Radon-Wissen

Radon im Winter höher als im Sommer: Warum die Heizperiode entscheidend ist

Warum schwanken Radon-Werte? Heizperiode, Kamineffekt, Wetter und Tageszeit erklärt – und was das für Messdauer und Messzeitpunkt bedeutet.

Veröffentlicht am Lesezeit ca. 6 Min. Redaktion radoncheck24.de

Jahresverlauf der Radonkonzentration mit hohen Werten in der Heizperiode und niedrigen im Sommer

Radonwerte sind keine Konstante: Im Winter liegen sie in Gebäuden in der Regel deutlich höher als im Sommer – laut BfS in einem ungelüfteten Kellerraum je nach Gebäude um den Faktor 5 bis 10 gegenüber einem gut gelüfteten Raum im Sommer. Der Grund ist der Kamineffekt der Heizperiode, verstärkt durch selteneres Lüften. Für Messungen heißt das: Die kalte Jahreszeit ist die aussagekräftigste Messzeit.

Warum Radonwerte überhaupt schwanken

Radon strömt nicht gleichmäßig ins Haus. Wie viel radonhaltige Bodenluft eindringt, hängt vom Druckgefälle zwischen Erdreich und Innenraum ab – und das ändert sich ständig mit Temperatur, Wind und Nutzung. Dazu kommt der Gegenspieler Lüftung: Jeder Luftaustausch verdünnt die Radonkonzentration. Das Zusammenspiel dieser Kräfte erzeugt charakteristische Muster im Jahres- und Tagesverlauf. Die Grundlagen der Eintrittswege erklärt der Artikel Woher kommt Radon und wie gelangt es ins Haus?; Entstehung und Eigenschaften des Gases selbst: Radon-Wissen kompakt.

Die Heizperiode: Kamineffekt auf Hochtouren

In der Heizperiode ist die Luft im Gebäude deutlich wärmer als die Außenluft. Warme Luft steigt auf – wie in einem Kamin – und erzeugt in den unteren Geschossen einen leichten Unterdruck, den zusätzlich der Wind um das Gebäude verstärkt. Dieser Unterdruck saugt radonhaltige Bodenluft durch Risse, Fugen und Durchführungen an. Außerhalb der Heizperiode fehlt dieser Antrieb weitgehend – weshalb ein Radonproblem oft nur in der Heizperiode deutlich nachweisbar ist.

Zwei Effekte kommen im Winter zusammen:

  1. Mehr Nachschub: Der thermische Auftrieb zieht mehr Bodenluft ins Haus.
  2. Weniger Verdünnung: Bei Kälte wird seltener und kürzer gelüftet, Fenster bleiben zu.

Die Folge: In der Regel treten im Winter in Gebäuden höhere Konzentrationen auf als in den wärmeren Jahreszeiten. Das BfS beziffert den Unterschied für den ungünstigsten Fall – ungelüfteter Kellerraum im Winter gegenüber gut gelüftetem Raum im Sommer – je nach Gebäude auf den Faktor 5 bis 10. Langzeitmessreihen im Radon-Handbuch des BfS zeigen dieses Muster über Jahre hinweg, mit den höchsten Werten im Keller, gefolgt von Erdgeschoss und Obergeschoss.

Der Tagesgang: nachts steigt die Kurve

Auch innerhalb eines Tages schwanken die Werte erheblich. Die höchsten Konzentrationen treten meist nachts und in den frühen Morgenstunden auf. Ein wesentlicher Grund ist banal: Nachts wird nicht gelüftet und der Raum kaum genutzt, sodass sich Radon ungestört anreichern kann. Nach dem Lüften am Morgen fällt die Kurve steil ab – und beginnt dann wieder zu steigen.

Wer ein zeitaufgelöst messendes Gerät wie das Radon Eye RD200 aufstellt, sieht diesen Tagesgang unmittelbar im Diagramm. Das BfS empfiehlt für aussagekräftige Kurzzeit- und Ursachenmessungen sogar gezielt, am späten Nachmittag oder abends zu beginnen, um den nächtlichen Anstieg für eine konservative – also vorsichtige – Beurteilung zu nutzen. Wie Sie solche Kurven lesen, zeigt der Artikel Messwerte verstehen.

Wetter: Temperatur, Wind und Luftdruck

Neben Jahreszeit und Tageszeit wirkt das Wetter auf die Radonkonzentration:

Einflussfaktor Wirkung
Temperaturdifferenz innen/außen treibt den Kamineffekt an – je kälter draußen, desto stärker der Unterdruck
Wind verstärkt die Druckdifferenz am Gebäude und damit das Ansaugen von Bodenluft
Luftdruckverhältnisse beeinflussen den Austausch zwischen Bodenluft und Gebäude
Witterungsereignisse wirken auf die oberflächennahe Bodenluft (bis ca. 1 m Tiefe)
Nutzung (Lüften, Abwesenheit) Lüften senkt kurzfristig; bei längerer Abwesenheit reichert sich Radon an

Wichtig für die Interpretation eigener Messwerte: Ein Sprung in der Kurve muss keine neue „Radonquelle“ bedeuten – oft steckt schlicht ein Wetterumschwung oder geändertes Lüftungsverhalten dahinter. Kurzzeitwerte sind deshalb immer Momentaufnahmen.

Tipp für die eigene Messung: Führen Sie während einer Kurzzeitmessung ein einfaches Protokoll: Wann wurde gelüftet, wann waren Sie abwesend, wie war das Wetter? So lassen sich Spitzen und Täler in der Messkurve später eindeutig zuordnen – und Sie erkennen, wie stark Ihr Lüftungsverhalten die Werte tatsächlich senkt.

Was bedeutet das für Messdauer und Messzeitpunkt?

Der gesetzliche Referenzwert von 300 Bq/m³ bezieht sich auf das Jahresmittel (Hintergrund). Wegen der großen Tages- und Jahresschwankungen gilt deshalb:

  • Ideal ist eine Messung über zwölf Monate – sie gleicht alle saisonalen Effekte aus.
  • Bei kürzerer Messdauer: im Winter messen. Das BfS empfiehlt ausdrücklich, den Jahresmittelwert „auf keinen Fall zu unterschätzen“ – eine Wintermessung über mehrere Monate liefert eine verlässliche Erstabschätzung.
  • Sommermessungen unterschätzen den Jahresmittelwert in der Regel; Wintermessungen überschätzen ihn tendenziell – das ist bei der Einordnung zu berücksichtigen.
  • Faustregel des BfS: Sind die Werte im Winter niedrig, kann man recht sicher sein, dass sie es im Sommer auch sind.
  • Momentanmessungen oder Messungen über wenige Tage eignen sich nicht für Sanierungsentscheidungen – wohl aber als Screening.

Offizielle Umrechnungsfaktoren, mit denen sich eine Sommer- oder Kurzzeitmessung aufs Jahr hochrechnen ließe, gibt es in Deutschland nicht. Wie lange Sie für welches Ziel messen sollten, schlüsselt der Artikel Wie lange Radon messen? auf.

Kurzzeitmessung sinnvoll nutzen: Screening statt Urteil

Eine ein- bis vierwöchige Messung mit einem elektronischen Gerät ersetzt keine Jahresmessung – sie beantwortet aber andere, sehr praktische Fragen:

  • Wie ist die Grundbelastung jetzt? Ein Screening zeigt, ob hohe Werte in Ihrem Haus überhaupt vorkommen – am aussagekräftigsten in der Heizperiode und bei normal geschlossenen Fenstern.
  • Wo kommt das Radon her? Der Vergleich mehrerer Räume und Etagen grenzt Eintrittswege ein (richtige Platzierung).
  • Wirkt meine Maßnahme? Vorher-Nachher-Messungen machen den Effekt von Lüftungsroutinen oder Abdichtungen sichtbar.

Genau dafür ist unser Mietangebot gedacht: Sie mieten das Radon Eye RD200 für einen definierten Zeitraum, messen zeitaufgelöst und erhalten eine verständliche Auswertung mit Einordnung – so funktioniert’s.

Wichtig: Eine Miet-Messung ist eine Orientierungsmessung – keine anerkannte Messung nach Strahlenschutzrecht und kein Jahresmittelwert. Bei dauerhaft erhöhten Werten empfiehlt sich eine Langzeitmessung über 3 bis 12 Monate mit passiven Exposimetern einer anerkannten Stelle.

Häufige Fragen

Warum ist Radon im Winter höher?

Im Winter ist die Luft im Haus deutlich wärmer als draußen. Die warme Luft steigt auf und erzeugt in den unteren Geschossen einen Unterdruck (Kamineffekt), der radonhaltige Bodenluft ansaugt. Gleichzeitig wird weniger gelüftet. Laut BfS kann die Radonkonzentration in einem ungelüfteten Kellerraum im Winter je nach Gebäude um den Faktor 5 bis 10 höher liegen als in einem gut gelüfteten Raum im Sommer.

Wie stark schwanken Radon-Werte im Tagesverlauf?

Deutlich: Die höchsten Werte treten meist nachts und in den frühen Morgenstunden auf – vor allem, weil Räume nachts kaum genutzt und nicht gelüftet werden. Nach dem morgendlichen Lüften fallen die Werte schnell ab, steigen danach aber wieder an. Ein zeitaufgelöst messendes Gerät macht diesen Tagesgang sichtbar.

Beeinflusst das Wetter (Temperatur, Wind, Luftdruck) die Werte?

Ja. Starke Temperaturunterschiede zwischen innen und außen sowie der Wind um das Gebäude verstärken den Unterdruck, der Bodenluft ansaugt; auch Luftdruckverhältnisse und Witterungsereignisse wirken sich aus. Die Witterung beeinflusst zudem die oberflächennahe Bodenluft bis etwa einen Meter Tiefe. Deshalb können Radonwerte von Tag zu Tag erheblich schwanken.

Wann ist die beste Zeit zum Messen?

Die Heizperiode. Das BfS empfiehlt, bei Messungen von weniger als zwölf Monaten im Winter zu messen, um den Jahresmittelwert auf keinen Fall zu unterschätzen. Ideal ist eine Messung über volle zwölf Monate; als Faustregel des BfS gilt außerdem: Sind die Radon-Werte im Winter niedrig, kann man recht sicher sein, dass sie es im Sommer auch sind.

Kann ich eine Sommermessung auf das Jahr hochrechnen?

Nicht zuverlässig. In Deutschland gibt es keine behördlich anerkannten Umrechnungsfaktoren von Kurzzeit- oder Sommermessungen auf das Jahresmittel. Sommerwerte unterschätzen den Jahresmittelwert systematisch – ein niedriger Sommerwert schließt eine Überschreitung im Winter nicht aus. Wer im Sommer misst, sollte das Ergebnis als Momentaufnahme werten und in der Heizperiode nachmessen.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. BfS-Broschüre „Radon – ein kaum wahrgenommenes Risiko“ (Strahlenschutz konkret)
  2. BfS – Wie kann ich Radon messen (lassen)?
  3. BfS-Pressemitteilung „Kalte Jahreszeit für Radon-Messung nutzen“ (27.11.2025)
  4. BfS – Radon-Handbuch Deutschland (2019)
  5. BfS – Radon-Messgeräte
  6. Radon-Fachstellen AT/CH/Süddeutschland/Südtirol – Radon-Sanierungsmaßnahmen bei bestehenden Gebäuden (2021)

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