Sanierung & Bauen
Radon-Absaugung unter der Bodenplatte und Radonbrunnen: Wirkung, Kosten, Selbstbau?
Die wirksamste Maßnahme gegen Radon: Unterdruck unter der Bodenplatte, Radonbrunnen, Radondrainage – Funktionsweise, Wirksamkeit bis 95 %, Kosten, Strom.
Wenn Lüften und Abdichten nicht reichen, kommt die wirksamste Waffe gegen Radon zum Einsatz: die Absaugung der Bodenluft unter dem Gebäude. Radonbrunnen und Radondrainagen erzeugen dort einen Unterdruck, sodass das Gas gar nicht erst ins Haus gelangt – mit einem Reduktionspotenzial von 10 bis 95 %, in Kombination mit neuen Isolierschichten im Fußboden bis zu 99 % (BfS-Radon-Handbuch). Und das oft überraschend günstig: Ein Radonbrunnen für ein 100-m²-Referenzhaus kostet nach behördlichen Beispielrechnungen 500 bis 1.500 Euro.
- Das Prinzip: Unterdruck statt Kamineffekt
- Die Varianten im Überblick
- Wovon der Erfolg abhängt: der Baugrund entscheidet
- Passiv oder aktiv – und die günstige Alternative Hohlraumabsaugung
- Radonbrunnen selber bauen – realistisch betrachtet
- Kosten und Betrieb: Anschaffung, Strom, Wartung
- Erfolgskontrolle: absaugen, messen, dokumentieren
Das Prinzip: Unterdruck statt Kamineffekt
Normalerweise saugt das Haus die Bodenluft selbst an: Warme Luft steigt auf („Kamineffekt“), in Keller und Erdgeschoss entsteht Unterdruck, und radonhaltige Bodenluft strömt durch Risse, Fugen und Durchführungen nach. Eine Absaugung dreht dieses Druckgefälle um: Ein Ventilator – oder bei passiven Systemen der thermische Auftrieb – hält den Bereich unter der Bodenplatte auf leichtem Unterdruck gegenüber dem Haus. Die Bodenluft wird gefasst und über ein Rohr kontrolliert ins Freie geleitet, bevor sie eindringen kann.
Die Wirksamkeit ist gut belegt: Das BfS-Radon-Handbuch nennt für die Unterdruckhaltung unter dem Gebäude (Drainagesystem oder Punktabsaugung) 10 bis 95 % Reduktion – abhängig von Bodendurchlässigkeit und Lage der Rohre – und bis 99 % in Kombination mit neuen Isolierschichten im Fußboden. In sieben dokumentierten deutschen Sanierungsfällen (KORA-Datenbank) sank die Konzentration um 87 bis 98 %, fast immer durch Abdichtung plus Radonbrunnen oder Radondrainage. Auch die WHO bestätigt: Schon passive Systeme halbieren die Werte mindestens, mit Ventilator geht es deutlich weiter.
Die Varianten im Überblick
| Variante | Prinzip | Wann geeignet | Kosten (belegt) |
|---|---|---|---|
| Radonbrunnen (Punktabsaugung) | perforierter Schacht unter dem Fußboden oder neben dem Haus, Unterdruck per Rohrventilator (aktiv) oder Auftrieb (passiv) | gut durchlässige Böden; Bestand ohne große Umbauten | 500–1.500 € (Referenzhaus 100 m²); Schachtvarianten ca. 820–1.550 €; Direktabsaugung ohne Schacht 500–600 € |
| Radondrainage (Flächenabsaugung) | perforierte Rohre in einer Kies-/Schotterschicht unter oder neben der Bodenplatte | wenn ohnehin eine neue Bodenplatte oder ein neuer Fußbodenaufbau geplant ist; Neubau | Mehrkosten bei Komplettsanierung nur 900–2.900 €; als Einzelmaßnahme international 6.000–11.900 € |
| Hohlraumabsaugung | Absaugen vorhandener Hohlräume (Dielenböden auf Lagerhölzern, Kriechkeller, Zwischenböden) | wenn solche Hohlräume vorhanden sind | „sehr kostengünstig“ (Sachsen), keine Pauschale |
| Kellerentlüftung mit Kleinventilator | Unterdruckhaltung bzw. Entlüftung des Kellers selbst | belasteter Keller, einfache Nachrüstung | gering; 50–80 % Reduktion laut BfS |
Eine Besonderheit des Radonbrunnens: Frei stehende Brunnen neben dem Gebäude können bei dichter Deckschicht über durchlässigem Boden „zur Entlastung mehrerer Gebäude“ reichen – ganz ohne bauliche Eingriffe am Haus (BfS-Radon-Handbuch). Nachteile sind der Stromverbrauch des Ventilators und die nötige Geräuschdämmung.
Wovon der Erfolg abhängt: der Baugrund entscheidet
Radonbrunnen wirken laut sächsischer Planungshilfe „in erster Linie bei gut durchlässigen Böden“. Bei geringer Durchlässigkeit reicht die Reichweite eines Brunnens nicht – dann sind mehrere Absaugstellen nötig. Zwei Extreme verhindern die Funktion ganz: undurchlässige Böden (der Unterdruck breitet sich nicht aus) und sehr stark durchlässige Böden (der Ventilator saugt Außenluft statt Bodenluft an). Der Idealfall ist eine Kies- oder Schotterschicht unter einem massiven Fußboden – wie sie im Neubau ohnehin als kapillarbrechende Schicht eingebaut wird, siehe Radonschutz im Neubau.
Praktische Ausführungsregeln aus der sächsischen Planungshilfe: Die Abluftöffnung gehört mit mindestens 2 Metern Abstand zu Fenstern und Türen ins Freie, damit das abgesaugte Radon nicht wieder eingeatmet oder angesaugt wird.
Passiv oder aktiv – und die günstige Alternative Hohlraumabsaugung
Aktive Systeme arbeiten mit einem Rohrventilator und erreichen zuverlässig hohe Unterdrücke; sie kosten im Betrieb rund 125–130 € Strom pro Jahr und brauchen eine Geräuschdämmung. Passive Systeme nutzen nur den thermischen Auftrieb im Abluftrohr – keine Stromkosten, aber schwächere und wetterabhängige Wirkung. Die Baukosten liegen laut sächsischer Planungshilfe in ähnlicher Größenordnung (Beispiel: passiv ca. 350–400 €, aktiv ca. 300–360 €); ein kluger Kompromiss ist der passive Aufbau mit vorbereitetem Ventilatoranschluss, der sich bei Bedarf aktivieren lässt.
Oft übersehen wird die Hohlraumabsaugung: Wo bereits Hohlräume existieren – Dielenböden auf Lagerhölzern, Kriechkeller, Zwischenböden –, lässt sich die radonhaltige Luft direkt daraus absaugen. Sachsen bewertet diese Lösung als „sehr kostengünstig“, weil keine Grabarbeiten anfallen. Gerade im Altbau ist das häufig der schnellste Weg. Und noch ein Planungshinweis aus dem BfS-Radon-Handbuch: Erdsonden für Wärmepumpen wirken als „Radonsammelschächte erster Güte“ – sie gehören deutlich neben das Gebäude, und saugende Erdwärmetauscher dürfen kein Bodenradon ins Haus fördern.
Radonbrunnen selber bauen – realistisch betrachtet
Handwerklich ist ein einfacher Radonbrunnen kein Hexenwerk: Die sächsische Planungshilfe kalkuliert eine punktuelle Direktabsaugung ohne Schacht mit 500–600 Euro, einen gemauerten Schacht (0,5 × 0,5 m) neben einem nicht unterkellerten Haus mit rund 820 Euro. Wer graben, mauern und ein Lüftungsrohr montieren kann, bekommt das hin. Die eigentliche Herausforderung ist unsichtbar: ob und wo der Brunnen wirkt, entscheidet die Bodendurchlässigkeit – und die kennt man ohne Erkundung nicht.
Unsere Empfehlung deshalb: Eigenleistung ja, aber mit fachlicher Planung. Eine Radon-Fachperson beurteilt Baugrund und Eintrittspfade, legt die Absaugpunkte fest und plant die Abluftführung; die Ausschachtung und Montage können Sie übernehmen. Zwingend dazu gehört die Erfolgskontrolle per Messung – erst sie zeigt, ob der Unterdruck unter der Platte tatsächlich ankommt.
Kosten und Betrieb: Anschaffung, Strom, Wartung
Die belegten Zahlen im Überblick (Details und Quellen im Kosten-Ratgeber):
- Radonbrunnen, Referenzhaus 100 m²: 500–1.500 € (BfS-Forschungsbericht); gemauerte Schachtvarianten ca. 820–1.550 €, unter der Bodenplatte 1.100–1.300 € (Sachsen)
- International dokumentierte Radonbrunnen: ca. 1.400–3.500 €; Radondrainagen 6.000–11.900 € (KORA-Datenbank)
- Marktangabe Fachfirma: einfache Absaugsysteme ab ca. 5.000 € netto, komplexe bis über 10.000 €
- Betriebskosten aktiv: ca. 125–130 € pro Jahr (v. a. Strom); passiv: keine Stromkosten, geringere Wirkung
- Baukosten passiv vs. aktiv (Beispiel): ca. 350–400 € vs. ca. 300–360 €
Bei einer ohnehin anstehenden Komplettsanierung des Fußbodens ist die Radondrainage besonders günstig: Mehrkosten von nur rund 900 Euro, wenn die Kiesschicht ohnehin vorgesehen ist. Ob es Zuschüsse gibt, klärt der Ratgeber Förderung – für private Wohngebäude gibt es derzeit kein bundesweites Programm.
Erfolgskontrolle: absaugen, messen, dokumentieren
Nach Inbetriebnahme gilt das übliche Vorgehen der Radonsanierung: Eine Kurzzeitmessung von ein bis zwei Wochen liefert laut sächsischer Planungshilfe eine grundsätzliche Aussage über den Erfolg; die Referenz bleibt die Langzeitmessung über mindestens drei Monate unter denselben Bedingungen und am Ort der Erstmessung. Bei ehemals sehr hohen Werten (über 1.000 Bq/m³) empfiehlt das BfS Kontrollmessungen im Fünfjahresabstand. Wie Sie Messwerte einordnen, erklärt Messwerte verstehen.
Häufige Fragen
Wie funktioniert eine Radon-Absaugung?
Sie kehrt die Druckverhältnisse um: Ein Ventilator (oder thermischer Auftrieb) erzeugt unter der Bodenplatte einen Unterdruck, sodass die radonhaltige Bodenluft abgesaugt und kontrolliert ins Freie geleitet wird, statt durch Risse und Fugen ins Haus zu strömen. Das BfS-Radon-Handbuch nennt für die Unterdruckhaltung unter dem Gebäude ein Reduktionspotenzial von 10 bis 95 %, kombiniert mit neuen Isolierschichten im Fußboden bis 99 %.
Was ist ein Radonbrunnen?
Eine punktförmige Absaugstelle: ein perforierter Schacht unter dem Fußboden oder neben dem Gebäude, aus dem ein Rohrventilator die Bodenluft saugt (aktiv) oder in dem der Auftrieb sie abführt (passiv). Radonbrunnen wirken vor allem bei gut durchlässigen Böden; bei geringer Durchlässigkeit sind mehrere Brunnen nötig. Frei stehende Brunnen neben dem Haus können bei passender Geologie sogar mehrere Gebäude entlasten – ganz ohne bauliche Eingriffe am Haus.
Kann ich einen Radonbrunnen selbst bauen?
Die günstigsten Varianten (punktuelle Direktabsaugung ab ca. 500–600 €) sind handwerklich überschaubar – aber ob und wo ein Brunnen funktioniert, hängt von der Bodendurchlässigkeit ab: Sehr dichte wie auch sehr stark durchlässige Böden verhindern die Funktion. Sinnvoll ist deshalb eine fachliche Planung (Radon-Fachperson), die Abluftführung mit mindestens 2 m Abstand zu Fenstern und Türen sowie eine Erfolgskontrolle per Messung.
Was kostet Absaugung im Betrieb?
Für eine aktive Absaugung nennen die sächsische Planungshilfe und der BfS-Forschungsbericht Betriebskosten von etwa 125 bis 130 Euro pro Jahr, im Wesentlichen Strom für den Ventilator. Dazu kommen Geräuschdämmung und gelegentliche Wartung. Passive Systeme ohne Ventilator haben keine Stromkosten, wirken aber schwächer.
Wie prüfe ich den Erfolg?
Durch Nachmessung unter denselben Bedingungen wie vor der Sanierung: erst eine Kurzzeitmessung von ein bis zwei Wochen für die grundsätzliche Aussage, dann eine Langzeitmessung über mindestens drei Monate als Referenz. Bei ehemals über 1.000 Bq/m³ empfiehlt das BfS zusätzlich Kontrollmessungen im Fünfjahresabstand.
Quellen und weiterführende Informationen
- BfS – Radon-Handbuch Deutschland (2019)
- Freistaat Sachsen – Radonschutzmaßnahmen: Planungshilfe für Neu- und Bestandsbauten
- BfS-Forschungsbericht 3620S12282 – Wirkung staatlicher Fördermaßnahmen auf Radonsanierungen im Wohnbereich (2021)
- WHO – Fact sheet Radon and health (2023)
- BfS – Schutzmaßnahmen: Was kann ich tun? Was muss ich tun?
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