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Radon in Hessen: Odenwald, Spessart, Taunus – Karte, Hessisches Radonzentrum, Messung
Hessen hat derzeit keine Vorsorgegebiete; erhöhte Werte erwartet das Land in Teilen von Odenwald und Taunus. Hessisches Radonzentrum (THM), Messkampagnen.
Hessen hat derzeit keine Radon-Vorsorgegebiete: Die Prüfung auf Landkreisebene ergab, dass kein Kreis die gesetzlichen Kriterien erfüllt – der Spitzenreiter Bergstraße kommt auf 57 % statt der nötigen 75 % Flächenanteil. „Mittelbetroffen“ ist das Land trotzdem: Vermehrte Überschreitungen des Referenzwerts erwartet die Landesradonstrategie in Teilen des Odenwalds, des Taunus und in der Grenzregion zu Thüringen. Mit dem Hessischen Radonzentrum und kostenfreien Messkampagnen unterstützt Hessen alle, die ihre Werte kennen wollen.
- Radon-Karte Hessen: Was die Landesradonstrategie zeigt
- Odenwald, Taunus & Co.: Wo Hessen erhöhte Werte erwartet
- Hessisches Radonzentrum (HeRaZ): Beratung und Messkampagnen
- Selbst messen: Vom Verdacht zur Gewissheit
- Fazit
Radon-Karte Hessen: Was die Landesradonstrategie zeigt
Die Radonstrategie des Landes („Radon ganzheitlich denken“, HMLU, August 2023) liefert die bislang genaueste Bewertung: Auf Basis der BfS-Prognose haben 9,9 % der hessischen Landesfläche ein Radonpotenzial über dem Schwellenwert von 44 – jenem Wert, ab dem statistisch in mehr als 10 % der Gebäude Überschreitungen des Referenzwerts zu erwarten sind. Betrachtet in den Verwaltungsgrenzen der 21 Landkreise und 5 kreisfreien Städte erreicht kein Kreis den für eine Festlegung nötigen Flächenanteil von 75 %:
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Landesfläche mit Radonpotenzial > 44 | 9,9 % |
| Höchster Flächenanteil eines Kreises | Kreis Bergstraße: 57 % |
| Kreise ohne Flächenanteil (0 %) | 8 von 26 |
| Ergebnis | „In Hessen sind derzeit keine Radonvorsorgegebiete festzulegen“ |
Das Ergebnis ist keine Entwarnung, sondern eine Momentaufnahme: Die Strategie kündigt eine regelmäßige Neubewertung an, gestützt auf die laufenden Messkampagnen. Was eine Festlegung rechtlich bedeuten würde, erklärt unsere Seite Radon-Vorsorgegebiete; die bundesweiten Karten erläutert Radon-Karte Deutschland.
Odenwald, Taunus & Co.: Wo Hessen erhöhte Werte erwartet
Die Landesradonstrategie benennt die Erwartungsgebiete klar: „Teile des Odenwalds, des Taunus oder die Grenzregion zu Thüringen“ – dort sorgen Gesteine und Böden mit relativ hohen Uran- und Thorium-Konzentrationen sowie kleinräumige tektonische Störungen für erhöhte Radonzufuhr aus dem Untergrund. Der Kreis Bergstraße als „Spitzenreiter“ der Flächenstatistik liegt genau am Odenwald-Westrand.
Häufig werden auch Spessart, Vogelsberg und Rhön als Radon-Regionen genannt – die Landesstrategie führt sie jedoch nicht ausdrücklich auf. Wissenschaftlich begleitet das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) die Bewertung: Es hat das Land in neun geologische Großräume mit jeweils vergleichbarer Radonaktivität eingeteilt und betreibt seit 2019 eine Radon-Dauermessstelle in Fürth im Odenwald (Bodenluft in 1 m Tiefe plus Wetter- und Bodendaten). Direkt westlich schließt sich übrigens die Radon-Landschaft von Rheinland-Pfalz an.
Einordnung: Auch ohne Vorsorgegebiete gilt: Bundesweit ist laut hessischer Radonstrategie in etwa 3 % aller Gebäude mit Werten über 300 Bq/m³ zu rechnen. Der Referenzwert ist zudem kein Grenzwert – das BfS empfiehlt, bereits ab 100 Bq/m³ Maßnahmen zu erwägen.
Hessisches Radonzentrum (HeRaZ): Beratung und Messkampagnen
Mit dem Hessischen Radonzentrum (HeRaZ) an der Technischen Hochschule Mittelhessen in Gießen hat das Land eine zentrale Anlaufstelle geschaffen (Wiesenstraße 14, 35390 Gießen; Tel. 0641 309-2440, Mo–Do 10–14 Uhr; radon@thm.de; Portal radon-einfach.de – inklusive Vor-Ort-Sprechstunde am Campus). Das HeRaZ koordiniert die kostenfreien Messkampagnen des Landes:
- Bodenluft: 750 Messungen, abgeschlossen – Datengrundlage für die Verfeinerung der Prognosen.
- Innenraum: 3.000 Haushalte erhalten je zwei Exposimeter für ein volles Jahr; der erste Teil ist beendet, die Ergebnisse wurden an die Teilnehmenden verteilt, die Kampagne läuft weiter.
Ob aktuell Plätze frei sind, klären Sie über messkampagne@thm.de (Tel. 0641 309-2473). Eine Förderung für Radonsanierungen gibt es in Hessen bislang nicht – die Radonstrategie kündigt lediglich eine Prüfung an; einen Überblick über Zuschüsse anderer Länder gibt Förderung.
Selbst messen: Vom Verdacht zur Gewissheit
Ob Odenwald-Hanglage oder Frankfurter Souterrain – für die eigene Wohnung zählt nicht die Statistik, sondern der Messwert. Bewährt hat sich das zweistufige Vorgehen:
- Orientierungsmessung: Ein elektronisches Gerät wie das Radon Eye RD200 liefert nach wenigen Tagen Live-Werte und zeigt Tagesverläufe und Lüftungseffekte. Das Gerät können Sie bei uns mieten; die Ergebnisse erhalten Sie als verständliche Auswertung.
- Langzeitmessung: Für den Vergleich mit dem Referenzwert (Jahresmittel 300 Bq/m³) sind passive Exposimeter über 3 bis 12 Monate der Standard – über die HeRaZ-Kampagne kostenfrei oder bei anerkannten Stellen für ca. 30–50 €. Praxis-Tipps: Messgerät richtig aufstellen und Wie lange messen?
Rechtlicher Hinweis: Unsere Miet-Messung ist eine Orientierungsmessung – keine Messung durch eine vom BfS anerkannte Stelle nach § 155 StrlSchV und kein Nachweis gegenüber Behörden. Der Referenzwert von 300 Bq/m³ bezieht sich auf das Jahresmittel; Kurzzeitwerte sind eine erste Einschätzung.
Fazit
Hessen fährt einen datengetriebenen Kurs: keine Vorsorgegebiete nach aktueller Prüfung, aber klare Benennung der Erwartungsgebiete Odenwald, Taunus und Grenzregion zu Thüringen – und großzügige, kostenfreie Messkampagnen, um die Datenlage zu verbessern. Wer dort wohnt oder generell Wohnräume im Keller- und Erdgeschoss nutzt, sollte messen statt schätzen. Bleibt der Jahreswert erhöht, zeigt unser Ratgeber Radon-Sanierung, wie sich die Belastung meist mit überschaubarem Aufwand senken lässt.
Häufige Fragen
Gibt es in Hessen Vorsorgegebiete?
Derzeit nicht. Die Landesradonstrategie des Umweltministeriums HMLU (August 2023) kommt nach einer Prüfung in den Verwaltungsgrenzen der 21 Landkreise und 5 kreisfreien Städte zu dem Ergebnis, „dass in Hessen derzeit keine Radonvorsorgegebiete festzulegen sind“. Nur 9,9 % der Landesfläche haben ein Radonpotenzial über dem Schwellenwert 44; kein Kreis erreicht den geforderten Flächenanteil von 75 % – am nächsten kommt der Kreis Bergstraße mit 57 %, acht Kreise liegen bei 0 %. Die Bewertung wird regelmäßig überprüft.
Wo ist Radon in Hessen erhöht?
Die Landesradonstrategie stuft Hessen als „mittelbetroffen“ ein und nennt als Gebiete mit erwartbar vermehrten Referenzwert-Überschreitungen „Teile des Odenwalds, des Taunus oder die Grenzregion zu Thüringen“ – Ursache sind Gesteine und Böden mit relativ hohen Uran- und Thorium-Konzentrationen sowie kleinräumig tektonische Störungen als Aufstiegswege. Oft genannte Regionen wie Spessart, Vogelsberg oder Rhön führt die Strategie dagegen nicht ausdrücklich auf. Das HLNUG betreibt seit 2019 eine Radon-Dauermessstelle in Fürth im Odenwald.
Was macht das Hessische Radonzentrum?
Das Hessische Radonzentrum (HeRaZ) an der Technischen Hochschule Mittelhessen in Gießen ist die zentrale Anlauf- und Beratungsstelle des Landes (Wiesenstraße 14, 35390 Gießen; Tel. 0641 309-2440, Mo–Do 10–14 Uhr; radon@thm.de; Portal: radon-einfach.de). Es koordiniert die kostenfreien Messkampagnen des Landes – eine Bodenluft-Kampagne mit 750 Standorten (abgeschlossen) und eine Innenraum-Kampagne mit 3.000 Haushalten, die je zwei Exposimeter für ein Jahr erhalten – und bietet eine Vor-Ort-Sprechstunde am Campus Gießen an.
Wie hoch ist Radon in Frankfurt?
Amtliche Messwerte für einzelne Städte werden nicht veröffentlicht; Frankfurt gehört nicht zu den in der Landesradonstrategie genannten Erwartungsgebieten, und Großstädte schneiden in der BfS-Wohnungskarte wegen des hohen Anteils an Mehrfamilienhäusern meist niedriger ab als ihr Umland. Als Faustzahl nennt die hessische Strategie: Bundesweit ist in etwa 3 % aller Gebäude mit einer Überschreitung von 300 Bq/m³ zu rechnen. Ob Ihre Wohnung dazugehört – etwa ein Souterrain am Taunusrand –, zeigt nur eine Messung.
Kann ich in Hessen kostenlos messen?
Im Rahmen der Messkampagnen des Landes ja: Die Innenraum-Kampagne stattet 3.000 Haushalte mit je zwei Exposimetern für ein Jahr aus; der erste Teil ist beendet, die Ergebnisse wurden an die Teilnehmenden verteilt. Ob eine Teilnahme aktuell möglich ist, erfahren Sie beim HeRaZ (messkampagne@thm.de, Tel. 0641 309-2473) oder auf radon-einfach.de. Unabhängig davon kosten passive Exposimeter anerkannter Stellen etwa 30 bis 50 Euro.
Quellen und weiterführende Informationen
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