Regionen & Bundesländer
Radon in NRW: Eifel, Hohes Venn, Sauerland – Karte, Zentrale Radonstelle, Messprogramm
NRW hat keine Vorsorgegebiete, aber erhöhte Werte in Nordeifel/Hohes Venn und im Sauerland (Arnsberg, Balve, Sundern). Messprogramm 2024–2025, Radonstelle.
Nordrhein-Westfalen hat keine Radon-Vorsorgegebiete – als das Gesundheitsministerium 2021 die Prognosen prüfte, erfüllte keine Kommune das gesetzliche Flächenkriterium. Erhöhte Werte gibt es trotzdem, vor allem im Sauerland (Arnsberg, Balve, Sundern) und in der Nordeifel mit dem Hohen Venn. Das Land reagiert mit einer eigenen Zentralen Radonstelle und kostenlosen Messprogrammen, zuletzt landesweit für Privathaushalte (2024–2025). Hier lesen Sie, welche Regionen auffällig sind, was die Messkampagnen ergaben und wie Sie selbst messen.
- Keine Vorsorgegebiete – aber kein Freifahrtschein
- Die auffälligen Regionen: Sauerland und Nordeifel
- Kostenloses Messprogramm 2024–2025: jetzt teilnehmen
- Zentrale Radonstelle NRW: Beratung aus einer Hand
- Selbst aktiv werden: messen, einordnen, handeln
- Fazit
Keine Vorsorgegebiete – aber kein Freifahrtschein
Am 28.01.2021 teilte das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales (MAGS) mit, dass in NRW keine Radon-Vorsorgegebiete ausgewiesen werden: Das Kriterium – Referenzwert-Überschreitung in mindestens 10 % der Gebäude auf mindestens 75 % der Gemeindefläche – wird nirgends erfüllt. Nur Arnsberg, Balve und Sundern im Sauerland erreichen die 10-%-Schwelle bei den Gebäuden, aber auf „weit weniger als 75 %“ ihrer Fläche.
Die landesweite Erhebung 2019–2021 (317 öffentliche und 39 private Gebäude in 245 Gemeinden, alle 53 Kreise und kreisfreien Städte) zeigt die Größenordnung: 5,5 % der Gebäude über 300 Bq/m³, rund ein Drittel mit mindestens einem Raum über 100 Bq/m³. Radon ist in NRW also kein flächendeckendes, aber ein reales Einzelgebäude-Thema. Was der Verzicht auf Vorsorgegebiete rechtlich bedeutet – vor allem: keine allgemeine Arbeitsplatz-Messpflicht im Keller- und Erdgeschoss –, erklärt unsere Seite Radon-Vorsorgegebiete.
Die auffälligen Regionen: Sauerland und Nordeifel
Die Messprogramme des Landes liefern für zwei Regionen belastbare Zahlen:
| Programm | Region / Kommunen | Ergebnis |
|---|---|---|
| Sauerland 2021–22 | Arnsberg, Balve, Sundern (1.310 Haushalte mit Ergebnis, dazu 49 Schulen/Kitas) | Über 300 Bq/m³: Arnsberg 8 %, Balve 9 %, Sundern 11 %; an 3 Arnsberger Schulen wurden Maßnahmen ergriffen |
| Hohes Venn / Nordeifel 2024–25 | Monschau, Nideggen, Stolberg, Hürtgenwald, Langerwehe, Roetgen, Simmerath (1.550 Wohnhäuser, 36 Schulen, 37 Kitas) | 4 % der Gebäude über 300 Bq/m³, je Kommune 1–16 % |
| Nordschachtsiedlung Mettingen | 12 Häuser im Ibbenbürener Steinkohlenrevier | Alle unter 300 Bq/m³ |
| Bodenluft-Programme | Teil 1: 302 Standorte (2019–20), Teil 2: 400 Standorte (2021–22, mit dem Geologischen Dienst NRW) | Datengrundlage für die Landesbewertung |
Die Zahlen zeigen zweierlei: Erstens streut die Belastung selbst innerhalb einer Region stark – in der Nordeifel lagen die Kommunen zwischen 1 und 16 % Überschreitungen. Zweitens lohnt der Blick auf öffentliche Gebäude: Im Sauerland-Programm wurden neben den Haushalten auch 49 Schulen und Kitas gemessen, an drei Arnsberger Schulen folgten Maßnahmen. Und die alte Steinkohle-Region? Die eigens untersuchte Nordschachtsiedlung in Mettingen blieb unauffällig – Altbergbau führt also nicht automatisch zu hohen Werten.
Zur Einordnung der Außenluft: Das NRW-Umweltministerium nennt typische Werte von 5 bis 30 Bq/m³ im Freien – das Problem entsteht erst, wenn sich das Gas in Gebäuden anreichert. Wie es dorthin gelangt, zeigt Woher kommt Radon?; was alte Stollen und Halden bedeuten können, erklärt Altlasten & Bergbau.
Kostenloses Messprogramm 2024–2025: jetzt teilnehmen
Seit 2024 läuft ein landesweites, kostenloses Messprogramm für die Innenraumluft in Privathaushalten (Stand Anfang 2026: laufend). Teilnehmende erhalten passive Exposimeter für eine 12-Monats-Messung; lediglich ein geringes Rückporto fällt an. Anmeldung und Informationen über die Zentrale Radonstelle NRW (radon.nrw.de). Einen Überblick über Gratis-Angebote aller Länder gibt unsere Seite Kostenlose Radonmessung.
Wer nicht zwölf Monate auf ein Ergebnis warten möchte, kombiniert das Programm mit einer schnellen Orientierungsmessung: Ein elektronisches Gerät wie das Radon Eye RD200 zeigt schon nach wenigen Tagen Live-Werte, Tagesverläufe und den Effekt des Lüftens. Ein solches Gerät können Sie bei uns mieten – die Ergebnisse gibt es als verständliche Auswertung.
Rechtlicher Hinweis: Unsere Miet-Messung ist eine Orientierungsmessung – keine Messung durch eine vom BfS anerkannte Stelle nach § 155 StrlSchV und kein Ersatz für die 12-Monats-Messungen der Landesprogramme. Der Referenzwert von 300 Bq/m³ ist ein Jahresmittel und kein Grenzwert; Kurzzeitwerte liefern eine erste Einschätzung. Wie lange Sie sinnvoll messen, erklärt Wie lange messen?
Zentrale Radonstelle NRW: Beratung aus einer Hand
NRW bündelt seine Radon-Kompetenz in der Zentralen Radonstelle NRW (radon.nrw.de). Sie informiert zu Messung, Schutzmaßnahmen und Arbeitsplatz-Pflichten und betreut die Messprogramme. Organisatorisch war sie zunächst beim Landesinstitut für Arbeitsgestaltung (LIA) angesiedelt; zum 01.07.2025 entstand aus der Fusion von LZG.NRW und LIA das Landesamt für Gesundheit und Arbeitsschutz NRW (LfGA) mit Hauptsitz in Bochum, das die Funktionen der Radonstelle übernommen hat. Aktuelle Kontaktdaten: Telefon 0234 41692-6370, E-Mail radon@lfga.nrw.de.
Tipp für Eifel und Sauerland: Auch ohne Vorsorgegebiet gilt die bundesweite Messpflicht für Arbeitsplätze in Wasserwerken, untertägigen Bergwerken und Besucherbergwerken (Anlage 8 StrlSchG) – in den Mittelgebirgsregionen von NRW durchaus relevant. Details: Messpflicht am Arbeitsplatz.
Selbst aktiv werden: messen, einordnen, handeln
Für Privathaushalte in NRW gibt es keine Messpflicht – aber gute Argumente für die freiwillige Messung, gerade in den Mittelgebirgslagen und bei Wohnräumen im Keller- oder Erdgeschoss. Bewährtes Vorgehen: zuerst die Orientierungsmessung (Tage bis Wochen), bei auffälligen Werten die Langzeitmessung über eine anerkannte Stelle oder das Landesprogramm. Zur Einordnung der Zahlen hilft Messwerte verstehen; bleibt der Jahreswert erhöht, zeigt der Ratgeber Radon-Sanierung die wirksamen Maßnahmen – vom Abdichten über gezieltes Lüften bis zur Absaugung.
Fazit
NRW verzichtet auf Vorsorgegebiete, nimmt Radon aber ernst: mit einer eigenen Landesstelle, regionalen Kampagnen im Sauerland und in der Nordeifel und einem laufenden Gratis-Messprogramm für alle. Die Zahlen zeigen, dass jedes zwanzigste gemessene Gebäude über dem Referenzwert liegt – und dass die Spannbreite zwischen den Kommunen groß ist. Wer seine Werte kennt, kann gelassen bleiben oder gezielt handeln. Wie NRW im Vergleich zu den anderen Bundesländern liegt, zeigt die Radon-Karte Deutschland.
Häufige Fragen
Gibt es in NRW Radon-Vorsorgegebiete?
Nein. Das Gesundheitsministerium (MAGS) gab am 28.01.2021 bekannt, dass in keiner Kommune das gesetzliche Kriterium erfüllt ist – dafür müsste auf mindestens 75 % der Gemeindefläche der Referenzwert in mindestens 10 % der Gebäude überschritten werden. Am nächsten kamen dem die Sauerland-Städte Arnsberg, Balve und Sundern: Dort werden zwar für mehr als 10 % der Gebäude Überschreitungen prognostiziert, aber auf weit weniger als 75 % der Fläche. Für die betroffenen Regionen legte das Land stattdessen kostenlose Messprogramme auf.
Welche Regionen in NRW sind betroffen?
Auffällig sind vor allem zwei Regionen: das Sauerland mit Arnsberg, Balve und Sundern sowie das Hohe Venn und die Nordeifel an der Grenze zu Belgien. Im Messprogramm Hohes Venn/Nordeifel (2024–25, u. a. Monschau, Simmerath, Roetgen, Stolberg, Nideggen, Hürtgenwald, Langerwehe) lagen 4 % der gemessenen Gebäude über 300 Bq/m³, je nach Kommune zwischen 1 und 16 %. Im Sauerland-Programm 2021–22 überschritten in Arnsberg 8 %, in Balve 9 % und in Sundern 11 % der Haushalte den Referenzwert.
Wer kann am Messprogramm teilnehmen?
Die Zentrale Radonstelle NRW bietet seit 2024 ein kostenloses Messprogramm für die Innenraumluft in Privathaushalten an (Stand Anfang 2026: laufend); die Teilnehmenden erhalten Exposimeter für eine 12-Monats-Messung. Informationen und Anmeldung über radon.nrw.de; Kontakt: Tel. 0234 41692-6370, radon@lfga.nrw.de. Zuvor gab es regionale Programme in Arnsberg, Balve und Sundern sowie in den Kommunen des Hohen Venns und der Nordeifel.
Wie hoch ist Radon in Köln oder Bonn?
Amtliche Messwert-Listen für einzelne Städte gibt es nicht; Köln und Bonn liegen außerhalb der auffälligen Regionen, und Großstädte schneiden in der BfS-Wohnungskarte wegen vieler Mehrfamilienhäuser meist niedriger ab als das Umland. Die landesweite NRW-Erhebung 2019–2021 (346 Gebäude, 12-Monats-Messungen) fand in 5,5 % der Gebäude Werte über 300 Bq/m³ und in rund einem Drittel mindestens einen Raum über 100 Bq/m³ – erhöhte Werte sind also überall möglich. Für die eigene Wohnung hilft nur eine Messung.
Was ist die Zentrale Radonstelle NRW?
Die Zentrale Radonstelle NRW (radon.nrw.de) ist die Anlauf- und Beratungsstelle des Landes für alle Radon-Fragen – von der Messung über Schutzmaßnahmen bis zur Arbeitsplatz-Pflicht. Sie war zunächst am Landesinstitut für Arbeitsgestaltung (LIA) angesiedelt; zum 01.07.2025 fusionierten LIA und LZG.NRW zum Landesamt für Gesundheit und Arbeitsschutz NRW (LfGA, Hauptsitz Bochum), das die Aufgaben übernommen hat. Kontakt: Tel. 0234 41692-6370, radon@lfga.nrw.de.
Quellen und weiterführende Informationen
- MAGS NRW – PM 28.01.2021: Keine Ausweisung von Radonvorsorgegebieten in NRW
- Zentrale Radonstelle NRW – Messprogramme
- MAGS NRW – PM 18.11.2022: Erste Ergebnisse der Messkampagne Arnsberg, Sundern, Balve
- Zentrale Radonstelle NRW – Messungen der Radonaktivitätskonzentration in der Innenraumluft in NRW 2019–2021
- Umweltministerium NRW – Radon
- LIA NRW – PM 08.07.2025: Errichtung des LfGA NRW
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