Sanierung & Bauen

Radon und Altlasten: Bergbau-Hinterlassenschaften, Halden und die Wismut-Region

Radioaktive Altlasten aus dem Uranbergbau (Wismut, Erzgebirge, Thüringen): Radon in der Freiluft, Haldensanierung, Haldenmaterial, Infos für Anwohner.

Veröffentlicht am Lesezeit ca. 5 Min. Redaktion radoncheck24.de

Karte und Schema der Uranbergbau-Altlasten in Sachsen und Thüringen mit Halden, Messnetzen und sanierten Flächen

Zwischen 1945/46 und 1990 baute die SAG/SDAG Wismut in Sachsen und Thüringen Uranerz ab – zurück blieben Halden, Absetzanlagen und Grubenbaue mit erhöhten Gehalten natürlicher Radionuklide. Für Anwohner ist die wichtigste Botschaft eine beruhigende: Die Radon-Freiluftmessungen des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS) zeigen erhöhte Werte nur in unmittelbarer Nähe der Anlagen; 90 % aller Messwerte lagen unter 40 Bq/m³, und nach der Sanierung gehen die Werte meist auf das regionale Normalniveau zurück. Fürs eigene Haus zählt – wie überall – die Messung im Gebäude.

Woher die Altlasten stammen: die Wismut-Geschichte

Der Uranerzbergbau der SAG/SDAG Wismut lief von 1945/46 bis 1990, vor allem im Erzgebirge, im Vogtland und in Ostthüringen. Seit 1990/91 saniert die bundeseigene Wismut GmbH die Hinterlassenschaften: In ihrer Verantwortung liegen 58 Halden, davon allein 42 im Raum Aue-Bad Schlema mit 311 Hektar Fläche. Saniert wird durch Umlagerung – etwa der Ronneburger Halden in den ehemaligen Tagebau Lichtenberg – oder vor Ort durch Abflachen, eine zweischichtige Mineralbodenabdeckung und Drainagen. Rund 7,4 Milliarden Euro wurden investiert, etwa 2.450 Hektar renaturiert und sechs Wasserbehandlungsanlagen errichtet. Ergebnis laut Wismut GmbH: Die Radonkonzentrationen in der Luft „sind messbar gesunken“, das Sanierungsziel aus Sicht des Strahlenschutzes ist „vielerorts“ erreicht.

Neben den großen Wismut-Objekten gibt es kleinere Altstandorte: Das BfS hat von 1991 bis 1999 in einem systematischen Altlastenkataster Aufbereitungsanlagen, Absetzanlagen, Halden, Schürfe, Stollen, Schächte und Erzverladestellen in den neuen Ländern radiologisch erfasst; Handlungsbedarf wurde geprüft, wo Expositionen über 1 Millisievert pro Jahr nicht auszuschließen waren. In Sachsen führt das Landesamt (LfULG) das Kataster KANARAS und übernimmt Kontrollmessungen; für Altstandorte außerhalb der Wismut-Verantwortung gilt ein Verwaltungsabkommen zwischen Bund und Freistaat.

Radon in der Freiluft: was die Messnetze zeigen

Seit Anfang der 1990er-Jahre betreibt das BfS in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen 17 Messnetze mit 584 Messpunkten rund um die Bergbau-Hinterlassenschaften. Die Ergebnisse der Jahre 1991–2004 im Überblick:

Kennzahl Wert
Spannweite der Jahreswerte 5 bis 1.700 Bq/m³
Maximalwert 1.700 Bq/m³ – direkt am Fuß einer Halde
Anteil der Werte unter 40 Bq/m³ rund 90 %
Anteil der Werte über 100 Bq/m³ nur ca. 1 %
Natürlicher Untergrund (unbeeinflusste Stellen) Erwartungswert 16 Bq/m³ (Spanne 5–50)
Deutschlandweite Freiluftwerte zum Vergleich ca. 5–30 Bq/m³

Das BfS zieht daraus zwei Schlüsse: Der Einfluss der Anlagen ist „nur in der näheren Umgebung“ nachweisbar – eine großräumige Beeinflussung gibt es nicht – und nach der Sanierung gehen die Konzentrationen meist „auf das Niveau der regionalen Untergrundkonzentration“ zurück. Zur Einordnung: In der freien Atmosphäre liegt das deutschlandweite Jahresmittel bei rund 9 Bq/m³.

Für Anwohner heißt das: Die Nähe zu einer (sanierten) Halde ist für sich genommen kein Grund zur Sorge um die Außenluft. Entscheidend für Ihre Wohnräume ist, wie viel Radon aus dem Untergrund unter Ihrem Haus eindringt – und das klärt nur eine Messung im Gebäude, nicht die Adresse. Wie Radon ins Haus gelangt, erklärt dieser Grundlagenartikel.

Haldenmaterial als Baustoff und Baugrund

Ein spezielles Kapitel der Bergbauregionen: Vor 1974 wurde radioaktives Haldenmaterial in der DDR unkontrolliert für Straßen und Plätze sowie als Zusatzstoff für Baumaterialien verwendet; erst eine Richtlinie von 1974 und die Strahlenschutz-Anordnung von 1980 machten die Verwendung genehmigungspflichtig – untersagt war sie damit nicht. Das BfS-Radon-Handbuch nennt als regionale Ursachen erhöhter Innenraumwerte ausdrücklich „oberflächennahe Grubenbaue“ (Stollen aus historischem Bergbau) sowie „Halden bzw. Geländeauffüllungen mit Haldenmaterial als Baugrund“ – auch radiumhaltiges Material zur Gründung oder Hinterfüllung von Gebäuden kommt vor. Ein messbares Indiz: eine Gamma-Ortsdosisleistung über 170 nSv/h, gemessen 1 m über dem Boden.

Heute regeln die §§ 55–66 StrlSchG und die Strahlenschutzverordnung den Umgang mit solchen Rückständen; Anlage 5 StrlSchV setzt Überwachungsgrenzen (Grundregel: Uran-238- plus Thorium-232-Aktivität maximal 1 Bq/g). In Sachsen dürfen überwachungsbedürftige Rückstände nur nach Genehmigung des LfULG aus der Überwachung entlassen werden – Bodenaushub aus Altlastenflächen kann ein solcher Rückstand sein. Wer in Altbergbaugebieten baut, sollte deshalb vor Beginn beim Bergamt bzw. Landesamt nachfragen, ob Grubenbaue, Halden oder Auffüllungen auf dem Grundstück bekannt sind – das empfiehlt auch das BfS-Radon-Handbuch.

Was Anwohner in Bergbauregionen konkret tun können

  1. Region einordnen: Viele Gemeinden im Erzgebirge, Vogtland und in Ostthüringen sind als Radon-Vorsorgegebiete festgelegt – wegen Geologie und Grubenhohlräumen aus dem Altbergbau. Details für Ihre Region: Radon in Sachsen und Radon in Thüringen.
  2. Auskunft einholen: Bergämter und Landesämter wissen, ob unter oder neben Ihrem Grundstück Stollen, Halden oder Auffüllungen liegen; in Sachsen hilft die kostenlose Radonberatungsstelle (BfUL, Chemnitz).
  3. Im Haus messen: zuerst eine Orientierungsmessung in Keller und unterster Wohnebene – zum Beispiel mit unserem Radon Eye RD200 zur Miete –, bei auffälligen Werten eine Langzeitmessung über 3–12 Monate (wie lange messen?). In Sachsen gibt es dafür auch kostenlose Messprogramme.
  4. Bei erhöhten Werten stufenweise sanieren: Die Maßnahmen sind dieselben wie bei geogenem Radon – Lüften, Abdichten, Absaugung; den Überblick gibt die Seite Radonsanierung.
  5. Bei Verdacht auf Haldenmaterial am Haus: eine Fachperson hinzuziehen; eine ODL-Messung klärt, ob radiumhaltiges Material verbaut wurde.

Altlast-Radon vs. geogenes Radon: der Unterschied

Für die Wirkung im Haus macht die Herkunft keinen Unterschied – Radon ist Radon. Der Unterschied liegt in Quelle und Zuständigkeit: Geogenes Radon entsteht im natürlichen Gestein und Boden; es ist der Normalfall, gegen den jeder Hausbesitzer selbst vorsorgt. Altlast-Radon stammt aus bergbaulich bewegtem Material – hier gibt es mit Wismut GmbH, Landesämtern und dem Bund klare Sanierungsverantwortliche für die Anlagen selbst, und die Freiluftwerte werden behördlich überwacht. Die Sanierung im eigenen Gebäude bleibt in beiden Fällen Sache des Eigentümers; eine gesetzliche Pflicht besteht für private Wohngebäude nicht.

Tipp: Sie wohnen in einer ehemaligen Bergbauregion und wollen Gewissheit? Kombinieren Sie die kostenlose Beratung der Landesstellen mit einer eigenen Messung. Unsere Beispiel-Auswertung zeigt, welche Informationen Sie aus einer zwei- bis vierwöchigen Orientierungsmessung ziehen können – als Grundlage für alles Weitere.

Häufige Fragen

Was sind radioaktive Altlasten?

Hinterlassenschaften des Uranerzbergbaus und der Erzaufbereitung – vor allem Halden, Absetzanlagen, Schächte, Stollen und Betriebsflächen der früheren SAG/SDAG Wismut in Sachsen und Thüringen. Sie enthalten erhöhte Gehalte natürlicher Radionuklide der Uran-Radium-Zerfallsreihe und können lokal Radon an die Umgebungsluft abgeben. Das BfS hat solche Objekte in den 1990er-Jahren systematisch in einem Altlastenkataster erfasst.

Erhöhen Halden das Radon in Wohnungen?

Nur lokal: Die BfS-Freiluftmessungen an 584 Messpunkten zeigen, dass der Einfluss von Halden und Schächten „nur in der näheren Umgebung“ messbar ist – 90 % der Werte lagen unter 40 Bq/m³, der Spitzenwert von 1.700 Bq/m³ wurde direkt am Fuß einer Halde gemessen. Für die Radonkonzentration in Gebäuden bleibt der Baugrund unter dem Haus entscheidend; in Bergbauregionen kommen oberflächennahe Grubenbaue und Auffüllungen mit Haldenmaterial als zusätzliche Quellen infrage.

Wer ist für Altlasten zuständig?

Für die großen Wismut-Hinterlassenschaften die bundeseigene Wismut GmbH, die seit den 1990er-Jahren saniert. Für Altstandorte außerhalb dieser Verantwortung gilt in Sachsen ein Verwaltungsabkommen zwischen Bund und Freistaat; Kontrollmessungen führt das LfULG durch, das auch das Altlastenkataster KANARAS pflegt. Bei Bauvorhaben in Altbergbaugebieten geben Bergämter und Landesämter Auskunft, ob Grubenbaue, Halden oder Auffüllungen vorliegen.

Wie unterscheidet sich Altlast-Radon von geogenem Radon?

Die Quelle: Geogenes Radon entsteht im natürlichen Gestein und Boden unter dem Haus – Altlast-Radon stammt aus bergbaulich bewegtem Material mit erhöhter Radiumkonzentration, etwa Haldenmaterial als Baugrund oder Hinterfüllung, oder aus oberflächennahen Grubenbauen. Ein Indiz für radiumhaltiges Material ist laut BfS-Radon-Handbuch eine Gamma-Ortsdosisleistung über 170 nSv/h, gemessen 1 m über dem Boden. Für Schutzmaßnahmen im Haus macht die Herkunft keinen Unterschied.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. BfS – Radon-Freiluftmessungen in Bergbaugebieten
  2. Wismut GmbH – Sanierung von Halden
  3. BfS – Ableitungen bei der Sanierung der Wismut-Hinterlassenschaften
  4. BfS – Projekt Altlastenkataster
  5. Freistaat Sachsen – Radioaktive Altlasten
  6. BfS – Radon-Handbuch Deutschland (2019)

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