Gesundheit & Gefahr

Wie gefährlich ist Radon? Das Gesundheitsrisiko verständlich erklärt

Radon ist nach Rauchen die zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs: ca. 6 % der Fälle, rund 2.800 Tote pro Jahr in Deutschland. Ab wann es gefährlich wird.

Veröffentlicht am Lesezeit ca. 11 Min. Redaktion radoncheck24.de

Schema: Radon dringt aus dem Boden in ein Haus ein, eingeatmete Zerfallsprodukte erhöhen das Lungenkrebsrisiko

Radon ist ein natürliches radioaktives Gas, das unbemerkt aus dem Boden in Gebäude eindringt – und dort nach dem Rauchen die zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs. In Deutschland gehen nach Angaben des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS) rund 6 % aller Lungenkrebstodesfälle auf Radon zurück, etwa 2.800 pro Jahr. Das Risiko steigt mit der Höhe der Konzentration und der Dauer der Belastung; einen sicheren Schwellenwert gibt es nicht. Die gute Nachricht: Ob Ihr Zuhause betroffen ist, lässt sich einfach messen – und erhöhte Werte lassen sich fast immer senken.

Das Wichtigste in Kürze

  • Radon ist ein radioaktives Edelgas, das man weder sehen noch riechen noch schmecken kann. Es entsteht überall im Boden aus dem Zerfall von Uran und Radium.
  • Die Internationale Krebsforschungsagentur (IARC) stuft Radon und seine Zerfallsprodukte seit 1988 als krebserregend für den Menschen (Gruppe 1) ein.
  • In Deutschland verursacht Radon in Gebäuden rund 2.800 Lungenkrebstodesfälle pro Jahr – etwa 6 % aller Lungenkrebstoten (BfS, Bezugszeitraum 2018–2022).
  • Das Lungenkrebsrisiko steigt linear: um etwa 16 % pro 100 Bq/m³ langjähriger Radon-Konzentration. Bei rund 600 Bq/m³ verdoppelt es sich.
  • Es gibt keinen Schwellenwert, unterhalb dessen Radon sicher unbedenklich wäre.
  • Der gesetzliche Referenzwert beträgt 300 Bq/m³ im Jahresmittel (§ 124 StrlSchG) – er ist ein Maßstab für Maßnahmen, kein Grenzwert.
  • Radon verursacht keine akuten Symptome. Die einzige Möglichkeit, die Belastung zu kennen, ist eine Messung.

Warum ist Radon gesundheitsschädlich? So wirkt das Gas in der Lunge

Radon-222 entsteht in der Uran-238-Zerfallsreihe aus Radium-226, das in allen Böden und Gesteinen vorkommt. Als Edelgas geht es keine chemischen Verbindungen ein, ist dadurch besonders mobil und wandert durch Poren, Klüfte und Risse an die Oberfläche – und über undichte Bodenplatten, Fugen und Rohrdurchführungen in Gebäude hinein.

Das eingeatmete Radon-Gas selbst ist dabei nicht das Hauptproblem: Es wird zum größten Teil wieder ausgeatmet. Entscheidend sind seine kurzlebigen Zerfallsprodukte – radioaktive Schwermetalle wie Polonium und Wismut. Sie lagern sich an Schwebeteilchen in der Luft an, gelangen beim Einatmen in den Atemtrakt und zerfallen dort innerhalb von Minuten. Die dabei freigesetzte energiereiche Alphastrahlung trifft die strahlenempfindlichen Zellen des Lungengewebes, kann sie schädigen und so eine Lungenkrebserkrankung begünstigen.

Andere Organe wie der Hals-Nasen-Rachenraum oder die Haut erhalten laut BfS eine deutlich geringere Dosis als die Lunge. Lungenkrebs ist die einzige Erkrankung, für die ein Zusammenhang mit Radon in Wohnräumen wissenschaftlich belegt ist – was zu Leukämie, Hautkrebs oder Herzproblemen bekannt ist, lesen Sie im Artikel Radon und andere Krankheiten.

Die Beweislage ist außergewöhnlich solide: Sie stützt sich auf Studien an zehntausenden Uranbergarbeitern (darunter die deutsche Wismut-Kohorte mit rund 60.000 Beschäftigten) und auf mehr als 20 große Wohnungsstudien in Europa, Nordamerika und China. Details und alle Zahlen finden Sie im Beitrag Radon und Lungenkrebs.

Wie viele Menschen sterben in Deutschland durch Radon?

Das BfS beziffert die Zahl der radonbedingten Lungenkrebstodesfälle in Deutschland auf etwa 2.800 pro Jahr – das sind rund 6 % der insgesamt etwa 45.000 Lungenkrebstoten (Bezugszeitraum 2018–2022). Eine ältere, detaillierte Berechnung aus dem Jahr 2006 kam auf etwa 5 % bzw. rund 1.900 Fälle pro Jahr.

Zur Einordnung hilft der Vergleich mit anderen bekannten Risiken:

Todesursache (Deutschland) Todesfälle pro Jahr Bezugsjahr Quelle
Lungenkrebs durch Radon in Gebäuden ca. 2.800 2018–2022 BfS
Verkehrstote (Straßenverkehr) 2.814 (vorläufig) 2025 Destatis
Lungenkrebs durch Passivrauchen ca. 170 Schätzung für 2012 UKE
Todesfälle durch Rauchen (alle Ursachen) ca. 131.000 2023 DKFZ

Radon fordert also jährlich etwa so viele Menschenleben wie der gesamte Straßenverkehr – deutlich mehr als Passivrauchen beim Lungenkrebs, aber weit weniger als das aktive Rauchen. Wie Sie solche Zahlen ohne Panik, aber auch ohne Verharmlosung für sich einordnen, zeigt unser Beitrag Angst vor Radon? Risiko realistisch einschätzen.

Ab wann ist Radon gefährlich? Werte richtig einordnen

Die zentrale Erkenntnis der Forschung: Das Lungenkrebsrisiko steigt linear mit der langjährigen Radon-Konzentration – es gibt keinen Wert, ab dem Radon „plötzlich“ gefährlich wird, und keinen, unter dem es garantiert harmlos ist. Die gemeinsame Auswertung von 13 europäischen Studien (Darby et al. 2005) ergab eine Risikoerhöhung von etwa 16 % pro 100 Bq/m³. Das BfS rechnet vor: Bei 100 Bq/m³ steigt das Lungenkrebsrisiko um 16 %, bei 200 Bq/m³ um 32 %, bei 300 Bq/m³ um 48 % – bei etwa 600 Bq/m³ verdoppelt es sich. Statistisch signifikant nachgewiesen ist die Erhöhung für Konzentrationen oberhalb von etwa 100 Bq/m³.

Wichtig für die Einordnung: Diese Prozentwerte sind relative Risiken. Absolut bedeutet das laut BfS: Von 1.000 Nie-Rauchern sterben ohne Radon etwa 4 an Lungenkrebs, bei langjährig 100 Bq/m³ sind es rechnerisch 4,6, bei 800 Bq/m³ etwa 9,3. Bei Rauchern liegen dieselben Zahlen bei 100, 116 und 216 – warum das so ist, erklärt der Artikel Radon und Rauchen.

Für die Praxis hat das BfS Handlungsstufen formuliert:

Jahresmittelwert Einordnung und Empfehlung (BfS)
unter 100 Bq/m³ Zielbereich; Planungsziel für Neubauten. Weiter senken, wo es mit einfachen Mitteln möglich ist – „weniger ist besser“.
100–300 Bq/m³ Konzentration sollte gesenkt werden: häufiger intensiv lüften, Eintrittspfade und Kellertüren abdichten.
über 300 Bq/m³ Referenzwert überschritten – Maßnahmen zur Senkung sind in jedem Fall angebracht.
über 1.000 Bq/m³ Bauliche Maßnahmen sollten unbedingt innerhalb von drei Jahren abgeschlossen werden.
Referenzwert ist kein Grenzwert: Der Wert von 300 Bq/m³ (§ 124 StrlSchG) ist ein gesetzlicher Maßstab für die Prüfung, ob Maßnahmen angemessen sind – kein Verbotswert. Er bezieht sich immer auf das Jahresmittel. Kurzzeitige Messwerte, auch von elektronischen Geräten, sind Momentaufnahmen und dürfen nicht als Über- oder Unterschreitung des Referenzwerts interpretiert werden. Mehr dazu: Grenzwert oder Referenzwert?

Eine ausführliche Übersicht, welcher Messwert was bedeutet, bietet unsere Radon-Werte-Tabelle.

Wie hoch ist die Belastung in deutschen Wohnungen?

Die aktuelle repräsentative BfS-Erhebung (Messkampagne 2019/2020 mit rund 6.000 zufällig ausgewählten Wohnungen) zeigt: Der bevölkerungsgewichtete Jahresmittelwert liegt bei rund 65 Bq/m³, der Median der Messungen bei etwa 44 Bq/m³. Zum Vergleich: Im Freien beträgt das Jahresmittel nur rund 9 Bq/m³.

  • Rund 10,5 Millionen Menschen (etwa 12–13 % der Bevölkerung) leben bei mehr als 100 Bq/m³.
  • Knapp 2 Millionen Menschen (etwa 2,2 %) leben oberhalb des Referenzwerts von 300 Bq/m³.
  • Etwa 0,25 % der Bevölkerung sind mehr als 1.000 Bq/m³ ausgesetzt.

Die Unterschiede sind regional groß: Gemeinden im westlichen Niedersachsen liegen im Mittel unter 35 Bq/m³, viele Mittelgebirgs- und Gebirgsregionen über 150 Bq/m³. Ob Ihre Region zu den stärker belasteten gehört, zeigt die Radon-Karte Deutschland. Verlassen sollten Sie sich darauf allerdings nicht: Erhöhte Einzelwerte kommen überall in Deutschland vor – auch außerhalb der bekannten Radon-Vorsorgegebiete.

Innerhalb des Hauses gilt: Die Konzentration ist in bodennahen Räumen am höchsten und nimmt von Stockwerk zu Stockwerk ab. Warum gerade Keller und Erdgeschoss betroffen sind und weshalb die Werte im Winter meist höher liegen als im Sommer, erklären unsere Grundlagenartikel.

Radon ist die größte natürliche Strahlenquelle

Auch aus Sicht des Strahlenschutzes ist Radon kein Randthema: Von der natürlichen Strahlenexposition in Deutschland – im Mittel etwa 2,1 Millisievert (mSv) pro Person und Jahr – entfällt mit rund 1,1 mSv etwa die Hälfte auf das Einatmen von Radon und seinen Folgeprodukten. Das ist mehr als terrestrische Strahlung, kosmische Strahlung und Radioaktivität in der Nahrung zusammen.

Strahlenquelle (Deutschland, pro Person und Jahr) Effektive Dosis
Natürliche Strahlenexposition gesamt ca. 2,1 mSv
– davon Radon (Inhalation, Gebäude + Freiluft) ca. 1,1 mSv
– terrestrische Strahlung ca. 0,4 mSv
– kosmische Strahlung ca. 0,35 mSv
– natürliche Radionuklide in der Nahrung ca. 0,3 mSv
Zivilisatorische Quellen (v. a. Medizin, Daten 2021) ca. 1,5 mSv

Wer dauerhaft bei 300 Bq/m³ wohnt, erhält allein durch Radon nach WHO-Angaben eine Dosis von ungefähr 10 mSv pro Jahr – ein Vielfaches der üblichen Gesamtbelastung. Die Fachbegriffe rund um Becquerel, Sievert und Aktivitätskonzentration erklärt unser Glossar.

Wie streng sind andere Länder? Referenzwerte im Vergleich

Deutschland liegt mit dem Referenzwert von 300 Bq/m³ auf der Linie der EU-Grundnormen (Richtlinie 2013/59/Euratom). Die WHO empfiehlt strengere Maßstäbe: einen nationalen Referenzwert von 100 Bq/m³ – und wo das nicht erreichbar ist, höchstens 300 Bq/m³. Andere Staaten setzen ihre Handlungswerte teils niedriger an: Die USA empfehlen Maßnahmen ab etwa 148 Bq/m³ (4 pCi/L), Großbritannien und Kanada ab 200 Bq/m³. Das unterstreicht: Wer seine Werte unter 100 Bq/m³ hält, bewegt sich international auf der sicheren Seite – genau dieses Niveau nennt das BfS auch als Planungsziel für Neubauten.

Wer trägt das höchste Radon-Risiko?

Das individuelle Risiko hängt von drei Faktoren ab: der Konzentration, der Dauer der Belastung – und dem Rauchstatus:

  • Raucherinnen und Raucher: Rauchen und Radon verstärken sich gegenseitig. Nach WHO-Schätzung tragen Raucher bei gleicher Radon-Belastung ein etwa 25-fach höheres absolutes Lungenkrebsrisiko als Nichtraucher. Die meisten radonbedingten Lungenkrebsfälle treffen deshalb Raucher.
  • Nie-Raucher: Auch für sie ist das Risiko real – Radon ist für lebenslange Nichtraucher sogar der wichtigste Risikofaktor für Lungenkrebs.
  • Bewohner bodennaher Räume: Wer Wohn- oder Schlafräume im Keller oder Erdgeschoss nutzt, insbesondere in älteren Gebäuden ohne durchgehende Betonbodenplatte, ist tendenziell höher belastet.
  • Langjährige Bewohner: Die Risikomodelle beziehen sich auf die mittlere Konzentration über 20 bis 30 Jahre. Je länger die Belastung andauert, desto größer das aufsummierte Risiko – ein Grund, nicht jahrelang zu warten, sondern zu messen.

Für Kinder gibt es nach BfS-Einschätzung keine belastbaren Hinweise auf eine höhere Empfindlichkeit. Weil sich die Wirkung über die Lebenszeit aufsummiert und Kinder viel Zeit zu Hause verbringen, ist es in Familienhaushalten trotzdem besonders wichtig, erhöhte Werte zu senken. Ausführlich: Radon, Kinder und Schwangerschaft.

Wie groß ist die Radon-Gefahr im Keller?

Eine der häufigsten Fragen betrifft den Keller – zu Recht: Dort treten die höchsten Konzentrationen im Haus auf, weil die Bodenluft über Risse, Fugen und Durchführungen direkt eindringt. Im Winter kann der Wert in einem ungelüfteten Kellerraum laut BfS je nach Gebäude um den Faktor 5 bis 10 über dem eines gut gelüfteten Raums im Sommer liegen. Entscheidend für Ihr Gesundheitsrisiko ist aber nicht der Kellerwert an sich, sondern die Aufenthaltsdauer: Ein selten betretener Lagerkeller mit erhöhten Werten ist etwas anderes als ein Hobbyraum, ein Büro oder ein Schlafzimmer im Souterrain. Radon breitet sich zudem über Treppenaufgänge, Kabelkanäle und Versorgungsschächte in die Wohngeschosse aus – auch ohne Wohnnutzung des Kellers lohnt sich die Kontrolle. Ausführlich: Radon im Keller.

Gibt es Warnzeichen oder Symptome?

Nein. Radon verursacht keine Kopfschmerzen, keinen Husten, keine Müdigkeit und keine Reizungen – es gibt keinerlei akute Warnzeichen. Ein radonbedingter Lungenkrebs entwickelt sich still über Jahre bis Jahrzehnte. Warum das so ist und welche Mythen über „Radon-Symptome“ kursieren, lesen Sie im Artikel Radon-Symptome: Warum es keine gibt.

Fehlende Beschwerden sind kein Entwarnungssignal. Das BfS betont: „Verlässliche Aussagen über die Höhe der Radon-Konzentration sind nur über Messungen möglich.“ Wer sich gut fühlt, kann trotzdem seit Jahren erhöhten Werten ausgesetzt sein – und wer misst, weiß es in wenigen Tagen bis Monaten genau.

Alle Artikel zum Thema Radon und Gesundheit

Dieser Überblick ist die Einstiegsseite unseres Gesundheits-Ratgebers. Die einzelnen Fragen vertiefen wir in sechs Artikeln:

  • Radon und Lungenkrebs – Wie Alphastrahlung Krebs auslöst, was die Darby-Studie und die Wismut-Kohorte zeigen und wie sich das Risiko pro 100 Bq/m³ berechnet.
  • Radon-Symptome – Warum Radon keine akuten Beschwerden verursacht, welche Mythen kursieren und woran Sie eine Belastung wirklich erkennen.
  • Radon und Rauchen – Warum sich beide Risiken vervielfachen und weshalb sich eine Messung für Raucherhaushalte besonders lohnt.
  • Radon, Kinder und Schwangerschaft – Was die Forschung zur Empfindlichkeit von Kindern sagt und was in Kita, Schule und Kinderzimmer sinnvoll ist.
  • Angst vor Radon? Risiko realistisch einordnen – Zwischen Panik und Verdrängung: Vergleiche mit Alltagsrisiken und ein 5-Schritte-Plan.
  • Radon und andere Krankheiten – Der Forschungsstand zu Leukämie, Hautkrebs, Schilddrüse, Asthma und Herz-Kreislauf.

Messen, einordnen, handeln: Ihre nächsten Schritte

Weil Radon nicht wahrnehmbar ist, führt am Messen kein Weg vorbei. Der Ablauf ist unkompliziert:

  1. Messen: Für eine schnelle erste Orientierung eignet sich ein elektronisches Messgerät wie das Radon Eye RD200 – bei uns bequem zu mieten, wie das abläuft zeigt So funktioniert’s. Wichtig zur Einordnung: Eine solche Orientierungsmessung ist keine amtlich anerkannte Messung nach Strahlenschutzrecht und ersetzt kein Gutachten. Für den rechtlich maßgeblichen Jahresmittelwert ist eine Langzeitmessung mit passiven Detektoren einer anerkannten Stelle der Standard (ca. 30–50 €, Stand: September 2026; ideal 12 Monate, mindestens 3 Monate in der Heizperiode).
  2. Einordnen: Was Ihre Werte bedeuten, erklären wir unter Messwerte verstehen – ein konkretes Beispiel mit echten Kurven zeigt die Beispiel-Auswertung.
  3. Handeln: Bei dauerhaft erhöhten Werten helfen oft schon einfache Maßnahmen wie konsequentes Lüften und das Abdichten von Eintrittspfaden; bei hohen Werten kommen bauliche Lösungen infrage. Den Überblick gibt unser Ratgeber Radon-Sanierung.

Antworten auf häufige Fragen sammelt unsere FAQ-Seite, Fachbegriffe von Becquerel bis Zerfallsprodukt erklärt das Glossar.

Hinweis zu Gesundheitsinformationen: Dieser Artikel informiert allgemein über Radon und seine gesundheitlichen Folgen auf Basis von BfS und WHO; er ersetzt keine ärztliche Beratung. Ob Ihre Wohnung belastet ist, lässt sich nicht am Körper feststellen, sondern nur durch eine Messung der Raumluft.

Häufige Fragen

Ab wann ist Radon gefährlich?

Einen scharfen Wert, ab dem Radon plötzlich gefährlich wird, gibt es nicht: Das Lungenkrebsrisiko steigt nach heutigem Wissen linear mit der Konzentration und der Dauer der Belastung. Statistisch signifikant nachgewiesen ist die Risikoerhöhung ab etwa 100 Bq/m³ im langjährigen Mittel. Der gesetzliche Referenzwert liegt bei 300 Bq/m³ im Jahresmittel (§ 124 StrlSchG) – er ist ein Maßstab für Maßnahmen, kein Grenzwert. Das BfS empfiehlt, schon oberhalb von 100 Bq/m³ die Konzentration zu senken.

Wie viele Menschen sterben in Deutschland an Radon?

Nach Angaben des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS) sind etwa 6 % aller Lungenkrebstodesfälle in Deutschland auf Radon in Gebäuden zurückzuführen – rund 2.800 Todesfälle pro Jahr (Bezugszeitraum 2018–2022, bei insgesamt rund 45.000 Lungenkrebstoten jährlich). Eine ältere Schätzung aus dem Jahr 2006 kam auf rund 5 % bzw. etwa 1.900 Fälle pro Jahr.

Gibt es einen sicheren Schwellenwert?

Nein. Das BfS stellt klar: „Es gibt keinen Hinweis auf einen Schwellenwert, unterhalb dessen Radon mit Sicherheit kein Gesundheitsrisiko darstellt.“ Das Risiko steigt linear – je niedriger die Konzentration, desto geringer das Zusatzrisiko. Als praktisch unterste erreichbare Marke gilt das Außenluftniveau von typischerweise 3 bis 30 Bq/m³.

Ist Radon auch für Nichtraucher gefährlich?

Ja. Für lebenslange Nichtraucher ist Radon sogar der wichtigste Risikofaktor für Lungenkrebs. Die relative Risikoerhöhung von etwa 16 % pro 100 Bq/m³ gilt unabhängig davon, ob jemand raucht, früher geraucht hat oder nie geraucht hat. Das absolute Risiko ist bei Nichtrauchern allerdings deutlich niedriger: Von 1.000 Nie-Rauchern sterben ohne Radon etwa 4 an Lungenkrebs, bei 100 Bq/m³ rechnerisch 4,6.

Wie schnell wirkt Radon?

Radon wirkt nicht akut: Es verursacht keine Vergiftung, keine Reizungen und keine unmittelbaren Beschwerden. Ein radonbedingter Lungenkrebs entsteht erst nach Jahren bis Jahrzehnten dauerhafter Belastung. Die wissenschaftlichen Risikomodelle beziehen sich auf die mittlere Konzentration über etwa 20 bis 30 Jahre; das US-Gremium BEIR VI rechnet mit einer Mindestlatenz von 5 Jahren. Ein einzelner hoher Messwert ist deshalb kein Notfall – ein dauerhaft hoher Jahresmittelwert aber ein klarer Handlungsauftrag.

Sind Haustiere betroffen?

Belastbare Studien zu Haustieren liegen in den von uns ausgewerteten Quellen (BfS, WHO, Fachliteratur) nicht vor – die gesicherten Erkenntnisse beziehen sich auf den Menschen. Da Hunde und Katzen dieselbe Raumluft atmen und sich oft bodennah aufhalten, profitieren sie aber selbstverständlich mit, wenn Sie erhöhte Radon-Werte in Ihrem Zuhause senken.

Wie finde ich heraus, ob mein Zuhause belastet ist?

Nur durch eine Messung – Radon ist unsichtbar, geruchlos und verursacht keine Symptome. Für eine erste Orientierung eignet sich ein elektronisches Messgerät wie das Radon Eye RD200, das Sie bei uns mieten können. Für rechtlich belastbare Aussagen (Jahresmittelwert) ist eine Langzeitmessung über 12 Monate mit passiven Detektoren einer nach § 155 StrlSchV anerkannten Stelle der Standard – sie kostet etwa 30 bis 50 Euro (Stand: September 2026).

Quellen und weiterführende Informationen

  1. BfS – So wirkt Radon auf die Gesundheit (Stand 24.02.2026)
  2. BfS-Broschüre „Radon – ein kaum wahrgenommenes Risiko“ (Juni 2024)
  3. BfS-Broschüre „Radon in Innenräumen“ – Strahlenschutzstandpunkt (Juni 2024)
  4. WHO – Fact sheet „Radon and health“ (25.01.2023)
  5. Darby S. et al.: Radon in homes and risk of lung cancer, BMJ 2005
  6. § 124 StrlSchG – Referenzwert
  7. BfS – Referenzwert (Stand 26.11.2025)
  8. Zentrum für Krebsregisterdaten (RKI) – Lungenkrebs (Stand 02.03.2026)

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