Radon-Wissen
Woher kommt Radon – und wie gelangt es ins Haus?
Uran-Zerfall im Boden, Bodenluft, Kamineffekt: So entsteht Radon und so dringt es über Risse, Fugen und Rohrdurchführungen in Keller und Erdgeschoss ein.
Radon entsteht beim Zerfall von Uran, das in allen Böden und Gesteinen vorkommt. Aus dem Untergrund gelangt das Gas mit der Bodenluft in Gebäude – über Risse, Fugen und Rohrdurchführungen, angesaugt durch den Unterdruck des sogenannten Kamineffekts. Dieser Artikel erklärt beide Schritte: die Entstehung im Boden und die Eintrittswege ins Haus.
- Die Quelle: Uran-Zerfall im Boden
- Bodenluft: die Hauptquelle für Radon im Haus
- Eintrittswege: Wo Radon ins Gebäude gelangt
- Der Kamineffekt: Warum das Haus Radon ansaugt
- Verteilung im Haus: von unten nach oben
- Fazit: Boden liefert, Haus saugt an
Die Quelle: Uran-Zerfall im Boden
Die Erdkruste enthält überall geringe Mengen Uran-238. Beim Zerfall dieses Urans entstehen weitere radioaktive Stoffe, darunter Radium-226 – und aus diesem das Gas Radon-222. Dieser Prozess läuft seit Jahrmillionen ab und wird nie aufhören: Radon wird im Boden ständig nachgebildet.
Als Edelgas geht Radon keine chemischen Verbindungen ein und ist dadurch außergewöhnlich mobil. Ein Teil des entstehenden Radons wird im Porenraum der Böden und Gesteine freigesetzt und wandert von dort zur Erdoberfläche. Spalten, Klüfte und Risse im Untergrund begünstigen den Transport; erhöhte Konzentrationen finden sich häufig an Gesteinsgrenzen, Klüften und Bergsenkungen. Die Witterung beeinflusst vor allem die oberflächennahe Bodenluft bis etwa einen Meter Tiefe.
Wie viel Radon ein Boden liefert, hängt von seiner Geologie ab: Je uranhaltiger der Boden, desto mehr Radon. In Deutschland sind vor allem Teile der Mittelgebirge betroffen – etwa Erzgebirge, Bayerischer Wald, Oberpfälzer Wald und der südliche Schwarzwald –, während das norddeutsche Tiefland überwiegend niedrige Werte aufweist. Die regionale Verteilung zeigt unsere Radon-Karte. Was das Gas physikalisch ausmacht, erklärt die Übersichtsseite Was ist Radon?
Bodenluft: die Hauptquelle für Radon im Haus
In Deutschland ist die Radonkonzentration in der Bodenluft die Hauptquelle für erhöhte Werte in Häusern. Freisetzungen aus Baumaterialien oder aus dem Trinkwasser spielen dagegen eine untergeordnete Rolle – die Details dazu in den Artikeln Radon aus Baustoffen und Radon im Trinkwasser.
Das Radon-Handbuch des BfS gibt für die einzelnen Quellen folgende Größenordnungen an:
| Radonquelle | Üblicher Beitrag in Wohnräumen (Bq/m³) | Maximum (Bq/m³) |
|---|---|---|
| Baugrund (Bodenluft) | 10 – 2.000 | > 30.000 |
| Baumaterial | < 10 – 70 | < 2.000 |
| Umgebungsluft (Außenluft) | 5 – 30 | < 250 |
| Wasser | < 10 | < 100 |
Von der Bodenluft kommt allerdings nur ein kleiner Bruchteil in der Raumluft an: Das BfS beziffert das Verhältnis von Raumluft- zu Bodenluftkonzentration auf circa ein bis fünf Promille. Für Kellerräume liegt der Median dieses Transferfaktors bei etwa 1,5 Promille, für Erdgeschossräume in unterkellerten Massivhäusern bei rund 0,95 Promille. Weil die Bodenluft aber extrem hohe Konzentrationen erreichen kann, genügen selbst Promille-Anteile für deutlich erhöhte Innenraumwerte.
Bemerkenswert ist die Reichweite: Bereits ein geringer Unterdruck im Gebäude saugt radonhaltige Bodenluft aus einem Umkreis von etwa 10 bis 20 Metern an. Das Haus wirkt also wie ein Sammelpunkt für das Radon seiner Umgebung.
Eintrittswege: Wo Radon ins Gebäude gelangt
Radon nutzt jede Undichtigkeit zwischen Erdreich und Innenraum. Die typischen Eintrittspfade laut BfS:
- undichte oder durchlässige Fundament- und Bodenplatten, insbesondere offene oder gestampfte Kellerböden und Natursteingewölbe,
- Risse im Mauerwerk und in Bodenplatten,
- Fugen und Übergänge zwischen Bodenplatte und erdberührten Wänden – eine Schwachstelle vor allem bei Gebäuden ohne durchgehende Betonbodenplatte,
- Kabel- und Rohrdurchführungen sowie nicht abgedichtete Leitungsdurchführungen,
- Schächte, Sümpfe und Bodenabläufe mit direktem Kontakt zum Erdreich.
Das Alter des Gebäudes spielt eine große Rolle: Ältere Häuser sind häufiger betroffen als neue, unterkellerte häufiger als nicht unterkellerte. Bei Gebäuden, die vor 1960 errichtet wurden, sind Dichtungsbahnen meist nicht verschweißt oder verklebt und oft bereits schadhaft. In Kellern mit Aufenthaltsräumen genügen schon kleine Spalten im Kellerboden und in den Kellerwänden für relevante Radoneinträge. Wie sich solche Schwachstellen beheben lassen, zeigt der Artikel Abdichten von Keller und Bodenplatte.
Welche Gebäude sind besonders gefährdet?
Aus den BfS-Kriterien lässt sich eine einfache Checkliste ableiten. Erhöhte Aufmerksamkeit ist angebracht, wenn mehrere Punkte zutreffen:
- Baujahr vor 1960 (Dichtungsbahnen fehlen oder sind schadhaft),
- keine durchgehende Betonbodenplatte – etwa Streifenfundamente, Naturboden oder Bruchsteinkeller,
- sichtbare Risse, offene Fugen oder unversiegelte Durchführungen im erdberührten Bereich,
- Aufenthaltsräume im Keller oder Souterrain,
- Lage in einer Region mit erhöhtem Bodenradon – etwa in einem Radon-Vorsorgegebiet oder einer Mittelgebirgsregion (siehe Radon-Karte).
Wichtig bleibt: Diese Merkmale beschreiben Wahrscheinlichkeiten, keine Gewissheiten. Auch ein Neubau auf unauffälligem Untergrund kann erhöhte Werte aufweisen, und mancher Altbau bleibt unauffällig – selbst Nachbarhäuser unterscheiden sich zum Teil deutlich.
Der Kamineffekt: Warum das Haus Radon ansaugt
Radon dringt nicht nur passiv ein – es wird aktiv angesaugt. Der Antrieb ist der Unterdruck, der in Gebäuden gegenüber ihrer Umgebung herrscht. Er entsteht durch zwei Mechanismen:
- Temperaturdifferenz (thermischer Auftrieb): Ist die Luft im Gebäude wärmer als draußen, steigt sie auf – wie in einem Kamin. In den unteren Geschossen entsteht dadurch ein leichter Unterdruck, der Bodenluft durch alle Undichtigkeiten nachzieht. Je höher das Haus, desto ausgeprägter der Effekt.
- Wind: Der um das Gebäude strömende Wind verstärkt die Druckdifferenz zusätzlich.
Dieser Kamineffekt wirkt vor allem in der Heizperiode – außerhalb der Heizsaison fehlt der Antrieb weitgehend, weshalb ein Radonproblem oft nur im Winter deutlich nachweisbar ist. Warum die Werte deshalb jahreszeitlich stark schwanken, erklärt der Artikel Radon in Heizperiode, Winter und Sommer.
Auch technische Anlagen können Unterdruck erzeugen: Abluftventilatoren, Dunstabzugshauben und Kamine bzw. raumluftabhängige Feuerstätten saugen Raumluft ab – und ziehen damit unter Umständen radonhaltige Bodenluft nach.
Verteilung im Haus: von unten nach oben
Einmal im Gebäude, breitet sich Radon vor allem über Treppenaufgänge, Kabelkanäle und Versorgungsschächte aus, in geringerem Maße auch durch Geschossdecken. Dabei gilt die Faustregel des BfS: Die Radonkonzentration ist in bodenberührenden Gebäudebereichen – Keller und nicht unterkellerte Erdgeschossräume – am höchsten und nimmt von Stockwerk zu Stockwerk ab.
Zwei weitere Faktoren bestimmen, wie stark sich Radon anreichert:
- Lüftung: Je intensiver ein Gebäude konstruktions- und nutzungsbedingt gelüftet wird, desto schlechter kann sich Radon anreichern. Richtig eingesetzt ist Lüften deshalb eine wirksame Erstmaßnahme – mit Grenzen, wie der Artikel Richtig lüften gegen Radon zeigt.
- Bauweise und Nutzung: Offene Kellertüren, Treppenhäuser ohne Abschluss und Durchbrüche verbinden die belasteten unteren Bereiche mit den Wohnräumen. Häuser ohne Keller sind ein Sonderfall – hier liegt das Erdgeschoss direkt am Boden (Radon im Erdgeschoss und in Häusern ohne Keller).
Fazit: Boden liefert, Haus saugt an
Radon stammt aus dem Uran-Zerfall im Untergrund und gelangt fast immer mit der Bodenluft ins Haus – durch Risse, Fugen und Durchführungen, angetrieben vom Unterdruck des Kamineffekts. Die Konsequenzen für die Praxis:
- Messen Sie zuerst – bevorzugt in der Heizperiode, in den unteren Geschossen (Anleitung: Messgerät richtig aufstellen).
- Eintrittswege abdichten und Unterdruckquellen entschärfen sind die wirksamsten baulichen Hebel (Überblick Radon-Sanierung).
- Kontrollieren Sie den Erfolg jeder Maßnahme durch eine erneute Messung.
Häufige Fragen
Wo entsteht Radon?
Radon entsteht überall in Böden und Gesteinen: Die Erdkruste enthält Uran-238, aus dessen Zerfallsreihe Radium-226 und daraus das Gas Radon-222 hervorgeht. Je uranhaltiger der Untergrund, desto mehr Radon bildet sich. Ein Teil davon wird im Porenraum des Bodens freigesetzt und wandert – begünstigt durch Spalten und Risse – zur Erdoberfläche.
Wie gelangt Radon ins Gebäude?
Hauptsächlich mit der Bodenluft: über undichte Fundament- und Bodenplatten, Risse im Mauerwerk, Fugen sowie Kabel- und Rohrdurchführungen. Angetrieben wird der Eintritt durch einen leichten Unterdruck im Gebäude (Kamineffekt), der radonhaltige Bodenluft regelrecht ansaugt. Im Haus verteilt sich das Gas über Treppenaufgänge, Kabelkanäle und Versorgungsschächte.
Geht Radon durch Beton oder Fliesen?
Eine intakte, durchgehende Betonbodenplatte ist eine gute Barriere: Die großflächige Diffusion durch Kellerböden und -wände ist begrenzt und führt höchstens zu leicht erhöhten Werten. Entscheidend sind die undichten Stellen – Risse, Fugen, Übergänge zwischen Bodenplatte und Wand sowie Durchführungen. Dort strömt radonhaltige Bodenluft konvektiv ein, also mit der Luftströmung.
Warum ist der Keller am stärksten betroffen?
Der Keller liegt direkt am Baugrund und hat die meisten Kontaktflächen und Eintrittswege zur radonhaltigen Bodenluft. Das BfS beziffert das Verhältnis der Radonkonzentration in der Raumluft zur Bodenluft auf etwa ein bis fünf Promille – im Keller ist dieser Transfer am größten. Von Stockwerk zu Stockwerk nimmt die Konzentration dann in der Regel ab. Mehr dazu im Artikel Radon im Keller.
Welche Rolle spielt der Kamineffekt der Heizung?
Ist die Luft im Haus wärmer als draußen, steigt sie auf und erzeugt in den unteren Geschossen einen leichten Unterdruck – zusätzlich verstärkt durch Wind. Dieser Unterdruck saugt radonhaltige Bodenluft aus dem Untergrund an. Außerhalb der Heizperiode fehlt dieser Antrieb weitgehend; deshalb ist ein Radonproblem oft nur im Winter deutlich nachweisbar. Auch Abluftventilatoren und Kamine können Unterdruck erzeugen.
Quellen und weiterführende Informationen
- BfS – Radon in Gebäuden
- BfS – Radon im Boden
- BfS – Wann ist mein Haus / meine Wohnung besonders gefährdet?
- BfS-Broschüre „Radon – ein kaum wahrgenommenes Risiko“ (Strahlenschutz konkret)
- BfS – Radon-Handbuch Deutschland (2019)
- Radon-Fachstellen AT/CH/Süddeutschland/Südtirol – Radon-Sanierungsmaßnahmen bei bestehenden Gebäuden (2021)
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