Sanierung & Bauen
Radon abdichten: Keller, Bodenplatte, Durchführungen – nachträglich und im Neubau
Risse, Fugen, Rohrdurchführungen, Kellertür: Wo Abdichten wirkt (und wo nicht), Radonschutzfolien, Beschichtungen, Kosten 500–2.000 €, Prioritätenliste.
Radon dringt fast immer dort ein, wo das Haus Kontakt zum Erdreich hat: durch Risse und Fugen in Bodenplatte und Kellerwänden, über Rohr- und Kabeldurchführungen und durch undichte Kellertüren. Diese Stellen abzudichten ist die klassische Einstiegsmaßnahme – schnell, günstig (Marktangabe: 500–2.000 € netto als Handwerkerleistung) und teilweise in Eigenleistung machbar. Wichtig für realistische Erwartungen: Einfache Abdichtmaßnahmen senken die Radonkonzentration laut BfS nur um 0 bis 25 % und wirken am besten in Kombination mit anderen Maßnahmen.
- Wo Radon eindringt: die typischen Schwachstellen
- Schritt für Schritt: Risse, Fugen und Durchführungen abdichten
- Prioritätenliste: was Sie zuerst abdichten sollten
- Radonschutzfolie nachträglich? Was flächige Abdichtungen im Bestand leisten
- Abdichten im Neubau: von Anfang an dicht
- Wo Abdichten nicht reicht: die Kombination macht’s
- Erfolg kontrollieren
Wo Radon eindringt: die typischen Schwachstellen
Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) beschreibt den Hauptpfad klar: Radon gelangt aus dem Baugrund über Leitungsdurchführungen, Risse und fehlende Isolierung in Bodenplatte und Kellerboden ins Gebäude – begünstigt durch den Unterdruck, den der „Kamineffekt“ in den unteren Etagen erzeugt. Die sächsische Planungshilfe listet als typische Eintrittspfade im Bestand:
- Risse und Fugen in Fußböden und erdberührten Wänden
- Wand-Boden-Anschlüsse und Randfugen
- Rohr-, Kabel- und Mediendurchführungen (Wasser, Abwasser, Strom, Gas, TV), offene Leerrohre
- Spalten in Holzfußböden, undichte Deckenanschlüsse
- Schächte, Bodenabläufe, Hohlräume in Wänden
- die Kellertür samt Schlüsselloch – schon ein offenes Bartschlüsselloch lässt laut BfS-Radon-Handbuch „erhebliche Radongasfrachten“ durch
Wie das Gas entsteht und ins Haus wandert, erklärt ausführlich Woher kommt Radon und wie gelangt es ins Haus?
Schritt für Schritt: Risse, Fugen und Durchführungen abdichten
- Eintrittsstellen aufspüren: Begehen Sie Keller und Erdgeschoss systematisch (Checkliste oben). Ein zeitauflösendes Messgerät hilft bei der Ursachensuche: Steigen die Werte in einem Raum besonders schnell, sitzt dort meist ein Eintrittspfad.
- Risse und Fugen verfüllen: mit elastischen Dichtungsmassen (z. B. Silikon). Elastisch deshalb, weil Bauteile arbeiten – starre Spachtelmassen reißen wieder auf.
- Durchführungen gasdicht anschließen: Rohr- und Kabeldurchführungen mit Dichtstoff oder speziellen Flanschlösungen abdichten, Leerrohre verschließen.
- Kellertür dichten: umlaufende Dichtprofile, Türschließer, Sicherheitszylinder statt offenem Schlüsselloch. Das trennt den belasteten Keller vom Wohnbereich.
- Erfolg messen, Dichtungen pflegen: Nachmessung durchführen; das BfS empfiehlt, Dichtungen alle 5 bis 8 Jahre zu prüfen.
Das BfS stuft diese Arbeiten ausdrücklich als selbst machbar ein („Türen und Rohrdurchführungen zum Keller … mit elastischen Dichtprofilen oder Silikon selbst abdichten“). Beachten Sie eine Nebenwirkung der Raumabtrennung: Sie senkt die Konzentration in den genutzten Räumen, erhöht sie aber in der Regel in den abgetrennten Bereichen – der Keller braucht dann weiterhin Lüftung, siehe Radon und Lüften.
Prioritätenliste: was Sie zuerst abdichten sollten
Nicht jede Fuge ist gleich wichtig. Aus den Empfehlungen von BfS und sächsischer Planungshilfe ergibt sich eine sinnvolle Reihenfolge – von der größten Wirkung fürs geringste Geld abwärts:
- Kellertür und Raumabtrennung: Dichtprofile, Türschließer, Schlüsselloch schließen – trennt den belasteten Keller vom Wohnbereich und bremst den Kamineffekt. Selbstschließende oder gasdichte Türsysteme sind die Ausbaustufe.
- Große offene Pfade: offene Leerrohre, Schächte, Bodenabläufe ohne Wasservorlage (Siphon), Installationsdurchbrüche zwischen den Etagen – hier strömt Luft praktisch ungehindert.
- Rohr- und Mediendurchführungen durch Bodenplatte und erdberührte Wände: mit Dichtmasse oder Flanschen gasdicht anschließen.
- Risse und Fugen in Boden und Wänden, insbesondere die Wand-Boden-Fuge (Randfuge).
- Feinheiten: Übergänge an Treppen, Deckenanschlüsse, Spalten in Holzfußböden.
Parallel dazu immer die Unterdruckquellen entschärfen (Dunstabzug auf Umluft, Nachströmöffnung für Feuerstätten) – denn die Druckdifferenz ist laut sächsischer Planungshilfe die häufigste Ursache des Radoneintritts, und jede nicht gefundene Restfuge wirkt umso stärker, je mehr das Haus saugt.
Radonschutzfolie nachträglich? Was flächige Abdichtungen im Bestand leisten
Der Wunsch ist verständlich: einmal Folie verlegen, Ruhe haben. Im Bestand stößt das aber an Grenzen. Die sächsische Planungshilfe stellt fest, dass flächige Abdichtungen im bewohnten Bestand „zumeist nicht oder nicht in der angestrebten Sicherheit“ möglich sind. Bei erhaltenem Altfußboden – etwa Ziegel auf Kies oder Dielen auf Lehm (typisch bis ca. 1945) oder Estrich auf Betonplatte (1950er- bis 70er-Jahre) – „kann in der Regel nachträglich keine radondichte Abdichtungslösung realisiert werden“. Auch Bitumenabdichtungen altern und verlieren ihre Dichtwirkung.
Anders sieht es aus, wenn der Fußboden ohnehin komplett saniert wird: Dann sind alle Radonschutzmaßnahmen möglich – neue Bodenplatte, radondichte Bahnen oder Beschichtungen, kombiniert mit einer Radondrainage in der Kiesschicht (Mehrkosten dafür nur ca. 900–2.900 €). Genau dieser Fall ist im Altbau-Ratgeber beschrieben.
Gut zu wissen für Material-Entscheidungen: Entscheidend ist nicht die Diffusion durch das Material, sondern die konvektionsdichte (luftdichte) Ausführung – also verklebte oder verschweißte Bahnenstöße und gasdicht angeschlossene Durchführungen. Eine Bitumendickbeschichtung ab 4 mm Trockendicke gilt als radondicht (sächsische Planungshilfe). Radondichte Produkte werden mit Prüfzeugnissen zum Radondiffusionskoeffizienten angeboten; die Kostenunterschiede entstehen laut Sachsen primär durch das gewählte System, nicht durch das Radonzertifikat.
Abdichten im Neubau: von Anfang an dicht
Im Neubau ist Radonschutz einfach und günstig: Wer die anerkannten Regeln der Technik zum Feuchteschutz einhält (u. a. DIN 18533), erfüllt damit bundesweit die gesetzliche Pflicht aus § 123 StrlSchG, den Radonzutritt zu verhindern oder erheblich zu erschweren. Eine wichtige Feinheit aus der sächsischen Planungshilfe: Beim Lastfall Bodenfeuchte (W1-E) verlangt die Norm nicht zwingend gasdichte Bahnenanschlüsse und Mediendurchführungen – hier sollten Bahnen verklebt/verschweißt und Durchführungen mit Flanschen gasdicht angeschlossen werden. Beim Lastfall drückendes Wasser (W2-E) gilt die fehlerfreie Abdichtung dagegen auch im Detail als radondicht – ohne Mehrkosten.
In Radon-Vorsorgegebieten verlangt § 154 StrlSchV zusätzlich mindestens eine weitere Maßnahme – etwa diffusionshemmende, konvektionsdicht verarbeitete Materialien oder die Begrenzung der Rissbildung im Beton. Alle Pflichten, Bauteile und Mehrkosten finden Sie im Ratgeber Radonschutz im Neubau.
Wo Abdichten nicht reicht: die Kombination macht’s
Abdichten bekämpft die Eintrittswege – nicht den Antrieb (Unterdruck) und nicht die Quelle (radonhaltige Bodenluft). Deshalb kombinieren erfolgreiche Sanierungen mehrere Ansätze:
| Situation | Empfohlene Kombination |
|---|---|
| Leicht erhöhte Werte (ca. 100–300 Bq/m³) | Abdichten + gezieltes Lüften + Kellertür dichten |
| Deutlich erhöhte Werte, Werte springen nach Lüften schnell zurück | Abdichten + Absaugung unter der Bodenplatte / Radonbrunnen |
| Unterdruck durch Ofen, Kamin, Abluftanlagen | Abdichten + Nachströmöffnungen / Umluftbetrieb / raumluftunabhängige Feuerstätten |
| Komplettsanierung des Fußbodens geplant | neue Abdichtung + Radondrainage in der Kiesschicht |
Die Wirkung der Kombination ist gut belegt: In sieben dokumentierten deutschen Sanierungsfällen (KORA-Datenbank) sank die Radonkonzentration um 87 bis 98 % – fast immer durch Abdichtung plus Radonbrunnen oder Radondrainage. Den Überblick über alle Stufen gibt die Seite Radonsanierung.
Erfolg kontrollieren
Nach dem Abdichten gilt wie bei jeder Maßnahme: nachmessen. Für die schnelle Vorher-Nachher-Kontrolle einzelner Maßnahmen eignet sich ein zeitauflösendes Gerät wie unser Radon Eye RD200 zur Miete – wie das praktisch abläuft, zeigt So funktioniert’s. Für die Bewertung gegenüber dem Referenzwert von 300 Bq/m³ (Jahresmittel) empfehlen BfS und Normung anschließend eine Langzeitmessung mit passiven Detektoren über mindestens zwei bis drei Monate, ideal zwölf – Details unter Wie lange messen?
Häufige Fragen
Wo dringt Radon typischerweise ein?
Hauptsächlich aus dem Baugrund über Risse und Fugen in Bodenplatte und Kellerboden, fehlende Isolierung, Wand-Boden-Anschlüsse, Rohr- und Kabeldurchführungen sowie Schächte. Die sächsische Planungshilfe nennt zusätzlich Spalten in Holzfußböden, undichte Deckenanschlüsse und Hohlräume in Wänden. Von dort verteilt der Kamineffekt das Gas nach oben ins Haus.
Wie dichte ich Risse und Durchführungen ab?
Risse und Fugen mit elastischen Dichtstoffen wie Silikon verfüllen, Rohr- und Leitungsdurchführungen mit Dichtmasse oder Flanschlösungen gasdicht anschließen, Kellertür mit Dichtprofilen und Türschließer nachrüsten. Das ist laut BfS und LfU Bayern auch in Eigenleistung machbar. Danach den Erfolg messen und die Dichtungen alle 5 bis 8 Jahre prüfen.
Bringt eine Radonfolie nachträglich etwas?
Nur eingeschränkt. Flächige Abdichtungen sind im Bestand laut sächsischer Planungshilfe „zumeist nicht oder nicht in der angestrebten Sicherheit“ umsetzbar – bei erhaltenem Altfußboden lässt sich in der Regel keine radondichte Lösung realisieren. Sinnvoll wird die radondichte Folie oder Bahn, wenn der Fußbodenaufbau ohnehin komplett erneuert wird; dann sind alle Radonschutzmaßnahmen möglich.
Reicht Abdichten allein?
Selten. Das BfS-Radon-Handbuch beziffert das Reduktionspotenzial einfacher Abdichtmaßnahmen auf nur 0 bis 25 %, Anwendungsbereich bis etwa 1.000 Bq/m³. Abdichten wirkt am besten in Kombination – etwa mit einer Absaugung unter der Bodenplatte: Dokumentierte deutsche Sanierungsfälle mit dieser Kombination erreichten 87 bis 98 % Reduktion.
Was kostet die Abdichtung?
Das Abdichten von Rissen, Fugen und Durchführungen kostet als Handwerkerleistung nach Marktangaben etwa 500 bis 2.000 Euro netto; Material für die Eigenleistung (Dichtstoffe, Türdichtprofile) ist deutlich günstiger. Eine radondichte Bitumendickbeschichtung mit 4 mm Trockendicke kostet im Neubau rund 15–20 % mehr als die 3-mm-Ausführung. Alle Zahlen im Ratgeber Kosten.
Quellen und weiterführende Informationen
- BfS – Schutzmaßnahmen: Was kann ich tun? Was muss ich tun?
- BfS – Radon in Gebäuden (Eintrittswege)
- BfS – Radon-Handbuch Deutschland (2019)
- Freistaat Sachsen – Radonschutzmaßnahmen: Planungshilfe für Neu- und Bestandsbauten
- § 123 StrlSchG – Maßnahmen an Gebäuden
- DIN/TS 18117-1:2021-09 – Bauliche und lüftungstechnische Maßnahmen zum Radonschutz
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