Sanierung & Bauen

Radon im Altbau: typische Schwachstellen und Sanierung Schritt für Schritt

Natursteinkeller, Dielen auf Lehm, keine durchgehende Bodenplatte: Warum Altbauten häufiger Radon haben und wie die Sanierung Schritt für Schritt gelingt.

Veröffentlicht am Lesezeit ca. 6 Min. Redaktion radoncheck24.de

Schnittzeichnung eines Altbaus mit Natursteinkeller, Dielenboden auf Lehm und markierten Radon-Eintrittswegen

Altbauten sind Radons leichteste Beute: Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) stellt fest, dass alte Gebäude häufiger erhöhte Radonwerte aufweisen als neue – wegen durchlässiger Fußböden aus Ziegeln oder Dielen auf Kies und Lehm, Naturstein- und Gewölbekellern voller Fugen und fehlender oder gealterter Abdichtung. Die gute Nachricht: Gerade im Altbau bringt das bewährte stufenweise Vorgehen viel – von der dichten Kellertür über die Hohlraumabsaugung bis zum neuen Fußbodenaufbau mit Radondrainage.

Warum Altbauten häufiger betroffen sind

Radon dringt aus dem Baugrund ein, wo das Haus ihm wenig entgegensetzt – und genau da liegt die Schwäche vieler Altbauten. Die sächsische Planungshilfe „Radonschutzmaßnahmen“ beschreibt die typischen historischen Fußbodenaufbauten: bis etwa 1945 Ziegelpflaster oder Dielen auf Kies- bzw. Lehmschichten, in den 1950er- bis 70er-Jahren Estrich und Dämmung auf einer Betonplatte. Beide Konstruktionen sind „gegen Wasser- als auch gegen Lufteintritt … nicht dicht“. Auch vorhandene Bitumenabdichtungen altern und verlieren ihre Dichtwirkung.

Dazu kommen die klassischen Eintrittswege:

  • Naturstein- und Bruchsteinwände mit vielen Fugen und Hohlräumen, Gewölbekeller
  • Naturböden oder Teilunterkellerung ohne jede Bodenplatte
  • nachträgliche Durchbrüche und Leitungsdurchführungen aus Jahrzehnten der Umbauten, oft nie versiegelt
  • offene Kelleraufgänge ins Treppenhaus, undichte alte Kellertüren samt Bartschlüsselloch
  • Öfen, Kamine und Abluftanlagen, die Unterdruck erzeugen und Bodenluft ansaugen

Das BfS ergänzt den Stockwerkeffekt: Gebäude mit Keller sind häufiger betroffen als solche ohne, und je höher das Stockwerk, desto weniger Radon – kritisch sind also Keller und Erdgeschoss. Ob Ihre Region generell erhöhtes Radonpotenzial hat, zeigt die Radon-Karte; verlässlich ist aber nur die Messung im eigenen Haus.

Erst messen: Bestandsaufnahme im Altbau

Vor jeder Maßnahme steht die Messung – im Altbau am besten gleich mehrgleisig: ein Messpunkt im Keller (dort sind die höchsten Werte zu erwarten) und Messpunkte in den wichtigsten Aufenthaltsräumen im Erdgeschoss. Ein zeitauflösendes Gerät zeigt zusätzlich, wann und wo die Werte steigen – ein wertvoller Hinweis auf die Eintrittspfade. Für die Bewertung gegenüber dem Referenzwert von 300 Bq/m³ (Jahresmittel) braucht es anschließend eine Langzeitmessung; die Grundlagen erklären Radon richtig messen und Wie lange messen?

Sanierung Schritt für Schritt: die Altbau-Stufenfolge

Das stufenweise Vorgehen der Radonsanierung gilt im Altbau besonders – laut sächsischer Planungshilfe ist es „die ökonomischste Problemlösung“:

Stufe Maßnahme Wirkung / Kosten (belegt)
1. Sofort Lüftungsplan, Kellerfenster auf, Kellertür zu; stark belastete Kellerräume vorerst nicht als Aufenthaltsraum nutzen sofort wirksam, aber nur kurzzeitig – richtig lüften
2. Unterdruck beseitigen Dunstabzug auf Umluft, Nachströmöffnung für Ofen/Kamin (lichte Weite ca. 15 cm), raumluftunabhängige Feuerstätten beseitigt die häufigste Eintrittsursache (Druckdifferenz)
3. Abdichten & Abtrennen Risse, Fugen, Durchführungen mit elastischen Dichtstoffen; Kellertür mit Dichtprofilen, Türschließer, Sicherheitszylinder 0–25 % Reduktion; 500–2.000 € netto als Handwerkerleistung – Abdichten
4. Hohlräume nutzen Absaugung vorhandener Hohlräume (Dielenboden auf Lagerhölzern, Kriechkeller) „sehr kostengünstig“, wenn Hohlräume vorhanden (Sachsen)
5. Absaugen Radonbrunnen unter oder neben dem Haus, Kellerentlüftung per Kleinventilator 10–95 % Reduktion; Brunnen 500–1.500 € – Absaugung
6. Komplettsanierung Rückbau Altfußboden, neue Bodenplatte mit Abdichtung + Radondrainage bis 99 % in Kombination; ca. 38.000 € gesamt, Drainage-Mehrkosten nur 900–2.900 €

Nach jeder Stufe gilt: nachmessen – und nur weitermachen, wenn die Werte noch zu hoch sind. In dokumentierten deutschen Sanierungsfällen brachte die Kombination aus Abdichtung und Absaugung 87 bis 98 % Reduktion.

Tipp Gewölbe- und Natursteinkeller: Wo flächiges Abdichten unrealistisch ist, führt der Weg meist über die Raumabtrennung (gasdichte Kellertür, ggf. Trennwand) plus Kellerlüftung oder Absaugung. Beachten Sie: Die Abtrennung senkt die Werte in den Wohnräumen, erhöht sie aber in der Regel im abgetrennten Keller – der braucht dann weiter Luftaustausch.

Der große Wurf: neuer Fußbodenaufbau mit Radondrainage

Wenn der alte Boden ohnehin raus muss – etwa beim Kellerausbau oder einer Kernsanierung – ist das die Gelegenheit: Bei einer Komplettsanierung des Fußbodens sind laut sächsischer Planungshilfe „alle Radonschutzmaßnahmen möglich“. Konkret heißt das: kapillarbrechende Kiesschicht mit Radondrainage (perforierte Rohre, Anschluss für einen späteren Ventilator), darüber eine neue Bodenplatte mit konvektionsdichter Abdichtung – Bahnen verklebt/verschweißt, Durchführungen mit Flanschen. Die Zahlen aus dem Referenzhaus (100 m²): Gesamtkosten rund 38.000 Euro, davon entfallen auf die Radondrainage nur 900 Euro (Kiesschicht ohnehin vorhanden) bis 2.900 Euro (Kiesschicht eigens für die Drainage).

Umgekehrt gilt die Warnung: Ein Kellerausbau zu Wohnraum ohne neuen, dichten Fußbodenaufbau ist im Altbau riskant – das BfS-Radon-Handbuch rät in belasteten Lagen sogar vom Ausbau von Kellerräumen zu Aufenthaltsräumen ab und weist darauf hin, dass schon ein verändertes Heizungs- und Lüftungsregime die Radonsituation verschlechtern kann.

Altbau kaufen? Radon vor dem Kauf prüfen

Beim Hauskauf gibt es keine gesetzliche Radon-Mess- oder Offenlegungspflicht – umso mehr lohnt der eigene Blick, bevor Sie unterschreiben. Aus der Checkliste des BfS-Radon-Handbuchs, bezogen auf den Altbau:

  • Lage klären: Liegt das Haus in einem Radon-Vorsorgegebiet oder einer Altbergbauregion? Karten geben Orientierung, ersetzen aber keine Messung – selbst innerhalb eines Grundstücks gibt es große Unterschiede.
  • Messdaten erfragen: Gibt es Langzeitmessungen (Raum, Etage, Zeitraum, Anbieter)? Falls nicht: vor dem Kauf ein Kurzzeit-Screening über mindestens 5–7 Tage in Keller und unterster Wohnebene durchführen und die Radonsituation im Kaufvertrag erwähnen – so empfiehlt es das Schweizer BAG für Immobilientransaktionen.
  • Keller begehen: Bodenkonstruktion (Naturboden, Dielen, Betonplatte?), Risse, Durchführungen, Kellertür, Kelleraufgang innen oder außen, Feuerstätten und Abluftanlagen.
  • Kostenrahmen kennen: Typische Sanierungen kosten 500–5.000 €, ein Radonbrunnen ab etwa 500–1.500 € – kein Grund, vom Traumhaus Abstand zu nehmen, aber ein gutes Verhandlungsargument.

Die rechtliche Seite – Sachmangel, Aufklärungspflichten, Arglist – beleuchtet der Ratgeber Radon bei Hauskauf und Hausverkauf.

Vorsicht Wechselwirkung: Dämmen und neue Fenster im Altbau

Viele Altbauten bekommen im Zuge der Sanierung neue Fenster und eine gedämmte Hülle. Genau dann kann Radon steigen: Die Luftwechselrate sinkt, die Eintrittspfade bleiben offen – nach aktuellen Schätzungen führt etwa die Hälfte aller energetischen Sanierungen zu erhöhten Radonwerten. Messen Sie deshalb vor und nach solchen Maßnahmen und planen Sie den Radonschutz gleich mit; § 123 Abs. 4 StrlSchG legt das ausdrücklich nahe. Alle Details im Ratgeber Energetische Sanierung, Renovierung und Radon.

Messen, sanieren, nachmessen – so begleiten wir Sie

Für die Bestandsaufnahme und die Vorher-Nachher-Kontrolle einzelner Stufen können Sie unser Radon Eye RD200 mieten – es zeigt Messwerte im 10-Minuten-Takt und macht Eintrittspfade und Maßnahmenwirkung sichtbar (so funktioniert’s). Für die abschließende Bewertung empfiehlt das BfS eine Langzeitmessung über drei bis zwölf Monate mit passiven Detektoren (30–50 € je Stück, Stand: September 2026). Bei hartnäckigen Fällen lohnt eine Radon-Fachperson, die Eintrittspfade und Maßnahmen im Altbau fachlich plant.

Rechtlicher Hinweis: Für private Bestandsgebäude gibt es keine Mess- oder Sanierungspflicht; der Referenzwert von 300 Bq/m³ (Jahresmittel) ist kein Grenzwert, sondern ein Maßstab für die Angemessenheit von Maßnahmen. Beim Hauskauf lohnt trotzdem ein Blick auf das Thema – siehe Radon bei Hauskauf und Hausverkauf.

Häufige Fragen

Warum sind Altbauten häufiger betroffen?

Das BfS stellt fest: Alte Gebäude sind häufiger betroffen als neue, Gebäude mit Keller häufiger als ohne. Typische Altbau-Fußböden – bis etwa 1945 Ziegel oder Dielen auf Kies und Lehm, in den 1950er- bis 70er-Jahren Estrich auf Betonplatte – sind laut sächsischer Planungshilfe weder gegen Wasser noch gegen Lufteintritt dicht. Dazu kommen Naturstein- und Gewölbekeller mit vielen Fugen sowie zahlreiche nachträgliche Durchbrüche.

Welche Maßnahmen lohnen im Altbau zuerst?

Die günstigen zuerst: gezieltes Lüften mit Plan, Kellertür mit Dichtprofilen und Türschließer, Risse, Fugen und Rohrdurchführungen abdichten, Unterdruckquellen beseitigen (Dunstabzug auf Umluft, Nachströmöffnung für den Ofen). Sind vorhandene Hohlräume da – etwa Dielenböden auf Lagerhölzern –, ist deren Absaugung laut Sachsen „sehr kostengünstig“. Erst danach folgen Radonbrunnen oder ein neuer Fußbodenaufbau.

Was kostet eine Altbau-Radonsanierung?

Typische Radonsanierungen im Wohnbereich kosten laut BfS-Forschungsbericht 500 bis 5.000 Euro – ein Radonbrunnen für ein 100-m²-Haus zum Beispiel 500 bis 1.500 Euro. Teuer wird der Komplettfall: Rückbau des alten Fußbodens mit neuer Bodenplatte und Abdichtung kostet im Referenzhaus rund 38.000 Euro; die Radondrainage darin schlägt aber nur mit 900 bis 2.900 Euro Mehrkosten zu Buche.

Hilft ein neuer Estrich oder eine Bodenplatte?

Ein neuer Estrich allein löst das Problem in der Regel nicht – bei erhaltenem Altfußboden lässt sich laut sächsischer Planungshilfe „in der Regel nachträglich keine radondichte Abdichtungslösung realisieren“. Wird der Fußbodenaufbau dagegen komplett erneuert (neue Bodenplatte mit Abdichtung), sind alle Radonschutzmaßnahmen möglich – dann sollten Sie eine Radondrainage in der Kiesschicht gleich mit einplanen.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. BfS – Radon in Gebäuden
  2. Freistaat Sachsen – Radonschutzmaßnahmen: Planungshilfe für Neu- und Bestandsbauten
  3. BfS – Radon-Handbuch Deutschland (2019)
  4. BfS – Schutzmaßnahmen: Was kann ich tun? Was muss ich tun?
  5. BfS-Forschungsbericht 3620S12282 – Wirkung staatlicher Fördermaßnahmen auf Radonsanierungen im Wohnbereich (2021)

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