Regionen & Bundesländer
Radon in Rheinland-Pfalz und im Saarland: Eifel, Hunsrück, Pfälzerwald – Karte und Messung
Radon-Schwerpunkt Saar-Nahe-Bergland, geologische Radonkarte RLP, LfU-Infostelle Mainz; Saarland: Messkampagne mit über 1.800 Gebäuden. Karten & Messtipps.
Weder Rheinland-Pfalz noch das Saarland haben Radon-Vorsorgegebiete ausgewiesen – beide Länder haben aber genau hingeschaut: RLP mit einer eigenen geologischen Radonkarte und Innenraummessungen seit 2003, das Saarland mit einer Messkampagne in über 1.800 Gebäuden. Der große Radon-Schwerpunkt der Region liegt dabei nicht in der Eifel, sondern im Saar-Nahe-Bergland zwischen Kusel, Kaiserslautern, Birkenfeld und Bad Kreuznach. Hier lesen Sie, was die Karten wirklich zeigen und wie Sie Ihr Haus prüfen.
- Rheinland-Pfalz: keine Vorsorgegebiete, aber klare Schwerpunkte
- Die geologische Radonkarte RLP und die Radon-Informationsstelle
- Saarland: Messkampagne statt Vorsorgegebiet
- Selbst messen: So prüfen Sie Ihr Haus
- Fazit
Rheinland-Pfalz: keine Vorsorgegebiete, aber klare Schwerpunkte
Nach Einschätzung des Landes muss „nach derzeitigem Wissensstand in Rheinland-Pfalz in keinem Landkreis ein Vorsorgegebiet ausgewiesen werden“. Was ein Radon-Vorsorgegebiet rechtlich bedeutet und welche sechs Länder welche ausgewiesen haben, steht im Überblick. Das Ministerium lässt seit 2003 Radon in der Raumluft von Häusern messen; die Ergebnisse bestätigen die BfS-Untersuchungen. Trotzdem ist die Radon-Landschaft des Landes deutlich strukturiert – das zeigt die Radonprognose-Karte des Landes (Infoblatt „Radonmessung in der Bodenluft“, Kartenstand 2008; aktuelle Fassung: Radonpotenzialkarte RLP 2021):
| Region | Radonpotenzial laut Landes-Prognosekarte |
|---|---|
| Saar-Nahe-Bergland (Kusel – Kaiserslautern – Birkenfeld – Bad Kreuznach) | Großflächig erhöht bis hoch; Quellen: vulkanische Aschenlagen, Kohlenflöze, bituminöse Tonsteine |
| Wittlicher Senke | Ähnliche Gesteine wie im Saar-Nahe-Bergland, erhöhtes Potenzial |
| Ost-Hunsrück | Lokal erhöht/hoch entlang großer Störungszonen, auch in der nördlichen Moselmulde |
| Raum Trier-Bitburg | Lokal erhöht (Bruchtektonik) |
| Oberrheingraben | Erhöht an Randstörungen und in organikreichen Auensedimenten |
| Osteifel | Niedrigste Klasse – „bisher keine Hinweise auf hohe Radonpotenziale“ |
| Pfalz / Südwest-Pfalz | Weite Teile niedrig, Südwest-Pfalz weitgehend sehr niedrig |
Bemerkenswert: Die oft pauschal genannten Regionen „Eifel, Hunsrück, Pfälzerwald“ schneiden differenziert ab – die Osteifel und weite Teile der Pfalz liegen in der niedrigsten Klasse, während das weniger bekannte Saar-Nahe-Bergland der eigentliche Hotspot ist. Und wie immer gilt: Die Karte beschreibt den Untergrund, nicht Ihr Gebäude. Wie Radon vom Boden in Häuser gelangt, erklärt Woher kommt Radon?
Die geologische Radonkarte RLP und die Radon-Informationsstelle
Rheinland-Pfalz gehört zu den wenigen Ländern mit einer eigenen, interaktiven geologischen Radonkarte. Sie stellt drei Parameter dar: Radon-Konzentration in der Bodenluft, Gasdurchlässigkeit des Bodens und das daraus berechnete Radonpotenzial; ein Methodikbericht (Stand 2021) erläutert die Grundlagen. Betreut wird sie von der Radon-Informationsstelle beim Landesamt für Umwelt (LfU): Kaiser-Friedrich-Straße 7, 55116 Mainz, Telefon 06131 6033-1263, Radon@lfu.rlp.de. Dort finden Sie auch Hinweise zu Messungen, ein Glossar und weiterführende Links. Die bundesweiten BfS-Karten und ihre Lesart erklärt unsere Seite Radon-Karte Deutschland.
Saarland: Messkampagne statt Vorsorgegebiet
Das Saarland hat die Radonfrage 2020–2022 systematisch untersucht: Ab Februar 2020 verschaffte sich das Umweltministerium (MUKMAV) mit einer Messkampagne einen Überblick über Radon in Boden und Gebäuden – über 1.800 Gebäude wurden überprüft. Das Ergebnis der PM vom 11.12.2020: „In keiner Gemeinde sind die gemessenen Radon-Konzentrationen so hoch, dass sie als Radonvorsorgegebiet ausgewiesen werden müsste. Die Radonbelastung bewegt sich im Bundesdurchschnitt.“
Genauer hingeschaut wurde in sechs Untersuchungsgemeinden mit vergleichsweise hohen Werten: Merchweiler, Nohfelden, Blieskastel, Oberthal, Perl und Gersheim. Dort folgten 1.108 Nachmessungen in Innenräumen (Kurzzeit- und Langzeitmessungen); lokal erhöhte Werte bestätigten sich in Teilen von Merchweiler und Nohfelden. In der Bodenluft blieben die Werte meist unter 30.000 Bq/m³ – höher im Nohfelder Becken und in den Muschelkalk-Gebieten von Bliesgau und Perl mit Medianen um 62.000 Bq/m³.
Unterstützung vor Ort bieten die Radonberatungsstelle des LUA (Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz) und das Radon-Team des Ministeriums (Referat E/5, Keplerstraße 18, 66117 Saarbrücken; radon@umwelt.saarland.de, Tel. 0681 501-2292). In den sechs Untersuchungsgemeinden gibt es kostenlose Raumluftmessungen mit Messdosen über mehrere Monate – ob das Angebot aktuell läuft, erfragen Sie beim Ministerium; einen Überblick über Gratis-Angebote aller Länder führt Kostenlose Radonmessung.
Tipp: Im Saar-Nahe-Bergland und in den saarländischen Muschelkalk-Gebieten lohnt neben der Raumluftmessung auch ein Blick auf den Hausbrunnen, falls vorhanden – Radon löst sich im Grundwasser. Mehr dazu: Radon im Trinkwasser.
Selbst messen: So prüfen Sie Ihr Haus
Für Privathaushalte besteht in beiden Ländern keine Messpflicht – die Behörden empfehlen die freiwillige Messung aber ausdrücklich, denn Prognosekarten erlauben keine Aussage über einzelne Gebäude. Das bewährte Vorgehen:
- Orientierung in Tagen: Ein elektronisches Messgerät wie das Radon Eye RD200 zeigt Live-Werte, Tagesverläufe und den Effekt des Lüftens – ideal für Keller, Souterrain und Erdgeschoss. Das Gerät können Sie bei uns mieten; ein Muster des Berichts: Beispiel-Auswertung ansehen.
- Jahresmittel als Maßstab: Für den Vergleich mit dem Referenzwert von 300 Bq/m³ (Jahresmittel) sind passive Exposimeter über 3–12 Monate der Standard (ca. 30–50 € bei anerkannten Stellen). Praxis: Messgerät richtig aufstellen, Messwerte verstehen.
Rechtlicher Hinweis: Unsere Miet-Messung ist eine Orientierungsmessung – keine Messung durch eine vom BfS anerkannte Stelle nach § 155 StrlSchV und kein Nachweis für Behörden oder Arbeitsplätze. Der Referenzwert von 300 Bq/m³ ist ein Jahresmittel und kein Grenzwert.
Fazit
Rheinland-Pfalz und das Saarland zeigen, dass „keine Vorsorgegebiete“ nicht „kein Radon“ heißt: Der Schwerpunkt Saar-Nahe-Bergland, lokale Hotspots entlang von Störungszonen und die auffälligen saarländischen Untersuchungsgemeinden sprechen für eine eigene Messung – zumal die Angebote stimmen: geologische Radonkarte und Informationsstelle in Mainz, Radonberatungsstelle und kostenlose Messdosen im Saarland. Bleibt der Jahreswert erhöht, führen meist schon einfache Maßnahmen zum Ziel – der Überblick: Radon-Sanierung.
Häufige Fragen
Welche Regionen in RLP sind betroffen?
Nach dem Infoblatt des Landes (Radonprognose-Karte, Stand 2008) liegt der großflächige Schwerpunkt im Saar-Nahe-Bergland zwischen Kusel, Kaiserslautern, Birkenfeld und Bad Kreuznach – Radonquellen sind dort vulkanische Aschenlagen, Kohlenflöze und bituminöse Tonsteine; ähnliche Gesteine finden sich in der Wittlicher Senke. Lokal erhöhte Potenziale gibt es im Ost-Hunsrück entlang großer Störungszonen, in der nördlichen Moselmulde, im Raum Trier-Bitburg und an den Randstörungen des Oberrheingrabens. Weite Teile der Pfalz und die Osteifel liegen dagegen in der niedrigsten Klasse.
Was zeigt die geologische Radonkarte RLP?
Die interaktive geologische Radonkarte des Landesamts für Umwelt (LfU) stellt drei Parameter dar: die Radon-Konzentration in der Bodenluft, die Gasdurchlässigkeit (Permeabilität) des Bodens und das daraus abgeleitete Radonpotenzial. Zur aktuellen Fassung („Radonpotenzialkarte RLP 2021“) gibt es einen detaillierten Methodikbericht. Wichtig: Auch diese Karte ist eine Prognose – Aussagen über einzelne Gebäude oder Grundstücke lassen sich daraus nicht ableiten, dafür braucht es eine Messung.
Wie ist die Lage im Saarland?
Das Saarland hat keine Vorsorgegebiete: Die Messkampagne des Umweltministeriums (ab Februar 2020, über 1.800 überprüfte Gebäude) ergab eine Radonbelastung „im Bundesdurchschnitt“ – keine Gemeinde erfüllte die Ausweisungskriterien. Vergleichsweise hohe Werte zeigten sich in den sechs Untersuchungsgemeinden Merchweiler, Nohfelden, Blieskastel, Oberthal, Perl und Gersheim; 1.108 Nachmessungen bestätigten lokal erhöhte Werte in Teilen von Merchweiler und Nohfelden. In der Bodenluft blieben die Werte meist unter 30.000 Bq/m³ – höher im Nohfelder Becken und in den Muschelkalk-Gebieten von Bliesgau und Perl (Mediane um 62.000 Bq/m³).
Wo messe ich in der Eifel?
Zunächst die gute Nachricht: Für die Osteifel gibt es laut Landes-Infoblatt „bisher keine Hinweise auf hohe Radonpotenziale“; lokal erhöhte Werte sind eher im Raum Trier-Bitburg (Bruchtektonik) und in der Wittlicher Senke zu erwarten. Gemessen wird wie überall: im Keller und in den meistgenutzten Räumen des untersten Wohngeschosses, 10–20 cm von der Wand entfernt, nicht an Heizung oder Fenster. Für das Jahresmittel eignen sich passive Exposimeter über 3–12 Monate, für die schnelle Orientierung ein elektronisches Mietgerät.
Wer berät in RLP und im Saarland?
In Rheinland-Pfalz die Radon-Informationsstelle beim LfU in Mainz (Kaiser-Friedrich-Straße 7, 55116 Mainz, Tel. 06131 6033-1263, Radon@lfu.rlp.de) – sie bündelt Informationen, Karten und Messhinweise; das Ministerium lässt zudem seit 2003 Innenraummessungen durchführen. Im Saarland ist es die Radonberatungsstelle des Landesamts für Umwelt- und Arbeitsschutz (LUA); beim Umweltministerium erreichen Sie das Radon-Team unter radon@umwelt.saarland.de bzw. Tel. 0681 501-2292. In den sechs Untersuchungsgemeinden bietet das Saarland kostenlose Raumluftmessungen mit Messdosen an.
Quellen und weiterführende Informationen
- MLWUF Rheinland-Pfalz – Radon in Häusern
- LfU Rheinland-Pfalz – Radon-Informationsstelle
- LfU Rheinland-Pfalz – Geologische Radonkarte RLP
- Ministerium für Umwelt, Forsten und Verbraucherschutz RLP – Infoblatt Radonmessung in der Bodenluft (Prognosekarte 2008)
- Saarland – Strahlenschutz-Portal des MUKMAV
- Gemeinde Nohfelden – Radon-Messkampagne: Raumluftmessungen in den Untersuchungsgemeinden (2022)
- BfS – Radon-Vorsorgegebiete (Regelungen)
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