Radon messen

Radon-Messgerät richtig aufstellen: Raum, Höhe, Abstand – und die 7 häufigsten Fehler

Wo das Messgerät hin muss: Aufenthaltsräume, 1–2 m Höhe, 10–20 cm Wandabstand, nicht am Fenster oder über der Heizung. Anleitung mit Checkliste.

Veröffentlicht am Lesezeit ca. 6 Min. Redaktion radoncheck24.de

Grundriss-Schema mit richtiger Platzierung eines Radon-Messgeräts: Regalhöhe, Wandabstand, Abstand zu Fenster und Heizung

Eine Radonmessung ist nur so gut wie ihr Standort: Ein Gerät am gekippten Fenster misst Außenluft, eines über der Heizung misst Thermik – beides führt zu falschen Schlüssen. Die Grundregeln sind zum Glück einfach: häufig genutzter Aufenthaltsraum, Regal- bis Atemhöhe, 10 bis 20 Zentimeter Wandabstand, weit weg von Fenster, Heizung und Lüftung. Diese Anleitung führt Sie durch Raumwahl und Platzierung – und zeigt die sieben häufigsten Fehler, die Sie vermeiden sollten.

Welcher Raum ist der richtige?

Gemessen wird dort, wo Sie leben – nicht dort, wo die höchsten Werte zu erwarten wären. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) nennt als wichtigste Messorte die Aufenthaltsräume: Wohnzimmer, Schlafzimmer, Wohn- und Essdielen sowie Arbeitsräume. Typisch für ein Einfamilienhaus ist die Kombination aus einem Detektor im Keller – dort sind die höchsten Werte zu erwarten – und je einem in Wohn-, Schlaf- und Kinderzimmer.

Dabei gilt: Je näher am Erdreich, desto relevanter. Radon dringt aus dem Baugrund ein, die Konzentration nimmt von Stockwerk zu Stockwerk ab. Das LfU Bayern empfiehlt deshalb, mindestens zwei häufig genutzte Räume zu messen, am besten im untersten Wohngeschoss. Die Zentrale Radonstelle NRW setzt in ihrem Messprogramm auf zwei Wohnräume, die täglich mindestens eine Stunde genutzt werden.

Haben Sie nur ein Gerät – etwa ein Radon-Messgerät zur Miete für zwei Wochen –, beginnen Sie im meistgenutzten Raum der untersten Wohnebene (oft das Wohn- oder Schlafzimmer) und messen anschließend Raum für Raum weiter. Unser Tipp für Mieter: mindestens sieben Tage pro Raum, damit Tagesgänge und Wetterwechsel im Verlauf erkennbar sind.

Höhe, Abstand, Position: die Platzierungsregeln

Die Behörden formulieren die Aufstellregeln leicht unterschiedlich, meinen aber dasselbe: Das Gerät soll die Luft messen, die Sie atmen – ungestört von Wand, Fenster und Wärmequellen.

Quelle Höhe Abstand Besonderheiten
BfS auf Regal oder Schrank 10–20 cm von der Wand nicht in Schrank oder Vitrine, nicht über der Heizung, nicht direkt am Fenster
LfULG Sachsen 1–2 m über dem Boden ca. 30 cm zu Wand und Decke ein Detektor pro Raum, in sehr großen Räumen einer je 200 m²
Zentrale Radonstelle NRW Regal, Tisch oder Schrank mindestens 10 cm Wandabstand häufig genutzte Wohnräume (mind. 1 h täglich)
Gerätehersteller (RadonEye) mindestens Kniehöhe, besser Atemhöhe ca. 20 cm zu Wänden, Fenstern, Lüftungsanlagen Erschütterungen vermeiden, Gerät nicht abdecken, mind. 24 h am selben Ort

In der Praxis erfüllt ein offenes Regal oder ein Sideboard in 1 bis 2 Metern Höhe, eine Handbreit von der Wand entfernt und fern von Fenster und Heizkörper, alle Anforderungen gleichzeitig.

Tipp für elektronische Geräte: Das RadonEye RD200 braucht eine Steckdose in der Nähe – planen Sie den Standort so, dass das Netzteil während der gesamten Messung eingesteckt bleiben kann. Wird der Strom unterbrochen, gehen zwar keine gespeicherten Stundenwerte verloren, aber die Zeitzuordnung wird lückenhaft, weil das Gerät keine interne Uhr besitzt. Details dazu in der RD200-Anleitung.

Während der Messung: normal wohnen – mit einer Ausnahme

Grundsätzlich gilt: Die Messung soll Ihren Alltag abbilden. Heizen, lüften und nutzen Sie die Räume wie immer – nur so erfahren Sie, welcher Belastung Sie tatsächlich ausgesetzt sind. Das gilt uneingeschränkt für Langzeitmessungen mit passiven Detektoren über 3 bis 12 Monate.

Bei kurzen Orientierungsmessungen über wenige Tage ist etwas Disziplin gefragt: Wer vor und während der Messung ungewöhnlich viel lüftet, drückt das Ergebnis künstlich nach unten. Das BfS-Radon-Handbuch warnt ausdrücklich vor Fehlbeurteilungen bei Kurzzeitmessungen, etwa wenn der Raum unmittelbar zuvor gelüftet wurde. Das Schweizer BAG verlangt für seine Kurzzeit-Messmethode sogar geschlossene Fenster und Türen während der gesamten Messdauer. Unser pragmatischer Rat für die Mietmessung: normal lüften, aber nicht mehr als sonst – und jede ausgiebige Lüftung mit Uhrzeit notieren. Im Stundenverlauf des RadonEye erkennen Sie den Effekt anschließend selbst: Der Wert fällt beim Lüften steil ab und steigt danach binnen weniger Stunden wieder an.

Die 7 häufigsten Fehler beim Aufstellen

  1. Am Fenster oder an der Lüftung platziert. Dort misst das Gerät verdünnte Luft – das Ergebnis fällt systematisch zu niedrig aus. Das BfS schließt den Fensterplatz ausdrücklich aus.
  2. Über der Heizung aufgestellt. Aufsteigende Warmluft verfälscht die Messung; auch dieser Standort ist laut BfS tabu.
  3. In Schrank, Vitrine oder Schublade gelegt. Passive Detektoren und Monitore brauchen frei zirkulierende Raumluft – „auf ein Regal, nicht in einen Schrank“ (BfS).
  4. Direkt nach dem Großreinemachen mit Stoßlüften gestartet. Nach dem Lüften ist die Konzentration stundenlang untypisch niedrig. Starten Sie die Kurzzeitmessung am besten abends bei geschlossenen Fenstern – das nutzt den nächtlichen Anstieg für eine konservative Bewertung (Praxistipp aus dem BfS-Radon-Handbuch).
  5. Nur im unbewohnten Keller gemessen. Der Kellerwert ist interessant für die Ursachensuche, aber für Ihre Gesundheit zählen die Aufenthaltsräume. Umgekehrt gilt genauso: Wer nur im 1. Obergeschoss misst, übersieht die belastete untere Ebene.
  6. Gerät umgestellt oder Strom gezogen. Jeder Standortwechsel macht den Verlauf unlesbar; beim RD200 verschiebt eine Stromunterbrechung zusätzlich die Zeitachse. Mindestens 24 Stunden, besser die gesamte Messdauer am selben Ort messen.
  7. Nichts dokumentiert. Ohne Startzeit, Raum- und Etagenangabe lässt sich das Ergebnis später weder einordnen noch vergleichen – gerade bei Geräten ohne interne Uhr.

Checkliste: Messung starten und dokumentieren

Vor dem Start einmal durchgehen:

  • Raum gewählt: häufig genutzter Aufenthaltsraum, unterste Wohnebene (plus optional Keller)
  • Standort: Regal/Tisch/Schrank, 1–2 m Höhe, 10–20 cm Wandabstand
  • Abstand zu Fenster, Heizung, Lüftungsanlage; keine direkte Sonne, keine Erschütterungen
  • Gerät nicht abgedeckt, Luftschlitze frei
  • Steckdose erreichbar (elektronische Geräte), Netzteil fest eingesteckt
  • Startdatum und Uhrzeit, Raum, Etage und Position notiert
  • Haushalt informiert: Gerät nicht anfassen, nicht umstellen, Stecker drinlassen
  • Besonderheiten während der Messung notieren (Lüften, Abwesenheit, offene Kellertür)

Ein einfaches Messprotokoll – Raum, Zeitraum, Lüftungsnotizen – macht aus Zahlen ein belastbares Ergebnis. Bei unserer Gerätemiete gehört genau das zum Ablauf: Sie erhalten eine Kurzanleitung mit Protokoll, und die Angaben fließen in Ihre PDF-Auswertung ein – wie das insgesamt funktioniert, zeigt So funktioniert die Miete.

Nach der Messung: Werte einordnen

Steht das Gerät richtig und ist die Messdauer ausreichend, kommt der spannendste Teil: die Interpretation. Was Mittelwert, Spitzen und Tagesgang bedeuten und ab wann Sie handeln sollten, erklärt der Artikel Radon-Messwerte verstehen. Den Überblick über Methoden, Kosten und Messdauer gibt der große Ratgeber Radon messen.

Häufige Fragen

In welchem Raum sollte ich messen?

In den Räumen, in denen Sie sich am längsten aufhalten – Wohnzimmer, Schlafzimmer, Kinderzimmer, Arbeitszimmer –, bevorzugt im untersten bewohnten Geschoss. Das BfS nennt als typische Aufteilung einen Detektor im Keller plus je einen in Wohn-, Schlaf- und Kinderzimmer. Bei nur einem Gerät starten Sie im meistgenutzten Raum der untersten Wohnebene und messen anschließend Raum für Raum weiter.

In welcher Höhe und mit welchem Abstand zur Wand?

Das BfS empfiehlt, den Detektor auf ein Regal oder einen Schrank zu stellen – etwa 10 bis 20 Zentimeter von der Wand entfernt, nicht in geschlossene Möbel. Das sächsische Landesamt konkretisiert die Höhe auf 1 bis 2 Meter über dem Boden mit rund 30 Zentimetern Abstand zu Wand und Decke. Praktisch heißt das: Regal- oder Tischhöhe im Bereich der Atemluft ist ideal.

Darf ich während der Messung lüften?

Ja – bei einer Langzeitmessung sollen Sie sogar ganz normal wohnen und lüften, denn genau diese Alltagssituation soll erfasst werden. Bei einer kurzen Orientierungsmessung über wenige Tage gilt: nicht übermäßig lüften und Lüftungszeiten notieren, sonst fällt das Ergebnis künstlich niedrig aus. Ein zeitauflösendes Gerät wie das RadonEye macht den Lüftungseffekt ohnehin im Verlauf sichtbar.

Was sind typische Messfehler?

Die häufigsten Fehler: Gerät am Fenster, an der Lüftung oder über der Heizung platziert, in Schrank oder Vitrine gestellt, direkt nach dem Stoßlüften gestartet, zu kurz gemessen, nur im unbewohnten Keller statt in Aufenthaltsräumen gemessen, Gerät während der Messung umgestellt oder vom Strom getrennt – und fehlende Dokumentation von Startzeit und Raum. Jeder dieser Fehler verzerrt das Ergebnis oder macht es unbrauchbar.

Wie dokumentiere ich die Messung?

Notieren Sie mindestens: Raum und Etage, Startdatum mit Uhrzeit, Enddatum, Position im Raum sowie Besonderheiten wie ausgiebiges Lüften, gekippte Fenster oder mehrtägige Abwesenheit. Beim RadonEye RD200 ist die Startzeit besonders wichtig, weil das Gerät selbst keine Zeitstempel speichert. Bei unserer Mietmessung fragen wir diese Angaben ab und weisen sie in der PDF-Auswertung aus.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. BfS – Wie kann ich Radon messen (lassen)? (Stand 09.03.2026)
  2. BfS – Radon-Messgeräte
  3. BfS – Radon-Handbuch Deutschland (2019)
  4. LfULG Sachsen – Messungen in Aufenthaltsräumen und Einflussfaktoren
  5. Zentrale Radonstelle NRW – Wie wird Radon gemessen?
  6. LfU Bayern – Radon messen in Wohnräumen

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