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Radon in Thüringen: Vorsorgegebiete in 9 Landkreisen, Karte, Messung

Von Ronneburg bis Oberhof: 19 Thüringer Gemeinden in 9 Landkreisen sind Vorsorgegebiet. Karte, TLUBN-Angebote, Radon-Kurorte und wie Sie Ihr Haus prüfen.

Veröffentlicht am Lesezeit ca. 5 Min. Redaktion radoncheck24.de

Karte von Thüringen mit markierten Radon-Vorsorgegebieten im Thüringer Wald, Schiefergebirge und Ostthüringen

Thüringen hat 19 Gemeinden in 9 Landkreisen als Radon-Vorsorgegebiete festgelegt – vom Wintersportort Oberhof über Ilmenau bis Ronneburg im früheren Uranbergbaurevier. Grund sind geologische Formationen im Thüringer Wald und Schiefergebirge mit erhöhten Urangehalten. Das Landesamt TLUBN betreibt ein eigenes Radon-Telefon und bietet Eigentümern kostenlose Jahresmessungen an. Hier finden Sie die komplette Gemeindeliste, die Hintergründe und den Weg zur eigenen Messung.

Radon-Karte Thüringen: Wo die Vorsorgegebiete liegen

Das Thüringer Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz (TLUBN) hat die Vorsorgegebiete mit Allgemeinverfügung vom 01.12.2020 festgelegt, veröffentlicht im Thüringer Staatsanzeiger Nr. 51+52/2020 vom 21.12.2020, in Kraft seit dem 31.12.2020 – mit angeordnetem Sofortvollzug. Anders als Bayern entschied sich Thüringen bewusst für eine gemeindescharfe Festlegung (Kriterium: Radonpotenzial über 44); die Ausweisung ganzer Landkreise wurde verworfen. Begründung des TLUBN: „Bestimmte geologische Formationen im Thüringer Wald und Schiefergebirge weisen erhöhte Urangehalte auf.“

Landkreis Gemeinden im Vorsorgegebiet
Altenburger Land Posterstein
Gotha Luisenthal, Tambach-Dietharz/Thür. Wald
Greiz Kauern, Korbußen, Paitzdorf, Ronneburg
Hildburghausen Masserberg, Schleusegrund
Ilm-Kreis Elgersburg, Großbreitenbach, Ilmenau
Saalfeld-Rudolstadt Gräfenthal, Katzhütte, Schwarzatal
Schmalkalden-Meiningen Floh-Seligenthal, Oberhof
Sonneberg Goldisthal
Wartburgkreis Ruhla

Zwei Schwerpunkte fallen auf: der Kamm des Thüringer Waldes mit dem Schiefergebirge (von Ruhla über Oberhof und Ilmenau bis Katzhütte) und Ostthüringen im Landkreis Greiz rund um Ronneburg. Was die Festlegung rechtlich bedeutet, erklärt unsere Seite Radon-Vorsorgegebiete; den bundesweiten Vergleich bietet die Radon-Karte Deutschland.

Ronneburg und das Wismut-Erbe

Dass ausgerechnet Ronneburg, Kauern, Korbußen und Paitzdorf Vorsorgegebiete sind, hat einen historischen Hintergrund: In Ostthüringen baute die SAG/SDAG Wismut von der Nachkriegszeit bis 1990 Uranerz ab. Seit 1991 saniert die bundeseigene Wismut GmbH die Hinterlassenschaften – bei Ronneburg wurden die Halden in den ehemaligen Tagebau Lichtenberg umgelagert, insgesamt flossen rund 7,4 Milliarden Euro in die Sanierung in Sachsen und Thüringen.

Wichtig für die Einordnung: Nach den BfS-Freiluftmessnetzen (584 Messpunkte in den Bergbauregionen) beeinflussen die Altlasten die Radon-Konzentration im Freien nicht großräumig – 90 % der Jahreswerte lagen unter 40 Bq/m³, nur unmittelbar an Halden und Abwetterschächten wurden Spitzen bis 1.700 Bq/m³ gemessen. Für Gebäude können allerdings oberflächennahe Grubenbaue und Auffüllungen mit Haldenmaterial relevant sein. Vertiefung: Altlasten & Bergbau und Woher kommt Radon?

Messen in Thüringen: kostenlose Angebote nutzen

Das TLUBN unterstützt Eigentümer aktiv:

  • Kostenlose Messprogramme: Das TLUBN bietet Privathaushalten kostenlose Innenraum-Messprogramme an – Kernspur-Exposimeter kommen per Post und bleiben 12 Monate liegen; die Ergebnisse verbessern zugleich die Datenbasis für die Radon-Prognosen des Landes. Ein Programm lief 2025 (Anmeldung bis 01.05.2025), ein weiteres startet 2026 (Anmeldung ab Juni 2026). Aktuelle Konditionen erfragen Sie beim Landesamt – oder Sie schauen in unsere Übersicht Kostenlose Radonmessung.
  • Radon-Telefon: 0361 573943943 (Mo–Do 9:00–11:30 und 13:00–15:30 Uhr, Fr 9:00–11:30 Uhr), E-Mail radon-info@tlubn.thueringen.de.
  • Messkampagne: Bereits ab Mitte 2021 stellte das Land 200.000 Euro für eine Radon-Messkampagne bereit.

Wer nicht auf ein Jahresergebnis warten will, verschafft sich vorab einen Überblick: Ein elektronisches Messgerät wie das Radon Eye RD200 zeigt schon nach wenigen Tagen, ob Keller oder Erdgeschoss auffällig sind – und wie stark Lüften hilft. Ein solches Gerät können Sie bei uns mieten; wie das Ergebnis aussieht, zeigt die Beispiel-Auswertung.

Rechtlicher Hinweis: Unsere Miet-Messung ist eine Orientierungsmessung – keine Messung durch eine vom BfS anerkannte Stelle nach § 155 StrlSchV. Für die Arbeitsplatz-Messpflicht in den 19 Vorsorgegebiets-Gemeinden ist sie nicht verwendbar. Der Referenzwert von 300 Bq/m³ ist ein Jahresmittel und kein Grenzwert.

Pflichten in den Vorsorgegebieten

Mit der Festlegung gelten in den 19 Gemeinden zwei zentrale Rechtsfolgen:

  1. Arbeitsplätze im Keller- oder Erdgeschoss: 12-Monats-Messung mit Geräten einer anerkannten Stelle, abzuschließen binnen 18 Monaten nach Festlegung (also bis 30.06.2022) bzw. nach Aufnahme der Tätigkeit. Das gilt nach Klarstellung des Thüringer Sozialministeriums ausdrücklich auch für Kommunen, Schulen, Kitas und Vereine; Aufsichtsbehörde ist das Thüringer Landesamt für Verbraucherschutz (TLV). Details: Messpflicht am Arbeitsplatz und Radon in Schule & Kita.
  2. Neubau: Zusätzlich zum Feuchteschutz ist mindestens eine Radonschutzmaßnahme nach § 154 StrlSchV umzusetzen – etwa eine vorbereitete Absaugung unter der Bodenplatte. Mehr unter Radonsicher bauen.

Für private Bestandswohnungen gibt es dagegen keine Pflicht – nur die klare Empfehlung zu messen, denn die Festlegung sagt nichts über das einzelne Gebäude aus: Nicht jedes Haus im Vorsorgegebiet ist belastet, und erhöhte Werte kommen auch außerhalb vor.

Tipp: Radonwerte sind im Winter am höchsten. Wer in Oberhof, Ilmenau oder dem Schwarzatal misst, startet idealerweise in der Heizperiode – so wird das Jahresmittel nicht unterschätzt. Hintergründe: Radon & Jahreszeiten.

Radon-Kur in Thüringen: Heilbäder und Arbeitsschutz

Thüringen wirbt auch mit Radon als Heilmittel – ein scheinbarer Widerspruch, der sich auflöst, wenn man Nutzen und Risiko trennt: In Radonheilbädern und -stollen sind die Aufenthalte der Gäste kurz und ärztlich begleitet, während die Beschäftigten dort dauerhaft exponiert sind. Deshalb zählt der Gesetzgeber solche Arbeitsplätze bundesweit zu den messpflichtigen Arbeitsfeldern der Anlage 8 StrlSchG. Was es mit der Radon-Balneologie auf sich hat, lesen Sie unter Radon-Bad, Kur & Heilstollen.

Fazit

Thüringen hat seine Radonschwerpunkte klar benannt: Thüringer Wald, Schiefergebirge und das Ronneburger Revier. Wer dort wohnt, sollte das kostenlose Messangebot des TLUBN nutzen oder mit einer Orientierungsmessung starten; wer außerhalb wohnt, ist nicht automatisch sicher – die Karte beschreibt Wahrscheinlichkeiten, keine Häuser. Bei dauerhaft erhöhten Werten führt der Weg über die Radon-Sanierung: oft reichen schon Abdichtung und geändertes Lüften, um die Werte deutlich zu senken.

Häufige Fragen

Welche Gemeinden in Thüringen sind Vorsorgegebiet?

19 Gemeinden in 9 Landkreisen, festgelegt durch das TLUBN und veröffentlicht im Thüringer Staatsanzeiger vom 21.12.2020 (in Kraft seit 31.12.2020): Posterstein (Altenburger Land); Luisenthal und Tambach-Dietharz (Gotha); Kauern, Korbußen, Paitzdorf und Ronneburg (Greiz); Masserberg und Schleusegrund (Hildburghausen); Elgersburg, Großbreitenbach und Ilmenau (Ilm-Kreis); Gräfenthal, Katzhütte und Schwarzatal (Saalfeld-Rudolstadt); Floh-Seligenthal und Oberhof (Schmalkalden-Meiningen); Goldisthal (Sonneberg) sowie Ruhla (Wartburgkreis).

Wo liegt Radon in Thüringen hoch?

Nach der Pressemitteilung des TLUBN weisen „bestimmte geologische Formationen im Thüringer Wald und Schiefergebirge erhöhte Urangehalte auf“ – dort liegen die meisten Vorsorgegebiete, etwa Oberhof, Ilmenau, Masserberg und die Gemeinden des Schwarzatals. Ein zweiter Schwerpunkt ist Ostthüringen im Landkreis Greiz rund um Ronneburg. Die Festlegung erfolgte gemeindescharf auf Basis eines Radonpotenzials über 44; eine Festlegung ganzer Landkreise hat das TLUBN ausdrücklich verworfen.

Gibt es kostenlose Messungen in Thüringen?

Ja. Das TLUBN bietet Privathaushalten kostenlose Innenraum-Messprogramme mit Kernspur-Exposimetern an (Versand per Post, 12 Monate Auslage): ein Programm lief 2025 (Anmeldung bis 01.05.2025), ein weiteres startet 2026 (Anmeldung ab Juni 2026). Bereits ab Mitte 2021 lief eine Messkampagne mit einem Budget von 200.000 Euro. Fragen beantwortet das Radon-Telefon des TLUBN unter 0361 573943943 (Mo–Do 9:00–11:30 und 13:00–15:30 Uhr, Fr 9:00–11:30 Uhr) oder per E-Mail an radon-info@tlubn.thueringen.de.

Was hat der Uranbergbau damit zu tun?

In Ostthüringen baute die SDAG Wismut bis 1990 Uranerz ab; seit 1991 saniert die bundeseigene Wismut GmbH die Hinterlassenschaften – bei Ronneburg wurden ganze Halden in den früheren Tagebau Lichtenberg umgelagert. Auffällig ist, dass Ronneburg und die Nachbargemeinden Kauern, Korbußen und Paitzdorf heute Vorsorgegebiete sind. Großräumig erhöhen die Altlasten die Radonwerte im Freien laut BfS-Messnetzen nicht; örtlich an Halden und Schächten wurden aber deutlich erhöhte Werte gemessen. Mehr dazu: Altlasten & Bergbau.

Was gilt in Radon-Heilbädern und Kurorten?

Arbeitsplätze in Radonheilbädern und Radonheilstollen gehören bundesweit zu den Arbeitsfeldern der Anlage 8 StrlSchG – dort muss die Radon-Konzentration unabhängig von Vorsorgegebieten gemessen werden. Für Beschäftigte gilt das gestufte Schutzkonzept der §§ 127–131 StrlSchG. Für Kurgäste ist der Aufenthalt zeitlich begrenzt und ärztlich begleitet; was hinter der Radon-Therapie steckt, erklärt unser Artikel Radon-Bad, Kur & Heilstollen.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. TLUBN – Pressemitteilung: TLUBN weist Radonvorsorgegebiete aus (21.12.2020)
  2. TLUBN – Allgemeinverfügung Radonvorsorgegebiete (PDF)
  3. TLUBN – Schutz vor Radon / Natürliche Radioaktivität (kostenloses Messangebot)
  4. TMASGFF – Messpflicht in Betriebsstätten in Radonvorsorgegebieten
  5. BfS – Karte der Radon-Vorsorgegebiete in Deutschland
  6. Wismut GmbH – Sanierung der Halden
  7. Anlage 8 StrlSchG – Arbeitsfelder mit erhöhter Radonexposition

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