Gesundheit & Gefahr
Macht Radon noch andere Krankheiten? Leukämie, Haut, Schilddrüse, Asthma
BfS 2025: Lungenkrebs bleibt die einzige belegte Folge von Radon in Wohnräumen. Was zu Leukämie, Hautkrebs, Schilddrüse, Asthma und Herz bekannt ist.
Verursacht Radon auch Leukämie, Hautkrebs, Schilddrüsenprobleme oder Asthma? Die Antwort der Forschung ist eindeutig: Lungenkrebs ist die einzige Erkrankung, für die ein Zusammenhang mit Radon in Wohnräumen wissenschaftlich nachgewiesen ist. Das bestätigte zuletzt 2025 eine große Auswertung der deutschen Wismut-Kohorte durch das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS). Dieser Artikel fasst den Forschungsstand zu allen anderen diskutierten Erkrankungen zusammen – und erklärt, warum sich die Radon-Wirkung fast vollständig auf die Lunge konzentriert.
- Der Überblick: Was ist belegt, was nicht?
- Warum konzentriert sich die Wirkung auf die Lunge?
- Die Einzelthemen im Detail
- Fazit: Ein Risiko, klar umrissen – und messbar
Der Überblick: Was ist belegt, was nicht?
Das BfS formuliert es knapp: „Belege dafür, dass andere Erkrankungen als Lungenkrebs entstehen können, gibt es bisher nicht.“ Die WHO ergänzt in ihrem Radon-Factsheet: Bis heute wurden keine anderen Krebsrisiken oder sonstigen Gesundheitseffekte nachgewiesen. Der Stand im Einzelnen:
| Erkrankung | Forschungsstand bei Wohnraumkonzentrationen |
|---|---|
| Lungenkrebs | Eindeutig belegt – ca. 6 % aller Lungenkrebstodesfälle in Deutschland (BfS). |
| Leukämie (v. a. Kinder) | Studienlage uneinheitlich, spricht insgesamt gegen einen bedeutsamen Zusammenhang. |
| Hautkrebs | Kein eindeutiger Beleg; SSK 2023: Melanom und Plattenepithelkarzinom werden nicht durch ionisierende Strahlung verursacht. |
| Schilddrüsenerkrankungen | Keine wissenschaftlichen Belege für ein radonbedingtes Risiko. |
| Asthma, Atemwegsreizungen | Nicht belegt; Radon wirkt nicht reizend und verursacht keine akuten Effekte. |
| Herz-Kreislauf-Erkrankungen | Kein belastbarer Zusammenhang; Hinweise nur bei extremen historischen Bergbau-Belastungen. |
Die Grundlage dieser Bewertung ist ungewöhnlich solide: Neben mehr als 20 großen Wohnungsstudien wertet das BfS fortlaufend die Wismut-Kohorte aus – knapp 60.000 ehemalige Uranbergarbeiter der DDR, die teils extremen Radon-Konzentrationen ausgesetzt waren. Die 2025 veröffentlichte Analyse zu ischämischen Herzkrankheiten und allen Krebsarten außer Lungenkrebs ergab: Bei Konzentrationen, wie sie in Wohnungen und an heutigen Arbeitsplätzen üblich sind, zeigte sich kein wissenschaftlich belastbarer Zusammenhang mit anderen Erkrankungen.
Warum konzentriert sich die Wirkung auf die Lunge?
Die Erklärung liegt in der Physik der Alphastrahlung. Das eingeatmete Radon-Gas selbst wird zum größten Teil wieder ausgeatmet. Seine kurzlebigen Zerfallsprodukte – radioaktive Schwermetalle wie Polonium und Wismut – lagern sich dagegen an Schwebeteilchen an, bleiben nach dem Einatmen im Atemtrakt haften und zerfallen dort. Die frei werdende Alphastrahlung ist energiereich, hat aber nur eine winzige Reichweite: Sie gibt ihre Energie fast vollständig an das unmittelbar umliegende Lungengewebe ab.
Andere Organe erreichen nur geringe Dosen. Der Hals-Nasen-Rachenraum und die Haut erhalten laut BfS-Radon-Handbuch zwar eine „gewisse Strahlenbelastung“, die resultierende Dosis ist aber deutlich geringer als die der Lunge. Genau deshalb ist Lungenkrebs die eine, gut belegte Radon-Folge – und andere Erkrankungen sind es nicht.
Die Einzelthemen im Detail
Leukämie: uneinheitliche Studien, insgesamt Entwarnung
Vor allem für Kinder wurde ein Zusammenhang zwischen Radon und Leukämie wiederholt untersucht. Das BfS fasst zusammen: Die Ergebnisse sind uneinheitlich, „sprechen aber insgesamt dagegen, dass Radon in Wohnungen einen bedeutsamen Risikofaktor für Leukämie bei Kindern darstellt“. Bereits 2007 hatte die Strahlenschutzkommission die Möglichkeiten epidemiologischer Studien zu diesem Thema bewertet. Offene Fragen untersucht derzeit das EU-Forschungsprojekt RadoNorm unter BfS-Koordination. Was sonst für Familien wichtig ist, lesen Sie unter Radon, Kinder und Schwangerschaft.
Hautkrebs: SSK und BfS sehen keinen Nachweis
Eine Schweizer Studie hatte 2017 einen möglichen Zusammenhang zwischen Radon und Hautkrebs diskutiert. Das BfS bewertete sie zurückhaltend: kein eindeutiger Beleg, da die UV-Exposition – der Hauptrisikofaktor für Hautkrebs – unzureichend berücksichtigt war. Die Strahlenschutzkommission bekräftigte Ende 2023 ihre Einschätzung, dass weder das maligne Melanom noch das Plattenepithelkarzinom durch ionisierende Strahlung verursacht werden.
Schilddrüse: keine Belege für ein Radon-Risiko
Für die Schilddrüse liegen keine wissenschaftlichen Belege für ein radonbedingtes Erkrankungsrisiko vor – sie fällt unter die generelle BfS-Feststellung, dass außer Lungenkrebs keine radonbedingte Erkrankung nachgewiesen ist. Der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums bestätigt: Lungenkrebs ist die einzige Krebsart, für die Radon als Risikofaktor eindeutig wissenschaftlich belegt ist.
Asthma und Atemwege: Radon reizt nicht
Radon verursacht keine Reizungen der Atemwege, keinen Husten und keine akuten Beschwerden – ein Asthma-Auslöser ist es nach heutigem Wissen nicht. Wer Atembeschwerden hat, sollte andere Ursachen ärztlich abklären lassen. Warum Radon generell keine Symptome verursacht, erklärt unser eigener Artikel.
Herz-Kreislauf: nur bei extremen Bergbau-Belastungen Hinweise
In der Wismut-Kohorte fanden sich Hinweise auf ein erhöhtes Sterberisiko durch Herzkrankheiten ausschließlich unter den extremen Bedingungen des Uranbergbaus der 1940er- und 1950er-Jahre – mit Konzentrationen, die um Größenordnungen über allem liegen, was in Wohnhäusern vorkommt. Für Wohnraumkonzentrationen gilt: kein belastbarer Zusammenhang.
Fazit: Ein Risiko, klar umrissen – und messbar
Dass Radon „nur“ Lungenkrebs verursacht, ist keine Verharmlosung, sondern das Ergebnis jahrzehntelanger Forschung an Millionen Datenpunkten – und es macht das Risiko gut greifbar: Es betrifft ein Organ, es hängt von der langjährigen Konzentration in Ihren Räumen ab, und beides lässt sich beeinflussen. Ob Ihre Raumluft unauffällig ist, klärt eine einfache Messung; ein Mietgerät für die Orientierungsmessung liefert erste Werte schon nach wenigen Tagen. Den Gesamtüberblick über das Gesundheitsrisiko gibt die Seite Wie gefährlich ist Radon?
Hinweis zu Gesundheitsinformationen: Dieser Artikel informiert allgemein über Radon und seine gesundheitlichen Folgen auf Basis von BfS und WHO; er ersetzt keine ärztliche Beratung. Ob Ihre Wohnung belastet ist, lässt sich nicht am Körper feststellen, sondern nur durch eine Messung der Raumluft.
Häufige Fragen
Verursacht Radon Leukämie?
Ein belastbarer Zusammenhang ist nicht nachgewiesen. Die Studien – vor allem zu Leukämie bei Kindern – sind laut BfS uneinheitlich, sprechen aber insgesamt dagegen, dass Radon in Wohnungen ein bedeutsamer Risikofaktor ist. Auch die Auswertung der Wismut-Kohorte mit knapp 60.000 Uranbergarbeitern fand bei wohnraumüblichen Konzentrationen keinen wissenschaftlich belastbaren Zusammenhang mit anderen Krebsarten als Lungenkrebs. Das Thema wird u. a. im EU-Projekt RadoNorm weiter erforscht.
Schädigt Radon die Schilddrüse?
Dafür gibt es keine wissenschaftlichen Belege. Das BfS stellt generell fest, dass es bislang keine Belege für andere radonbedingte Erkrankungen als Lungenkrebs gibt. Die eingeatmeten Zerfallsprodukte wirken ganz überwiegend auf das Lungengewebe; andere Organe erhalten eine deutlich geringere Strahlendosis.
Kann Radon Asthma auslösen oder verschlimmern?
Ein Zusammenhang ist nicht belegt. Radon und seine Zerfallsprodukte wirken nicht reizend auf die Atemwege – die US-Umweltmedizinbehörde ATSDR beschreibt ausdrücklich, dass Radon bei umweltüblichen Konzentrationen keine Reizeffekte und keine akuten Beschwerden verursacht. Wer unter Asthma oder Atemnot leidet, sollte die Ursachen ärztlich abklären lassen; Radon ist dafür nach heutigem Wissen nicht verantwortlich.
Gibt es Wirkungen auf Haut oder Herz?
Für Hautkrebs sieht das BfS keinen eindeutigen Beleg; die Strahlenschutzkommission bestätigte 2023 die Einschätzung, dass weder das maligne Melanom noch das Plattenepithelkarzinom durch ionisierende Strahlung verursacht werden. Beim Herzen zeigte die Wismut-Studie Hinweise auf ein erhöhtes Sterberisiko nur unter den extremen Belastungen des Uranbergbaus der 1940er/50er-Jahre – bei Konzentrationen in Wohnungen und an heutigen Arbeitsplätzen fand sich kein belastbarer Zusammenhang.
Warum trifft Radon fast nur die Lunge?
Das eingeatmete Radon-Gas wird größtenteils wieder ausgeatmet; seine kurzlebigen Zerfallsprodukte lagern sich jedoch im Atemtrakt ab und bestrahlen dort das Gewebe mit energiereicher Alphastrahlung, die nur eine sehr geringe Reichweite hat. Die Dosis konzentriert sich deshalb auf die Lunge – andere Organe wie der Hals-Nasen-Rachenraum oder die Haut erhalten laut BfS eine deutlich geringere Strahlenbelastung.
Quellen und weiterführende Informationen
- BfS-Kurzmeldung „Radon: Lungenkrebs bleibt einziges nachgewiesenes Risiko“ (24.04.2025)
- BfS – So wirkt Radon auf die Gesundheit (Stand 24.02.2026)
- WHO – Fact sheet „Radon and health“ (25.01.2023)
- BfS-Stellungnahme „Sind erhöhte Radon-Konzentrationen für Kinder besonders gefährlich?“
- SSK – Risikoabschätzung für Hautkrebs durch ionisierende Strahlung (Dezember 2023)
- BfS – Zusammenhang von Radon und Hautkrebsrisiko unklar (2017)
- DKFZ-Krebsinformationsdienst – Radon: Ein Risiko für Krebs (16.12.2021)
Passende Artikel
- Gesundheit & GefahrWie gefährlich ist Radon? Das Gesundheitsrisiko verständlich erklärtRadon ist nach Rauchen die zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs: ca. 6 % der Fälle, rund 2.800 Tote pro Jahr in Deutschland. Ab wann es ge…
- Gesundheit & GefahrRadon und Lungenkrebs: Zahlen, Studien und das Risiko pro 100 Bq/m³Darby-Studie: +16 % Lungenkrebsrisiko pro 100 Bq/m³, linear ohne Schwelle. BfS: ca. 6 % aller Lungenkrebstoten. Wie Alphastrahlung in der Lu…
- Radon-WissenRadonbad, Radonkur, Heilstollen: Was sagt der Strahlenschutz?Bad Gastein, Bad Kreuznach, Bad Brambach: Radon als Therapie versus Radon im Wohnhaus. Dosis, BfS-Einschätzung, Abgrenzung zu Wellness – sac…
- Gesundheit & GefahrRadon, Kinder und Schwangerschaft: Was die Forschung wirklich sagtSind Kinder empfindlicher? BfS: keine belastbaren Hinweise, aber lebenslange Aufsummierung. Schwangerschaft: keine relevante Wirkung aufs Un…