Radon-Wissen
Radon im Erdgeschoss und in Häusern ohne Keller
Kein Keller, kein Radon? Im Gegenteil: Ohne Kellerpuffer liegt das Erdgeschoss direkt am Boden. Risiko, Bodenplatte, Messung und Schutz erklärt.
„Wir haben keinen Keller – dann haben wir auch kein Radonproblem“: Dieser Schluss klingt logisch, ist aber falsch. Ohne Keller fehlt der Puffer zwischen Erdreich und Wohnbereich; das Erdgeschoss liegt direkt auf der Bodenplatte und ist damit selbst der bodenberührende – und potenziell am stärksten belastete – Teil des Hauses. Dieser Artikel erklärt das Risiko, die Rolle der Bodenplatte und wie Sie messen und sich schützen.
- Kein Keller heißt: Das Erdgeschoss liegt am Boden
- Die Bodenplatte: entscheidend ist die Dichtheit
- Radon messen im Haus ohne Keller
- Schutzmaßnahmen: vom Abdichten bis zum Neubau
- Fazit
Kein Keller heißt: Das Erdgeschoss liegt am Boden
Hauptquelle für Radon in Gebäuden ist die Bodenluft. Das BfS formuliert als Faustregel: Die Radonkonzentration ist üblicherweise in bodenberührenden Gebäudebereichen am höchsten – und dazu zählen ausdrücklich „Keller und nicht unterkellerte Räume“. In einem Haus ohne Keller übernimmt also das Erdgeschoss die Rolle, die sonst der Keller spielt: Es ist die Ebene, in die das Radon zuerst eindringt. Radon entsteht im Boden aus dem Zerfall von Uran (Grundlagen: Was ist Radon?) und folgt dem Druckgefälle ins Haus. Warum im Keller die höchsten Werte auftreten, gilt sinngemäß für die Bodenplatte des Erdgeschosses.
Der Unterschied zur unterkellerten Bauweise ist praktisch relevant:
| Haus mit Keller | Haus ohne Keller (z. B. Bungalow) | |
|---|---|---|
| Bodenberührende Ebene | Keller (meist Lager/Technik) | Erdgeschoss = Wohnebene |
| Wo kommt Radon zuerst an? | im Keller, der als Puffer wirkt | direkt in Wohn- und Schlafräumen |
| Typische Schwachstellen | Kellerboden, erdberührte Wände, Kellertür nach oben | Bodenplatte, Randfugen, Rohr- und Kabeldurchführungen |
| Wo messen? | Keller + Wohnräume | die meistgenutzten Räume im Erdgeschoss |
Statistisch sind ältere Gebäude häufiger von erhöhten Werten betroffen als neue und unterkellerte häufiger als nicht unterkellerte – das liegt vor allem an den vielen erdberührten Flächen und Undichtigkeiten alter Keller. Für das einzelne Haus ohne Keller bedeutet das aber keine Entwarnung: Wenn Radon eindringt, dann direkt dorthin, wo Sie wohnen und schlafen. Und weil niedrige Geschosse näher am Baugrund liegen, sind gerade Einfamilienhäuser und Bungalows in ländlichen Räumen bei gleicher Bodenbelastung stärker betroffen als obere Etagen städtischer Mehrfamilienhäuser.
Die Bodenplatte: entscheidend ist die Dichtheit
Ob und wie viel Radon ins Erdgeschoss gelangt, entscheidet die Bodenplatte samt ihren Anschlüssen:
- Eine durchgehende, intakte Betonbodenplatte ist eine gute Barriere – die großflächige Diffusion durch Beton ist begrenzt.
- Kritisch sind die Schwachstellen: Gebäude ohne durchgehende Betonbodenplatte haben laut BfS typische Übergänge zwischen Bodenplatte und erdberührten Wänden, durch die Bodenluft einströmt. Dazu kommen Risse, Randfugen sowie Rohr- und Kabeldurchführungen für Wasser, Abwasser und Strom.
- Der Kamineffekt wirkt auch ohne Keller: Der Unterdruck der beheizten Räume saugt radonhaltige Bodenluft durch jede Undichtigkeit an – besonders in der Heizperiode.
Wie die Eintrittsmechanismen im Detail funktionieren, beschreibt der Artikel Woher kommt Radon und wie gelangt es ins Haus? – die dort beschriebenen Wege gelten für die Bodenplatte des Erdgeschosses genauso wie für Kellerböden.
Radon messen im Haus ohne Keller
Ohne Keller entfällt der übliche „Frühwarn-Messpunkt“ – gemessen wird direkt in den Wohnräumen:
- Räume wählen: die meistgenutzten Aufenthaltsräume im Erdgeschoss – Wohnzimmer, Schlafzimmer, Kinderzimmer, Arbeitszimmer.
- Richtig platzieren: 10–20 cm Wandabstand, nicht über der Heizung, nicht direkt am Fenster, z. B. auf Regal oder Schrank (ausführliche Anleitung).
- Zur richtigen Zeit: bevorzugt in der Heizperiode messen – Sommerwerte unterschätzen den Jahresmittelwert.
- Lang genug: Für den Vergleich mit dem Referenzwert von 300 Bq/m³ (Werte-Einordnung) empfiehlt das BfS 3 bis 12 Monate mit passiven Exposimetern; ein elektronisches Gerät liefert vorab ein schnelles Screening mit Tagesverlauf.
Gerade im Haus ohne Keller lohnt der Blick auf den Tagesverlauf: Steigen die Werte nachts bei geschlossenen Fenstern deutlich an und fallen nach dem Lüften ab, spricht das für Eintritt aus dem Boden – ein wertvoller Hinweis für gezielte Maßnahmen. Wie Sie solche Kurven lesen, erklärt Messwerte verstehen.
Schutzmaßnahmen: vom Abdichten bis zum Neubau
Bei erhöhten Werten im Erdgeschoss gelten dieselben Prinzipien wie im Keller – nur dass die Maßnahmen direkt der Wohnebene zugutekommen:
- Eintrittspfade abdichten: Risse, Randfugen und Durchführungen in der Bodenplatte mit geeigneten Dichtstoffen schließen (Abdichten von Bodenplatte und erdberührten Bauteilen).
- Lüftungskonzept: Regelmäßiges Quer- bzw. Stoßlüften senkt die Konzentration sofort, wirkt aber nur kurz; dauerhaft hilft eine Lüftungsanlage (richtig lüften).
- Absaugung unter der Bodenplatte: Radonbrunnen oder Drainagesysteme fangen die Bodenluft ab, bevor sie eintritt – eine der wirksamsten Lösungen (Absaugung und Radonbrunnen).
- Beim Neubau vorsorgen: Wer ohne Keller baut, muss nach § 123 StrlSchG den Radonzutritt aus dem Baugrund verhindern oder erheblich erschweren – erfüllt durch normgerechten Feuchteschutz, in Radon-Vorsorgegebieten durch mindestens eine zusätzliche Maßnahme. Details: Radonsicher bauen im Neubau.
Fazit
Ein fehlender Keller schützt nicht vor Radon – er verlagert das Thema nur direkt in die Wohnräume. Weil das Erdgeschoss dann die bodenberührende Ebene ist, gehören Messung und gegebenenfalls Abdichtung genau dorthin. Die Einstiegshürde ist niedrig: messen, Werte einordnen, bei Bedarf handeln – und den Erfolg per Kontrollmessung belegen.
Häufige Fragen
Ist ein Haus ohne Keller vor Radon sicher?
Nein. Nach BfS-Angaben sind unterkellerte Gebäude zwar häufiger von erhöhten Werten betroffen als nicht unterkellerte – ohne Keller liegen die Wohnräume im Erdgeschoss aber direkt auf der Bodenplatte und damit unmittelbar am Baugrund, der Hauptquelle des Radons. Undichte Bodenplatten, Fugen und Durchführungen führen das Radon dann direkt in den Wohnbereich statt zuerst in einen Keller.
Wie hoch sind typische Werte im Erdgeschoss?
Das BfS zählt Erdgeschossräume ohne Unterkellerung zu den bodenberührenden Gebäudebereichen, in denen die Radonkonzentration üblicherweise am höchsten ist. Konkrete Werte hängen von Geologie, Bauweise und Zustand der Bodenplatte ab – von unauffälligen Werten um den deutschen Wohnungsdurchschnitt (rund 65 Bq/m³) bis zu deutlich erhöhten Konzentrationen ist alles möglich. Sicherheit bringt nur die Messung im eigenen Haus.
Nimmt Radon nach oben hin ab?
Ja. Je weiter ein Raum von der Erdoberfläche entfernt liegt, desto weniger Radon gelangt in der Regel dorthin – die Konzentration nimmt von Stockwerk zu Stockwerk ab. In einem Bungalow ohne Keller und ohne Obergeschoss spielt sich allerdings das gesamte Wohnleben auf der bodennächsten – und damit am stärksten betroffenen – Ebene ab.
Wo messe ich in einem Haus ohne Keller?
In den am meisten genutzten Räumen des Erdgeschosses: Wohnzimmer, Schlafzimmer, Kinderzimmer und Arbeitszimmer. Das Messgerät steht idealerweise 10 bis 20 cm von der Wand entfernt, nicht über der Heizung und nicht am Fenster. Für den Jahresmittelwert empfiehlt das BfS 3 bis 12 Monate Messdauer, bevorzugt in der Heizperiode; ein elektronisches Gerät liefert vorab eine schnelle Orientierung.
Quellen und weiterführende Informationen
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