Radon messen
Passive Radonmessung mit Exposimeter: Ablauf, Kosten, anerkannte Messstellen
Kernspurdetektor 3–12 Monate für 30–50 € inkl. Labor: So läuft die passive Messung ab, wann Sie eine anerkannte Messstelle (§ 155 StrlSchV) brauchen.
Die passive Radonmessung mit Kernspurdetektoren – oft Exposimeter oder umgangssprachlich „Radon-Dosimeter“ genannt – ist der vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) empfohlene Standard für Wohnungen: 3 bis 12 Monate messen, 30 bis 50 Euro pro Detektor inklusive Laborauswertung, kein Strom, keine Technikkenntnisse nötig. Hier erfahren Sie, wie die Messung abläuft, was sie kostet – und wann das Gesetz eine vom BfS anerkannte Messstelle verlangt.
- Was ist ein Exposimeter – und wie funktioniert es?
- So läuft die passive Messung ab – Schritt für Schritt
- Was kostet die passive Messung?
- Anerkannte Messstellen nach § 155 StrlSchV: Wann sie Pflicht sind
- Exposimeter oder elektronisches Mietgerät?
- Häufige Praxisfragen zur passiven Messung
Was ist ein Exposimeter – und wie funktioniert es?
Ein Kernspurdetektor (Fachbegriff: Festkörperspurdetektor) ist eine handtellergroße Kunststoffdose mit einer Diffusionskammer und einer speziellen Detektorfolie. Radon aus der Raumluft diffundiert in die Kammer; die beim Zerfall entstehenden Alphateilchen hinterlassen auf der Folie winzige Spuren. Nach der Messung wird die Folie im Labor chemisch geätzt und die Spuren werden ausgezählt – daraus ergibt sich der Mittelwert der Radonkonzentration über die gesamte Messdauer in Bq/m³.
Das Verfahren hat drei entscheidende Vorteile: Es braucht keinen Strom, es integriert automatisch über alle Schwankungen von Wetter, Jahreszeit und Lüftungsverhalten – und es ist als Messverfahren genormt (DIN ISO 11665-4), sodass akkreditierte Labore vergleichbare, qualitätsgesicherte Ergebnisse liefern. Deshalb ist es das Standardverfahren, wenn es um den Jahresmittelwert geht, auf den sich der gesetzliche Referenzwert von 300 Bq/m³ bezieht.
Neben dem Kernspurdetektor existieren weitere passive Verfahren: Elektretdetektoren (eine geladene Scheibe verliert mit jedem Zerfall Spannung; Wochen bis Monate) und Aktivkohlesammler für Kurzzeit-Screenings über zwei bis drei Tage. In der Praxis der Privathaushalte dominiert klar der Kernspurdetektor. Einen Überblick über alle Messwege – und welche zu welcher Frage passt – gibt der große Ratgeber Radon messen: Methoden, Dauer, Kosten.
So läuft die passive Messung ab – Schritt für Schritt
- Bestellen: Detektoren beim Anbieter ordern – idealerweise bei einer vom BfS anerkannten Messstelle (Liste auf bfs.de). Für eine Wohnung werden meist zwei Detektoren empfohlen, etwa für Wohn- und Schlafzimmer.
- Aufstellen: Die Dosen nach Anleitung platzieren – in häufig genutzten Aufenthaltsräumen, 10–20 cm von der Wand, nicht am Fenster oder über der Heizung. Die Details kennen Sie aus unserem Artikel Messgerät richtig aufstellen. Startdatum notieren (die Anbieter legen dafür ein Protokollblatt bei).
- Messen lassen: 3 bis 12 Monate einfach liegen lassen – das BfS empfiehlt, bei kürzeren Messungen den Winter einzubeziehen, ideal sind volle zwölf Monate. Normal wohnen und lüften; der Detektor mittelt alles.
- Einsenden: Nach Ablauf der Messzeit die Detektoren verpacken und ans Labor zurückschicken. Wichtig: zeitnah einsenden, damit die Nachmesszeit das Ergebnis nicht verfälscht.
- Ergebnis erhalten: Das Labor wertet aus und schickt einen Bericht mit dem Mittelwert je Raum – bei marktüblichen Anbietern etwa ein bis zwei Wochen nach Eingang der Detektoren.
Tipp: Planen Sie die Messung so, dass die Heizperiode enthalten ist – eine reine Sommermessung unterschätzt den Jahresmittelwert in der Regel. Das sächsische Landesamt empfiehlt, bei verkürzter Messdauer mindestens die Hälfte des Zeitraums in die Heizperiode zu legen. Mehr dazu: Radon und Jahreszeiten.
Was kostet die passive Messung?
Das BfS beziffert die Kosten auf 30 bis 50 Euro pro Messung – Gerät und Auswertung inklusive. So sieht der Markt konkret aus (Stand 2026):
| Angebot | Messdauer | Preis pro Detektor |
|---|---|---|
| BfS-Richtwert (anerkannte Anbieter) | 3–12 Monate | 30–50 € inkl. Laborauswertung |
| Radonova Radtrak³ (Langzeit, DIN ISO 11665-4) | 90–365 Tage | ab ca. 42 € |
| ALTRAC LD Exposimeter | 3–12 Monate | ab ca. 41 € |
| Kurzzeit-Kernspurdetektor (z. B. Radonova Rapidos) | 10–30 Tage | ab ca. 54 € |
Für ein Einfamilienhaus mit zwei Messpunkten liegen Sie also bei etwa 60 bis 100 Euro. Den kompletten Preisvergleich aller Messvarianten – von der Miete bis zum Gutachter – finden Sie unter Radonmessung: Kosten; in einigen Bundesländern gibt es sogar kostenlose Messprogramme.
Anerkannte Messstellen nach § 155 StrlSchV: Wann sie Pflicht sind
Der Begriff „anerkannte Messstelle“ (korrekt: anerkannte Stelle) hat eine präzise rechtliche Bedeutung: Das BfS erkennt Anbieter von Radonmessungen an, die geeignete Geräte und Auswerteverfahren, ein Qualitätssicherungssystem und die regelmäßige Teilnahme an Vergleichsprüfungen nachweisen. Die aktuelle Liste – zuletzt 44 Anbieter mit passiven Kernspurdetektoren und/oder direkt anzeigenden elektronischen Geräten – veröffentlicht das BfS auf bfs.de.
Pflicht ist die anerkannte Stelle bei Messungen nach § 127 StrlSchG, also an Arbeitsplätzen:
- im Erd- oder Kellergeschoss von Gebäuden in Radon-Vorsorgegebieten sowie
- bundesweit in den Arbeitsfeldern der Anlage 8 StrlSchG (untertägige Bergwerke und Höhlen inkl. Besucherbergwerken, Radonheilbäder und -stollen, Anlagen der Wassergewinnung, -aufbereitung und -verteilung).
Für diese Pflichtmessungen gilt nach § 155 StrlSchV: Messdauer zwölf Monate, die Messgeräte sind bei einer anerkannten Stelle anzufordern, nach deren Vorgaben einzusetzen, und die Auswertung erfolgt durch diese Stelle. Ergebnisse privater oder nicht anerkannter Messungen sind für diese regulatorischen Zwecke nicht verwendbar. Alle Details zu Fristen und Ablauf: Messpflicht am Arbeitsplatz.
Für Privathaushalte gilt dagegen: keine Pflicht. Wer freiwillig zuhause misst, darf jedes Verfahren nutzen. Das BfS empfiehlt allerdings, auch privat auf Detektoren der anerkannten Anbieter zu setzen – deren Qualität wird durch jährliche Vergleichsprüfungen beim BfS gesichert.
Zur Einordnung unseres Angebots: Unsere Vermietung des RadonEye RD200 ist eine Orientierungsmessung und keine Messung durch eine anerkannte Stelle im Sinne des § 155 StrlSchV. Sie erfüllt keine Messpflicht an Arbeitsplätzen und ersetzt keinen Jahresmittelwert. Wenn Sie eine Pflichtmessung benötigen, beauftragen Sie eine anerkannte Stelle von der BfS-Liste – gern nennen wir Ihnen den passenden Weg.
Exposimeter oder elektronisches Mietgerät?
Die beiden Ansätze beantworten unterschiedliche Fragen – und ergänzen sich deshalb gut:
| Kriterium | Exposimeter (passiv) | RadonEye-Mietgerät (elektronisch) |
|---|---|---|
| Ergebnis verfügbar | nach Monaten + Laborauswertung | sofort, Stundenwerte live |
| Aussage | Langzeit-Mittelwert (nahe Jahresmittel) | Momentaufnahme mit Verlauf |
| Verlaufsdaten (Tagesgang, Lüften) | nein | ja, stundengenau |
| Kosten | 30–50 € je Detektor | ab 29,00 € für 7 Tage inkl. Auswertung |
| Strom/Technik | nicht nötig | Steckdose nötig, App optional |
| Referenzwert-Vergleich | geeignet (bei 3–12 Monaten) | nur Orientierung |
| Ursachensuche/Erfolgskontrolle kurzfristig | ungeeignet | ideal |
Die Kombination ist oft der klügste Weg: Das Mietgerät beantwortet in ein bis zwei Wochen, ob Ihr Haus überhaupt auffällig ist und wo das Radon herkommt – parallel oder anschließend liefert das Exposimeter über die Heizperiode den belastbaren Mittelwert. Was in Ihrem Fall wirtschaftlicher ist, rechnet der Artikel Mieten oder kaufen? durch.
Häufige Praxisfragen zur passiven Messung
Wo bekomme ich Exposimeter? Direkt bei den anerkannten Messstellen (etwa Radonova, IAF Radioökologie, ALTRAC und weitere – die BfS-Liste nennt alle) oder über Fachhändler. Die Bestellung läuft per Post: Detektoren kommen mit Anleitung und Rücksendeinformationen.
Wie viele Detektoren brauche ich? Üblich sind zwei für eine Wohnung (Wohn- und Schlafzimmer); im Einfamilienhaus zusätzlich einer im Keller und gegebenenfalls im Kinderzimmer – so entspricht es der typischen BfS-Aufteilung. Das sächsische Landesamt rechnet einen Detektor pro Raum.
Verfälscht langes Liegenlassen das Ergebnis? Detektoren sind radondicht verpackt; das BfS-Radon-Handbuch empfiehlt, sie vor dem Einsatz nicht länger als etwa drei Monate zu lagern und nach der Messung zügig einzusenden. Halten Sie sich einfach an die Fristen des Anbieters.
Was passiert mit dem Ergebnis? Es gehört Ihnen – eine Meldepflicht für private Messungen gibt es nicht. Bei Werten über 300 Bq/m³ empfiehlt das BfS Maßnahmen zur Senkung; wie Sie Ihr Ergebnis einordnen, zeigt Messwerte verstehen, und den Einstieg in Gegenmaßnahmen gibt der Überblick Radon-Sanierung.
Häufige Fragen
Was ist ein Exposimeter und wie funktioniert es?
Ein Radon-Exposimeter (Kernspurdetektor) ist eine kleine Kunststoffdose mit einer speziellen Detektorfolie im Inneren. Radon diffundiert in die Kammer; die Alphateilchen aus seinem Zerfall hinterlassen auf der Folie mikroskopische Spuren, die im Labor chemisch geätzt und ausgezählt werden. Daraus berechnet das Labor den Mittelwert der Radonkonzentration über die gesamte Messdauer – ganz ohne Strom und Elektronik.
Was kostet eine passive Messung?
Laut BfS zwischen 30 und 50 Euro pro Messung – Detektor und Laborauswertung inklusive. Marktbeispiele: Radonova Radtrak³ ab ca. 42 Euro, andere Anbieter ab ca. 30 Euro pro Stück. Da für eine Wohnung meist zwei Detektoren empfohlen werden (z. B. Wohn- und Schlafzimmer), sollten Sie mit 60 bis 100 Euro Gesamtkosten rechnen.
Wann brauche ich eine anerkannte Messstelle?
Immer dann, wenn die Messung rechtlich zählen muss: Für die gesetzliche Messpflicht an Arbeitsplätzen (§ 127 StrlSchG, etwa im Erd- oder Kellergeschoss in Radon-Vorsorgegebieten) schreibt § 155 StrlSchV vor, dass die Messgeräte von einer vom BfS anerkannten Stelle stammen, nach deren Vorgaben eingesetzt und von ihr ausgewertet werden – über zwölf Monate. Für private, freiwillige Messungen besteht keine Pflicht; das BfS empfiehlt aber, auch privat Detektoren dieser qualitätsgeprüften Anbieter zu nutzen.
Wie lange dauert die Laborauswertung?
Nach dem Ende der Messzeit senden Sie die Detektoren an das Labor zurück; die Auswertung dauert dann typischerweise ein bis zwei Wochen – so gibt es etwa Radonova für sein Standardprodukt an. Insgesamt müssen Sie also die Messdauer (3 bis 12 Monate) plus Postweg und Laborzeit einplanen. Wer schneller eine erste Einschätzung braucht, startet parallel mit einem elektronischen Mietgerät.
Exposimeter oder Mietgerät – was passt zu mir?
Beides hat seine Rolle: Das Exposimeter liefert den belastbaren Langzeit-Mittelwert für den Vergleich mit dem Referenzwert, ist günstig und völlig wartungsfrei – aber Sie warten Monate auf das Ergebnis und sehen keinen Verlauf. Das elektronische Mietgerät zeigt sofort Werte und Stundenverläufe, ist aber eine Momentaufnahme. Ideal ist die Kombination: sofort mit dem Mietgerät Klarheit über die Größenordnung gewinnen und parallel die Langzeitmessung starten.
Quellen und weiterführende Informationen
- BfS – Wie kann ich Radon messen (lassen)? (Stand 09.03.2026)
- BfS – Radon-Messgeräte
- BfS – Anerkennungsverfahren für Anbieter von Radon-Messungen (Stand 03.08.2026)
- BfS – Anerkannte Anbieter von Radon-Messungen (Tabelle)
- § 155 StrlSchV – Messung; anerkannte Stelle
- § 127 StrlSchG – Messung der Radonkonzentration am Arbeitsplatz
- BfS – Radon-Handbuch Deutschland (2019)
- Radonova – Radtrak³ Langzeitmessung im Eigenheim
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