Radon-Wissen

Radon im Trinkwasser und Brunnenwasser: Parameterwert 100 Bq/l

Trinkwasserverordnung: 100 Bq/l Parameterwert für Radon. Wann Brunnenwasser kritisch wird, wie Radon aus Wasser entgast und wie man es misst.

Veröffentlicht am Lesezeit ca. 5 Min. Redaktion radoncheck24.de

Hausbrunnen und Wasserhahn mit Radon, das beim Duschen und Kochen in die Raumluft entgast

Auch Wasser kann Radon transportieren: Das radioaktive Edelgas Radon löst sich gut in Wasser und entgast beim Duschen oder Kochen in die Raumluft. Die Trinkwasserverordnung setzt dafür einen Parameterwert von 100 Bq/l. Für die allermeisten Haushalte am öffentlichen Netz ist Radon im Wasser kein Thema – relevant wird es vor allem für Hausbrunnen in Granit- und Altbergbaugebieten. Dieser Artikel erklärt Werte, Risiken und Messung.

Der rechtliche Rahmen: 100 Bq/l nach Trinkwasserverordnung

Die Trinkwasserverordnung (TrinkwV 2023) legt in Anlage 4 für Radon-222 einen Parameterwert von 100 Becquerel pro Liter (Bq/l) fest. Wichtige Einordnung:

  • Der Wert geht auf eine Empfehlung der Strahlenschutzkommission (SSK) zurück: Radon im Trinkwasser soll 100 Bq/l nicht überschreiten.
  • Er gilt als eingehalten, wenn der Mittelwert der im Untersuchungszeitraum gemessenen Aktivitätskonzentrationen ihn nicht überschreitet; bei der Erstuntersuchung sind vier Untersuchungen in vier Quartalen eines Jahres vorgesehen (§ 32 TrinkwV).
  • Neben Radon regelt die Anlage 4 weitere Radioaktivitätsparameter, etwa die Richtdosis von 0,10 mSv pro Jahr (in die Radon selbst nicht eingerechnet wird).

Der Parameterwert für Wasser (100 Bq/l) ist übrigens nicht zu verwechseln mit dem Referenzwert für Raumluft (300 Bq/m³) – zwei verschiedene Größen für zwei verschiedene Medien. Die Raumluft-Werte ordnet die Radon-Werte-Tabelle ein.

Wer muss untersuchen – und wer nicht?

Anlage Untersuchungspflicht auf Radon
Zentrale Wasserversorgung (≥ 10 m³/Tag oder ≥ 50 versorgte Personen) ja, grundsätzlich pflichtig
Dezentrale kleine Anlagen nur auf behördliche Anordnung
Eigenwasserversorgung / Hausbrunnen (< 10 m³/Tag, eigene Nutzung) nur auf behördliche Anordnung – keine generelle Pflicht

Wer am öffentlichen Netz hängt, profitiert also von den Pflichtuntersuchungen des Versorgers; die großen Versorger mussten die Erstuntersuchungen bereits bis Ende 2019 abschließen. Hausbrunnenbesitzer sind dagegen in der Eigenverantwortung: Sie müssen nicht untersuchen lassen, können es aber – sinnvoll vor allem bei granitischem Untergrund oder in Altbergbauregionen (siehe unten).

Wie gefährlich ist Radon im Wasser?

Die Belastung des Trinkwassers durch natürliche Radionuklide ist in Deutschland laut BfS insgesamt als gering einzustufen – mit regionalen Unterschieden. Beim Risiko lohnt der Blick auf die zwei Pfade:

  1. Trinken (Ingestion): Die Strahlendosis durch das Trinken ist klein. Eine BfS-Studie beziffert die jährliche Dosis durch natürliche Radionuklide im Trinkwasser auf etwa 0,009 mSv für Erwachsene (Säuglinge: ca. 0,05 mSv) – verschwindend wenig gegenüber der natürlichen Gesamtexposition von rund 2,1 mSv pro Jahr.
  2. Einatmen (Inhalation): Radon ist gut wasserlöslich und wird beim Kochen, Duschen und anderen Verwendungen aus dem Wasser freigesetzt – es erhöht die Radonkonzentration der Raumluft. Das gesundheitlich relevante Risiko des Radons – Lungenkrebs durch eingeatmete Zerfallsprodukte – läuft also auch beim Wasser über die Luft.

Zur Beruhigung: Der Beitrag der Wasserverwendung zum Jahresmittel der Raumluft liegt laut BfS-Radon-Handbuch in der Regel nur bei wenigen Bq/m³. Die dominierende Radonquelle bleibt die Bodenluft unter dem Haus.

Einordnung: Für Haushalte am öffentlichen Wassernetz ist Radon im Trinkwasser praktisch nie der Grund für erhöhte Raumluftwerte. Wer hohe Werte misst, sollte zuerst an Bodenluft und Eintrittswege denken – und erst bei eigenem Brunnen in belasteter Region auch ans Wasser.

Wann Brunnenwasser kritisch werden kann

Unter besonderen geologischen Bedingungen kann die Radonkonzentration im Rohwasser deutlich erhöht sein – typischerweise in Granitgebieten und in Regionen mit Uranerz- oder Altbergbau. Das BfS-Radon-Handbuch nennt zwei belegte Größenordnungen:

  • Einzelne private Brunnen in solchen Gebieten können einige 10 Bq/m³ zur Radonkonzentration der Raumluft beitragen.
  • In seltenen Fällen wurden Wässer mit über 1.000 Bq/l als Ursache erhöhter Innenraumwerte identifiziert.

Ob Ihre Region geologisch zu den auffälligen zählt, zeigt die Radon-Karte Deutschland mit den Detailseiten der Bundesländer – etwa Sachsen oder Bayern mit ihren Granit- und Bergbauregionen.

Radon im Wasser messen: so funktioniert es

Radon im Wasser misst man nicht mit einem Raumluft-Messgerät, sondern über eine Wasserprobe im Labor:

  1. Labor wählen: Analysen bieten darauf spezialisierte, akkreditierte Labore an – zum Beispiel das Radonlabor des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT).
  2. Probe korrekt nehmen: Radon ist flüchtig – die Probenahme muss so erfolgen, dass das Gas nicht vorher entweicht (Anleitung liefert das Labor).
  3. Schnell analysieren lassen: Wegen der Halbwertszeit von 3,82 Tagen muss die Analyse zeitnah erfolgen; das KIT nennt spätestens 6 Tage nach der Entnahme.

Ergänzend sinnvoll: eine Raumluftmessung im Bad oder in der Küche. Steigen die Werte dort während und nach dem Duschen deutlich an, ist das ein Hinweis auf radonhaltiges Wasser. Ein zeitaufgelöst messendes Mietgerät macht solche Muster sichtbar; für den Jahresmittelwert der Wohnräume eignet sich die passive Messung mit Exposimetern.

Radon aus dem Wasser entfernen

Die gute Nachricht: Radon verlässt Wasser von allein – es ist ein flüchtiges Edelgas, das beim Erwärmen, Verwirbeln und Stehenlassen entweicht. Beim Kochen wird es praktisch vollständig ausgetrieben (und landet in der Raumluft, weshalb Lüften beim Kochen doppelt sinnvoll ist).

Liegt ein Hausbrunnen dauerhaft über dem Parameterwert von 100 Bq/l, gilt:

  • Gesundheitsamt einbeziehen – es kann die Situation bewerten und Untersuchungen anordnen bzw. begleiten.
  • Fachliche Beratung zur Wasseraufbereitung einholen; welche technische Lösung geeignet ist, hängt vom Einzelfall ab und gehört in die Hände von Fachleuten.
  • Nachmessen – wie bei der Raumluft gilt: Jede Maßnahme wird erst durch die Kontrollmessung belegt.
Tipp für Brunnenbesitzer in Granit- und Bergbauregionen: Kombinieren Sie einmalig eine Labor-Wasseranalyse mit einer Raumluftmessung über die Heizperiode. So klären Sie beide Pfade – Wasser und Bodenluft – mit überschaubarem Aufwand. Häufige Fragen beantwortet auch unsere FAQ-Seite.

Häufige Fragen

Gibt es einen Grenzwert für Radon im Trinkwasser?

Die Trinkwasserverordnung legt für Radon-222 einen Parameterwert von 100 Bq/l fest (Anlage 4 TrinkwV). Er gilt als eingehalten, wenn der Mittelwert der im Untersuchungszeitraum gemessenen Konzentrationen ihn nicht überschreitet. Der Wert geht auf eine Empfehlung der Strahlenschutzkommission zurück. Zentrale Wasserversorger müssen untersuchen; private Hausbrunnen nur auf behördliche Anordnung.

Ist Radon im Wasser beim Trinken oder beim Duschen das Problem?

Vor allem die Freisetzung in die Raumluft: Radon ist gut wasserlöslich und entgast beim Duschen, Kochen und anderen Verwendungen aus dem Wasser – es erhöht die Radonkonzentration der Raumluft laut BfS allerdings nur in geringem Maße. Die Strahlendosis durch das Trinken selbst ist klein: Eine BfS-Studie beziffert die Dosis durch natürliche Radionuklide im Trinkwasser auf rund 0,009 mSv pro Jahr für Erwachsene – bei etwa 2,1 mSv natürlicher Gesamtexposition.

Wie hoch ist Radon im Leitungswasser typischerweise?

Die Belastung des Trinkwassers durch natürliche Radionuklide ist in Deutschland laut BfS insgesamt als gering einzustufen, mit regionalen Unterschieden. Der Beitrag des Wassers zur Radonkonzentration der Raumluft liegt in der Regel nur bei wenigen Bq/m³ im Jahresmittel; unter besonderen geologischen Bedingungen – etwa in Granitgebieten – können einzelne Brunnen einige 10 Bq/m³ beitragen.

Wie messe ich Radon im Brunnenwasser?

Über eine Wasserprobe, die ein darauf spezialisiertes, akkreditiertes Labor analysiert. Wichtig ist die Probenahme: Sie muss so erfolgen, dass das flüchtige Radon nicht vorher entweicht, und die Analyse sollte zeitnah stattfinden – das KIT-Radonlabor nennt maximal sechs Tage nach der Entnahme. Raumluft-Messgeräte wie das Radon Eye RD200 messen Luft, nicht Wasser – sie zeigen aber, ob sich die Wasserverwendung auf die Raumluft auswirkt.

Wie entferne ich Radon aus dem Wasser?

Radon ist flüchtig und entweicht beim Erwärmen, Verwirbeln und Stehenlassen von selbst aus dem Wasser – beim Kochen ist es praktisch vollständig ausgetrieben. Liegt ein Hausbrunnen dauerhaft über dem Parameterwert von 100 Bq/l, sollten Sie das Gesundheitsamt einbeziehen und sich zu einer geeigneten Wasseraufbereitung fachlich beraten lassen.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. TrinkwV 2023, Anlage 4 – Parameterwerte für Radioaktivität
  2. § 32 TrinkwV 2023 – Untersuchungspflichten (Radioaktivität)
  3. BfS – Radon im Trinkwasser
  4. BfS – Natürliche Radionuklide im Trinkwasser
  5. BfS – Radon-Handbuch Deutschland (2019)
  6. KIT – Radonlabor / Trinkwasseranalyse

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