Radon-Wissen
Radon im Keller: Warum dort die höchsten Werte sind – und was Sie tun können
Keller und Souterrain sind Radon-Einfallstore. Typische Werte, Homeoffice und Schlafen im Keller, Lebensmittel, Messen und Abdichten – mit BfS-Fakten.
Der Keller ist fast immer der Raum mit den höchsten Radonwerten im Haus: Er grenzt direkt an den Baugrund, hat die meisten Eintrittswege – und wird am seltensten gelüftet. Solange der Keller nur Lagerraum ist, ist das meist unkritisch. Relevant wird es, wenn dort geschlafen, gearbeitet oder gewohnt wird, oder wenn das Radon von unten in die Wohnräume aufsteigt. Dieser Artikel erklärt Werte, Rechtslage und die wirksamsten Maßnahmen.
- Warum der Keller das Radon-Einfallstor ist
- Gibt es einen Grenzwert für den Keller?
- Schlafen, Homeoffice, Kellerwohnung: Worauf es ankommt
- Lebensmittel im Keller: kein Radon-Problem
- Radon im Keller messen: so gehen Sie vor
- Was tun bei erhöhten Radonwerten im Keller?
- Fazit
Warum der Keller das Radon-Einfallstor ist
Hauptquelle für Radon in Gebäuden ist die Bodenluft – und kein Raum liegt näher am Boden als der Keller. Drei Faktoren kommen zusammen:
- Maximale Kontaktfläche: Kellerboden und erdberührte Wände trennen den Wohnbereich vom Erdreich. Jede Undichtigkeit – Risse, Fugen, Rohr- und Kabeldurchführungen, offene oder gestampfte Böden, Natursteingewölbe – ist eine Eintrittspforte. Besonders betroffen sind ältere Gebäude: Bei Häusern von vor 1960 sind Dichtungsbahnen meist nicht verschweißt oder verklebt und oft schon schadhaft.
- Der Kamineffekt: Warme Luft steigt im Haus auf und erzeugt gerade in den untersten Räumen einen Unterdruck, der radonhaltige Bodenluft aus einem Umkreis von etwa 10 bis 20 Metern ansaugt – am stärksten in der Heizperiode.
- Wenig Lüftung: Kellerräume werden selten gelüftet, das eingedrungene Radon reichert sich an.
Das BfS bringt es auf eine einfache Formel: Die Radonkonzentration ist in bodenberührenden Gebäudebereichen am höchsten und nimmt von Stockwerk zu Stockwerk ab. Der Transfer aus der Bodenluft in die Raumluft liegt insgesamt bei etwa ein bis fünf Promille – für Kellerräume nennt das Radon-Handbuch als Median rund 1,5 Promille, für Erdgeschossräume etwa 0,95 Promille. Ein Langzeitbeispiel aus dem Radon-Handbuch zeigt die typische Staffelung: Im untersuchten Gebäude erreichte der Keller Werte in der Größenordnung von 500 Bq/m³, das Erdgeschoss etwa 250 Bq/m³ und die erste Etage rund 100 Bq/m³. Wie die Eintrittswege im Detail funktionieren, erklärt der Artikel Woher kommt Radon und wie gelangt es ins Haus?
Gibt es einen Grenzwert für den Keller?
Nein. In Deutschland gibt es keinen Radon-Grenzwert, sondern den Referenzwert von 300 Bq/m³ im Jahresmittel (§ 124 StrlSchG). Er gilt für Aufenthaltsräume – also auch für Keller, in denen gewohnt, geschlafen oder gearbeitet wird. Für reine Lager-, Wasch- oder Technikkeller gibt es keinen rechtlichen Maßstab; messen lohnt sich trotzdem, weil der Keller die Quelle für die Wohnräume darüber ist. Die zwei Ebenen im Einzelnen:
- Es gibt generell keinen Radon-Grenzwert. Der gesetzliche Wert von 300 Bq/m³ im Jahresmittel (§ 124 StrlSchG) ist ein Referenzwert: ein Maßstab dafür, ab wann Maßnahmen angemessen sind (Einordnung aller Werte).
- Der Referenzwert gilt für Aufenthaltsräume. Das Strahlenschutzgesetz definiert Aufenthaltsräume als Innenräume, die zum nicht nur vorübergehenden Aufenthalt von Personen bestimmt sind – etwa zum Wohnen, in Schulen oder Kindergärten. Ein reiner Lager-, Wasch- oder Technikkeller fällt nicht darunter. Wird ein Kellerraum dagegen als Hobbyraum, Büro, Gästezimmer oder gar Schlafzimmer genutzt, ist er wie jeder Wohnraum zu bewerten.
Eine Besonderheit gilt für Arbeitsplätze: In den gesetzlich festgelegten Radon-Vorsorgegebieten müssen Arbeitgeber an Arbeitsplätzen im Keller- und Erdgeschoss die Radonkonzentration messen (Details zur Messpflicht). Für private Wohnungen und Keller gibt es dagegen keine Messpflicht – das BfS empfiehlt die Messung auf freiwilliger Basis.
Schlafen, Homeoffice, Kellerwohnung: Worauf es ankommt
Ob erhöhte Kellerwerte für Sie relevant sind, entscheidet vor allem die Aufenthaltsdauer. Das Lungenkrebsrisiko durch Radon wächst mit Konzentration und Expositionszeit – wer täglich acht Stunden im Keller-Homeoffice sitzt oder im Souterrain schläft, sammelt dort einen erheblichen Teil seiner Jahresexposition.
Daraus folgt eine klare Rangfolge:
| Nutzung des Kellers | Bedeutung der Radonwerte | Empfehlung |
|---|---|---|
| Lager, Technik, kurze Aufenthalte | gering – kurze Aufenthalte fallen kaum ins Gewicht | Kellertür geschlossen halten, bei Gelegenheit mitmessen |
| Hobbyraum, Werkstatt (stundenweise) | mittel | messen; gezieltes Lüften kann laut BfS-Handbuch bei zeitweiligem Aufenthalt genügen |
| Homeoffice, Gäste-/Schlafzimmer, Souterrain-/Kellerwohnung | hoch – wie ein Wohnraum zu behandeln | Langzeitmessung; bei erhöhten Werten Maßnahmen wie in Wohnräumen |
Für Mieter einer Souterrain- oder Kellerwohnung gilt: Es besteht keine gesetzliche Messpflicht des Vermieters, aber eine dauerhaft über dem Referenzwert liegende Belastung kann mietrechtlich relevant sein. Was Mieter und Vermieter wissen sollten, behandelt der Artikel Radon in der Mietwohnung.
Beim Homeoffice im Keller lohnt ein zweiter Blick auf die Rechtslage: Die gesetzliche Messpflicht für Arbeitsplätze im Keller- und Erdgeschoss in Vorsorgegebieten richtet sich an Betriebsstätten – Telearbeit in der Privatwohnung fällt nicht darunter. Für Ihre Gesundheit macht es freilich keinen Unterschied, ob der Schreibtisch dienstlich oder privat im Keller steht: Wer dort täglich viele Stunden arbeitet, sollte messen und den Raum bei erhöhten Werten wie einen Wohnraum behandeln.
Lebensmittel im Keller: kein Radon-Problem
Eine häufige Sorge können wir ausräumen: Nach dem Radon-Handbuch des BfS wird die Lagerung von Lebensmitteln durch Radon nicht beeinträchtigt. Radon ist ein Edelgas aus der Uran-Zerfallsreihe – es geht keine chemischen Verbindungen ein und „setzt sich“ nicht in Kartoffeln, Konserven oder Eingemachtem fest. Entscheidend ist allein die Atemluft für Menschen, die sich im Keller aufhalten. Ihr Vorratskeller darf also Vorratskeller bleiben.
Radon im Keller messen: so gehen Sie vor
Die Messung im Keller ist einfach – ein paar Regeln erhöhen die Aussagekraft deutlich:
- Platzierung: Gerät oder Detektor auf ein Regal oder einen Schrank stellen (nicht in einen geschlossenen Schrank), etwa 10 bis 20 cm von der Wand entfernt, nicht über der Heizung und nicht direkt am Fenster. Alle Details: Messgerät richtig aufstellen.
- Mehrere Räume: Üblich ist ein Messpunkt im Keller plus je einer in Wohn-, Schlaf- und Kinderzimmer – so sehen Sie, wie viel Radon nach oben gelangt.
- Zeitpunkt und Dauer: Am aussagekräftigsten ist die Heizperiode. Für den Jahresmittelwert empfiehlt das BfS passive Messungen über 3 bis 12 Monate (Kosten ca. 30–50 € je Detektor, Stand: September 2026); ein elektronisches Gerät liefert vorab ein schnelles, zeitaufgelöstes Screening.
- Bedingungen dokumentieren: Lüftungszeiten notieren – sonst deuten Sie Spitzen und Täler später falsch (Messwerte verstehen).
Ein gemietetes Radon Eye RD200 zeigt Ihnen schon nach wenigen Tagen, in welcher Größenordnung sich Ihr Keller bewegt, wie stark die Werte in die Wohnräume durchschlagen und was Lüften bringt. Bei dauerhaft erhöhten Werten folgt idealerweise die passive Langzeitmessung durch eine anerkannte Stelle.
Was tun bei erhöhten Radonwerten im Keller?
Die gute Nachricht: Gegen Radon im Keller gibt es ein bewährtes Stufenkonzept – oft reichen schon einfache Maßnahmen. Das BfS empfiehlt als Erstmaßnahmen regelmäßiges Lüften und das Abdichten undichter Stellen; der Erfolg sollte stets durch Messungen überprüft werden.
Einfache Sofortmaßnahmen (nach BfS-Radon-Handbuch):
- Fugen, Risse und Rohr-/Kabeldurchführungen mit Dichtmassen abdichten; Dichtungen alle 5–8 Jahre prüfen,
- Kellertür abdichten (umlaufende Dichtprofile) und mit Türschließer versehen – so bleibt das Radon unten,
- gezielt lüften: Kellerfenster oder -luken öffnen, Kellertür geschlossen halten,
- auf Aufenthaltsräume im Untergeschoss (vorübergehend) verzichten,
- den thermischen Auftrieb aus dem Treppenhaus brechen, etwa durch eine Nachströmöffnung im Erdgeschoss,
- Unterdruckquellen entschärfen: Abluftanlagen und raumluftabhängige Feuerstätten können Bodenluft ansaugen.
Wie klein die entscheidenden Details sein können, zeigt ein Beispiel aus dem BfS-Radon-Handbuch: Schon ein einfaches Bartschlüsselloch in der Kellertür lässt erhebliche Radonmengen in den Wohnbereich strömen – ein Sicherheitszylinder ohne offenes Schlüsselloch schafft Abhilfe. Solche einfachen Sofortmaßnahmen erweisen sich laut Handbuch oft als so erfolgreich, dass keine weiteren Schritte nötig sind.
Was die Maßnahmen bringen – das Reduktionspotenzial nach dem BfS-Radon-Handbuch:
| Maßnahme | Erreichbare Senkung |
|---|---|
| Einfache Abdichtmaßnahmen (Fugen, Risse) | 0 – 25 % |
| Kellerentlüftung / Unterdruckhaltung im Keller (Kleinventilator) | 50 – 80 % |
| Absaugung unter dem Gebäude (Radonbrunnen, Drainagesystem) | 10 – 95 % |
| Neue Isolierschichten im Fußboden kombiniert mit Absaugung | bis 99 % |
Grenzen des Lüftens: Lüften wirkt sofort, aber nur kurz – schon etwa zwei Stunden nach dem Lüften kann die Konzentration wieder auf dem alten Niveau sein. Als Dauerlösung gegen deutlich erhöhte Werte ist Stoßlüften allein zu unzuverlässig. Was realistisch erreichbar ist, zeigt der Artikel Richtig lüften gegen Radon.
Bauliche Lösungen für dauerhaft niedrige Werte:
- Abdichten von Kellerboden und Bodenplatte – von der partiellen Abdichtung bis zum neuen Fußbodenaufbau (Anleitung und Kosten),
- Absaugung unter dem Gebäude (Radonbrunnen, Radondrainage): Der Unterdruck wird ins Erdreich verlagert, bevor das Radon eintritt – eine der wirksamsten Maßnahmen (Absaugung und Radonbrunnen im Detail),
- Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung für kontrollierten, dauerhaften Luftwechsel.
Einen Gesamtüberblick mit Wirksamkeit und Kosten gibt die Übersicht Radon-Sanierung.
Fazit
Der Keller ist der Radon-Hotspot fast jedes Hauses – hohe Werte dort sind zunächst kein Alarmsignal, sondern ein Messergebnis mit klaren Konsequenzen: Solange niemand dauerhaft im Keller lebt oder arbeitet und wenig Radon nach oben dringt, genügen oft einfache Maßnahmen wie Abdichten der Kellertür und gezieltes Lüften. Wird der Keller bewohnt oder als Büro genutzt, gehört er messtechnisch und baulich behandelt wie ein Wohnraum. Den Anfang macht in jedem Fall die Messung.
Häufige Fragen
Warum ist Radon im Keller am höchsten?
Der Keller grenzt direkt an den Baugrund – die Hauptquelle des Radons. Über undichte Kellerböden, Risse, Fugen und Rohrdurchführungen dringt radonhaltige Bodenluft ein, angesaugt vom Unterdruck des Kamineffekts. Zudem wird in Kellern meist wenig gelüftet. Von Stockwerk zu Stockwerk nimmt die Konzentration dann in der Regel ab.
Gilt für den Keller ein eigener Grenzwert?
Nein. Der gesetzliche Referenzwert von 300 Bq/m³ im Jahresmittel gilt für Aufenthaltsräume – also Räume, die zum nicht nur vorübergehenden Aufenthalt bestimmt sind. Ein reiner Lager- oder Technikkeller ist kein Aufenthaltsraum; sobald Sie einen Kellerraum aber als Hobby-, Arbeits- oder Schlafraum nutzen, gilt derselbe Maßstab wie in jedem Wohnraum. Ein Referenzwert ist zudem kein Grenzwert, sondern ein Maßstab für Maßnahmen.
Darf ich im Keller schlafen oder arbeiten?
Grundsätzlich ja – entscheidend ist die Radonkonzentration und Ihre Aufenthaltsdauer. Wer im Souterrain schläft oder im Keller-Homeoffice arbeitet, verbringt dort viele Stunden täglich; dann sollte der Raum wie ein Wohnraum behandelt und gemessen werden. Bei erhöhten Werten helfen Lüftungskonzepte, Abdichtung oder eine Absaugung. Ohne Messung wissen Sie nicht, woran Sie sind.
Sind Lebensmittel im Keller durch Radon belastet?
Nein. Nach dem Radon-Handbuch des BfS wird die Lagerung von Lebensmitteln durch Radon nicht beeinträchtigt. Radon ist ein Edelgas, das keine Verbindungen eingeht und sich nicht in Lebensmitteln anreichert. Das Risiko betrifft die Atemluft – also Menschen, die sich länger im Keller aufhalten, nicht das Eingelagerte.
Wie messe ich Radon im Keller richtig?
Platzieren Sie das Messgerät bzw. den Detektor etwa 10 bis 20 cm von der Wand entfernt, nicht über der Heizung und nicht direkt am Fenster – zum Beispiel auf einem Regal. Üblich ist ein Detektor im Keller plus je einer in Wohn-, Schlaf- und Kinderzimmer. Für den Jahresmittelwert misst man 3 bis 12 Monate; ein elektronisches Gerät liefert vorab ein schnelles Screening samt Tagesverlauf.
Reicht Lüften im Keller aus?
Oft nur als Erstmaßnahme. Lüften mit weit geöffneten Fenstern tauscht die Raumluft in wenigen Minuten fast vollständig aus – aber schon etwa zwei Stunden später kann die Radonkonzentration wieder das alte Niveau erreichen. Dauerhaft zuverlässig sind bauliche Lösungen wie das Abdichten der Eintrittspfade, eine Lüftungsanlage oder eine Absaugung unter dem Gebäude. Der Erfolg jeder Maßnahme sollte durch Messungen geprüft werden.
Quellen und weiterführende Informationen
- BfS – Radon in Gebäuden
- BfS – Wann ist mein Haus / meine Wohnung besonders gefährdet?
- BfS – Schutzmaßnahmen: Was kann ich tun? Was muss ich tun?
- BfS – Wie kann ich Radon messen (lassen)?
- BfS – Radon-Handbuch Deutschland (2019)
- § 5 StrlSchG – Begriffsbestimmungen (Aufenthaltsraum)
- § 124 StrlSchG – Referenzwert
- Radon-Fachstellen AT/CH/Süddeutschland/Südtirol – Radon-Sanierungsmaßnahmen bei bestehenden Gebäuden (2021)
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