung.
  • Radiation Measurements 2024: 20 Plus2-Geräte (gleiches Sensorprinzip) zeigten im Labor eine Präzision von rund 9 %, systematische Abweichungen von 3–16 % und exzellente Linearität; für Messungen in Wohnungen und an Arbeitsplätzen wurde die Genauigkeit als ausreichend eingestuft. Zwischen einzelnen Geräten sind Abweichungen von bis zu ±15 % möglich – ein Grund, warum wir unsere Mietflotte regelmäßig gegenprüfen.
  • heise-Praxistest (Januar 2025): Fazit: schnell, genau, auch ohne App nutzbar, mit Alarmfunktion und fairem Preis – schneller und genauer als das mitgeteste Airthings View Plus. Kritikpunkte: keine Smart-Home-Anbindung ab Werk, nur Bluetooth, App nur auf Englisch.

Unterm Strich: Für eine Orientierungsmessung ist das RD200 genauer, als es sein müsste – die zeitliche Repräsentativität der Messung (Jahreszeit, Dauer, Lüftungsverhalten) beeinflusst das Ergebnis stärker als die Gerätetoleranz. Mehr dazu unter Wie lange Radon messen?

Bedienung und Anzeige in der Praxis

Die Inbetriebnahme ist unspektakulär: Netzteil einstecken, fertig. Das Gerät kalibriert sich selbst und beginnt zu messen. Auf dem OLED-Display rotieren unter dem aktuellen Wert mehrere Anzeigen: M (Tagesmittel), L (30-Tage-Mittel, erscheint nach 30 Tagen), T (Messdauer), C (Zählimpulse der letzten 10-Minuten-Intervalle – daran sehen Sie Lüftungseffekte fast live) und Peak (Spitzenwert). Der akustische Alarm steht ab Werk auf 148 Bq/m³ (dem US-Aktionswert von 4 pCi/L) und lässt sich in der App anpassen oder abschalten – bei unseren Mietgeräten konfigurieren wir das vorab, damit nachts nichts piept.

Die kostenlose App „RadonEye“ (iOS ab Version 13, Android ab 5.0) verbindet sich per Bluetooth LE, zeigt Live-Wert und Verlauf, lädt die Stundenwerte aus dem Gerät und exportiert sie seit dem App-Update von August 2025 als CSV-Datei. Die Schritt-für-Schritt-Einrichtung mit allen Einstellungen haben wir in der RD200-Anleitung zusammengestellt.

Stärken und Schwächen ehrlich bilanziert

Stärken:

  • Sehr schnelle erste Einschätzung: erster Wert nach ca. 10 Minuten, spezifikationsgerecht nach einer Stunde
  • Hohe Empfindlichkeit und gute, studiengeprüfte Genauigkeit für die Geräteklasse
  • Stundenauflösung über bis zu ein Jahr – ideal für Tagesgänge, Lüftungseffekte und Ursachensuche
  • Funktioniert komplett ohne Cloud und ohne Konto – die Daten bleiben im Gerät (klarer Datenschutzvorteil)
  • Robust und wartungsarm; Nachkalibrierung im Privatgebrauch laut Hersteller in der Regel nicht erforderlich

Schwächen:

  • Keine Zeitstempel: Das Gerät hat keine interne Uhr. Exporte enthalten nur fortlaufende Stundenwerte – die Startzeit müssen Sie notieren, Stromunterbrechungen verschieben die Zeitachse unbemerkt.
  • Nur eine Bluetooth-Verbindung: App und Smart-Home-Anbindung schließen sich gegenseitig aus; die Reichweite liegt unter 10 Metern.
  • App nur auf Englisch und mit mäßigen Store-Bewertungen; Export und Kopplung funktionieren, sind aber nicht elegant.
  • Netzbetrieb zwingend: kein Akku; Powerbank-Betrieb nur mit speziellem Step-up-Kabel (12 V) und Powerbank ohne Abschaltautomatik.
  • „OVER“ ab ca. 3.700 Bq/m³: Für extrem belastete Keller reicht der Messbereich nicht – dort sind Profigeräte gefragt.
  • Träge bei Sprüngen: Durch die 60-Minuten-Mittelung dauert es einige Stunden, bis ein plötzlicher Konzentrationssprung voll angezeigt wird – für Wochenmessungen irrelevant, bei kurzen „Lüftungsexperimenten“ einplanen.

Varianten: RD200, Plus2, Pro – und die Versionsfrage

Variante Verbindung Messbereich Besonderheit
RD200 (v1, bis 2021) Bluetooth LE 1–3.700 Bq/m³ ursprüngliche Version, eigenes BLE-Protokoll
RD200 v2/v3 („RD200N“/„RD200V3“, ab 2022) Bluetooth LE 1–3.700 Bq/m³ neues BLE-Protokoll – relevant für Smart-Home-Integrationen
RadonEye Plus2 (RD200P2) WLAN + BLE 1–9.435 Bq/m³ Cloud „RadonNet“, Zeitstempel, Temperatur/Feuchte; in DE kaum noch lieferbar
RadonEye Pro (RD200P) BLE Profi-Segment Gerät für Inspektoren mit jährlicher Kalibrierung, kein Consumer-Produkt

Äußerlich sind die RD200-Generationen kaum zu unterscheiden; technisch änderte sich 2022 das Bluetooth-Protokoll, was ältere Drittanbieter-Integrationen brach. Aktuelle Tools wie sormy/radoneye (Python), die Home-Assistant-Integration jdeath/rd200v2 und das openHAB-Binding unterstützen die neuen Versionen und lesen Live-Werte und Stundenhistorie aus. Für Bastler ist das RD200 damit trotz fehlender offizieller Smart-Home-Anbindung gut integrierbar.

Unsere Erfahrungen aus dem Vermietbetrieb

Wir vermieten das RD200, weil es für den Zweck „schnelle, verlässliche Orientierung“ derzeit das beste Preis-Leistungs-Verhältnis bietet. Ein paar Dinge haben wir dabei gelernt und in unseren Ablauf eingebaut:

  • Voreinstellung: Jedes Gerät geht mit Einheit Bq/m³ und sinnvoll konfiguriertem Alarm auf die Reise – das erspart die häufigsten Support-Fragen.
  • Zeitachse: Weil das Gerät keine Uhr hat, erfassen wir den Einschaltzeitpunkt und gleichen ihn mit der Gerätestatistik ab; in der PDF-Auswertung weisen wir die Annahmen transparent aus (Beispiel-Auswertung ansehen).
  • Qualitätskontrolle: Zwischen den Vermietungen prüfen wir die Geräte und lassen die Flotte regelmäßig parallel laufen, um Ausreißer auszusortieren – die Studienlage zeigt ja, dass einzelne Geräte um bis zu ±15 % streuen können.

Wichtig zu wissen: Eine Messung mit dem RadonEye RD200 – ob gemietet oder gekauft – ist eine Orientierungsmessung. Sie ist keine Messung durch eine vom BfS anerkannte Stelle (§ 155 StrlSchV), erfüllt keine gesetzliche Messpflicht an Arbeitsplätzen und liefert keinen Jahresmittelwert im Sinne des Referenzwerts von 300 Bq/m³. Für belastbare Jahreswerte kombinieren Sie das Screening mit einer Langzeitmessung.

Preis und Bezug: mieten oder kaufen?

Neu kostet das RadonEye RD200 im deutschen Fachhandel 189 € bei einer UVP von 199 € (radonshop.com, Stand 04.09.2026). Bei uns können Sie das RD200 mieten – 29,00 € für 7 Tage, 49,00 € für 14 Tage, 69,00 € für 30 Tage, jeweils inklusive Versand, Rückversand und PDF-Auswertung – oder, wenn Sie dauerhaft überwachen möchten, im Fachhandel kaufen (siehe Mieten oder kaufen?). Dieser Vergleich rechnet durch, welche Variante sich wann lohnt; wie sich das RD200 gegen Airthings & Co. schlägt, lesen Sie im Messgeräte-Vergleich.

Häufige Fragen

Wie genau ist der RadonEye RD200?

Der Hersteller gibt eine Abweichung von unter ±10 % an (bei 370 Bq/m³, geprüft durch das Korea Testing Laboratory). Unabhängige Messungen bestätigen die Größenordnung: In der Sensors-Studie 2024 lag das RD200 im Mittel 15,8 % unter dem Referenzgerät AlphaGUARD und schnitt damit unter den Low-Cost-Monitoren sehr gut ab. Für Orientierungsmessungen ist das mehr als ausreichend – die zeitliche Schwankung der Radonkonzentration wiegt schwerer als die Gerätetoleranz.

Wie schnell zeigt er den ersten Wert?

Nach dem Einstecken kalibriert sich das Gerät selbst (Selbsttest rund 2 Minuten) und zeigt nach etwa 10 Minuten den ersten Messwert an. Verlässlich im Sinne der Herstellerspezifikation (unter ±10 %) ist die Anzeige nach rund 60 Minuten, wenn das Display von „STS Ready“ auf „STS Normal“ wechselt. Danach aktualisiert das Gerät alle 10 Minuten als gleitenden Stundenmittelwert.

Was unterscheidet RD200 und RD200P2/Plus2?

Der Plus2 (RD200P2) hat zusätzlich WLAN mit Cloud-Anbindung (RadonNet), Temperatur- und Feuchtesensor, Zeitstempel aus der Cloud und einen größeren Messbereich bis 9.435 Bq/m³ – bei gleichem Sensorprinzip. In Deutschland ist der Plus2 allerdings kaum noch regulär lieferbar; der Hersteller listet ihn nicht mehr. Das Standard-RD200 arbeitet ohne Cloud, was aus Datenschutzsicht eher ein Vorteil ist.

Funktioniert die App auf Deutsch?

Nein, die RadonEye-App von FTLab gibt es nur auf Englisch (und Koreanisch). Die Bedienung ist aber überschaubar: verbinden, Live-Wert und Graph ansehen, Daten laden, exportieren, Einheit und Alarm einstellen. Unsere Schritt-für-Schritt-Anleitung auf Deutsch führt durch alle Funktionen, und Mietkunden erhalten von uns eine deutsche Kurzanleitung.

Kann ich den RD200 mit Home Assistant verbinden?

Ja, über Community-Integrationen: Für Home Assistant gibt es HACS-Integrationen (z. B. jdeath/rd200v2), außerdem existieren ein openHAB-Binding und Python-Tools wie sormy/radoneye, die Live-Werte und sogar die komplette Stundenhistorie per Bluetooth auslesen. Zu beachten: Das Gerät erlaubt nur eine Bluetooth-Verbindung gleichzeitig – solange die Smart-Home-Anbindung verbunden ist, kommt die Handy-App nicht ans Gerät.

Wo kann ich den RD200 mieten oder kaufen?

Mieten können Sie das RadonEye RD200 bei uns ab 29,00 € für 7 Tage – inklusive Versand in beide Richtungen und einer PDF-Auswertung Ihrer Messwerte. Kaufen können Sie das Gerät im deutschen Fachhandel (z. B. radonshop.com, ca. 189–199 €) – wir konzentrieren uns auf die Miete mit Auswertung. Für eine einmalige Überprüfung rechnet sich fast immer die Miete, für die Dauerüberwachung der Kauf.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. FTLab – Datenblatt RadonEye RD200 & RD200M (V1.4)
  2. Ecosense – RadonEye RD200 FAQ
  3. Rábago et al.: Performance of Various Low-Cost Radon Monitors, Sensors 24(6):1836 (2024)
  4. Calibration and metrological test of the RadonEye Plus2, Radiation Measurements 175 (2024)
  5. heise online – Raumluftsensor FT Lab Radon Eye RD200 im Test (02.01.2025)
  6. BfS – Radon-Messgeräte
  7. sormy/radoneye – Open-Source-BLE-Tool für RadonEye (GitHub)

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