Radon-Wissen

Radon aus Baustoffen: Granit, Beton, Fliesen, Bims – wie viel kommt wirklich?

Baustoffe tragen meist nur wenig zur Radon-Konzentration bei – der Boden dominiert. Was bei Granit-Arbeitsplatten, Beton, Fliesen und Altbaustoffen gilt.

Veröffentlicht am Lesezeit ca. 5 Min. Redaktion radoncheck24.de

Vergleichsgrafik: Radon-Beitrag von Baugrund, Baustoffen, Außenluft und Wasser in Wohnräumen

Granit-Arbeitsplatte, Betondecke, Fliesen – strahlen die eigenen vier Wände Radon ab? Die kurze Antwort: ja, aber wenig. Der Beitrag von Baustoffen zur Radonkonzentration liegt laut BfS üblicherweise bei wenigen Bq/m³ und meist deutlich unter 20 Bq/m³. Die dominierende Quelle ist fast immer die Bodenluft unter dem Haus. Dieser Artikel ordnet die Materialien ein – und erklärt, wann Baustoffe doch relevant werden.

Die Größenordnung: Boden dominiert, Baustoffe sind Nebensache

In Deutschland ist die Hauptquelle für erhöhte Radonkonzentrationen in Häusern die Bodenluft – Freisetzungen aus Baumaterialien und Trinkwasser spielen laut BfS eine untergeordnete Rolle. Die Zahlen aus dem Radon-Handbuch des BfS machen das Verhältnis deutlich:

Radonquelle Üblicher Beitrag in Wohnräumen (Bq/m³) Maximum (Bq/m³)
Baugrund (Bodenluft) 10 – 2.000 > 30.000
Baumaterial < 10 – 70 < 2.000
Umgebungsluft 5 – 30 < 250
Wasser < 10 < 100

Das BfS präzisiert: Der baustoffbedingte Radonanteil liegt bei marktüblichen Produkten „bei wenigen Becquerel pro Kubikmeter, meist deutlich unterhalb von 20 Becquerel pro Kubikmeter“. Zum Vergleich: Der Durchschnitt deutscher Wohnungen liegt bei rund 65 Bq/m³, der Referenzwert bei 300 Bq/m³ (alle Werte im Überblick). Wer erhöhte Radonwerte misst, sollte die Ursache also zuerst im Untergrund und an den Eintrittswegen suchen. Wie Radon dort aus dem Zerfall von Uran und Radium entsteht, zeigt der Überblick zu Radon.

Materialien im Vergleich: von Kalkstein bis Hüttenschlacke

Alle mineralischen Baustoffe enthalten geringe Mengen Radium-226 – die „Mutter“ des Radons – und setzen einen Teil des entstehenden Gases an die Raumluft frei (Fachbegriff: Exhalation). Die Spannbreiten aus dem BfS-Radon-Handbuch:

Baustoff Radium-226-Gehalt (Bq/kg) Radon-Freisetzung (Bq/(m²·h))
Kalkstein < 10 – 40 0,9 – 11
Ziegel, Klinker 40 – 150 1 – 10
Naturbims < 20 – 200 0,6 – 6
Hüttenschlacke 10 – 2.100 0,4 – 0,7
Beton 20 – 200 2 – 20
Porenbeton 10 – 130 1 – 3

Untersucht hat das BfS insbesondere Beton, Ziegel, Porenbeton und Kalksandstein – mit durchweg niedrigen Beiträgen. Interessant: Hochgebrannte Ziegel setzen weniger Radon frei als ungebrannte Materialien wie Lehmputz, weil das Brennen die Struktur verdichtet. Durch eine bewusste Baustoffwahl lässt sich die Radonkonzentration laut Radon-Handbuch im Schnitt nur um etwa 10 bis 15 Bq/m³ optimieren – ein Beleg dafür, wie begrenzt der Hebel ist.

Relevante Radonquellen waren Baustoffe in Deutschland historisch nur in Ausnahmefällen: Das BfS fand radon-emittierende Baustoffe in nennenswertem Umfang lediglich in einigen Häusern in Bergbaugebieten – etwa dort, wo Material mit erhöhtem Radiumgehalt verbaut wurde. Für Altbauten in solchen Regionen lohnt der Blick in den Artikel Radon-Sanierung im Altbau und zum Thema Altlasten und Bergbau.

Granit in der Küche: unkritisch für die Raumluft

Granit ist ein saures magmatisches Gestein und gehört zu den Materialien mit vergleichsweise höheren Gehalten natürlicher Radionuklide – deshalb schreibt das Strahlenschutzrecht für solche Gesteine als Baustoff eine radiometrische Untersuchung vor (siehe unten). Für die Radonkonzentration in der Wohnung gilt dennoch Entwarnung: Eine einzelne Arbeitsplatte hat eine kleine Oberfläche, und schon der Beitrag aller Baustoffe eines Hauses zusammen bleibt üblicherweise unter 20 Bq/m³. Wer auf Nummer sicher gehen will, misst die Raumluft – das beantwortet die Frage für das konkrete Objekt.

Tipp: Sie wollen wissen, was Ihre Küche, Ihr Neubau oder Ihr Altbau tatsächlich an Radon in der Luft hat? Ein gemietetes Messgerät zeigt es zeitaufgelöst – deutlich aussagekräftiger als jede Materialdiskussion.

Kommt Radon durch Beton?

Bei dieser häufigen Frage werden zwei Dinge vermischt:

  1. Beton als Quelle: Beton setzt selbst geringe Mengen Radon frei (siehe Tabelle) – als Quelle ist er unkritisch.
  2. Beton als Barriere: Viel wichtiger ist die umgekehrte Rolle. Eine durchgehende, intakte Betonbodenplatte hält Radon aus dem Boden weitgehend ab: Die großflächige Diffusion durch Kellerböden und -wände ist laut BfS begrenzt und kann höchstens zu leicht erhöhten Werten führen. Der maßgebliche Transportweg ist die Konvektion – das Einströmen radonhaltiger Bodenluft durch Risse, Randfugen, Übergänge und Rohr- oder Kabeldurchführungen.

Praktisch heißt das: Nicht „der Beton lässt Radon durch“, sondern seine Fehlstellen. Deshalb setzen wirksame Maßnahmen am Abdichten von Rissen, Fugen und Durchführungen an – nicht am Austausch des Materials.

Rechtlicher Rahmen: Baustoffe sind seit 2019 reguliert

Seit dem 1. Januar 2019 begrenzt das Strahlenschutzgesetz (§§ 133–135 StrlSchG) den Gehalt natürlicher Radionuklide in Baustoffen für Aufenthaltsräume: Es gilt ein Referenzwert von 1 Millisievert effektiver Dosis pro Jahr, nachzuweisen über den Aktivitätsindex nach Anlage 17 der Strahlenschutzverordnung. Für bestimmte Materialien – insbesondere saure magmatische Gesteine wie Granit sowie industrielle Rückstände (z. B. Schlacken, Stäube) – ist eine radiometrische Untersuchung verpflichtend. Neu auf den Markt kommende Baustoffe sind damit auch radiologisch kontrolliert.

Für Bestandsgebäude aus früheren Jahrzehnten gilt diese Kontrolle naturgemäß nicht – hier hilft im Verdachtsfall die Ursachensuche (nächster Abschnitt).

Boden oder Baustoff? So finden Sie die Quelle

Wenn eine Messung erhöhte Werte zeigt, lässt sich die Quelle meist gut eingrenzen:

  • Stockwerkprofil: Radon aus dem Boden erzeugt die höchsten Werte in Keller und Erdgeschoss, mit Abnahme nach oben. Messungen in mehreren Etagen zeigen dieses Muster.
  • Zeitverlauf: Bodenradon schwankt stark mit Heizperiode, Wetter und Lüftung – ein zeitaufgelöstes Messgerät macht das sichtbar.
  • Gamma-Messung als Indiz: Bei Verdacht auf radiumhaltiges Baumaterial – vor allem in Alt-Bergbauregionen – nennt das BfS-Radon-Handbuch eine Gamma-Ortsdosisleistung über etwa 170 nSv/h (gemessen 1 m über dem Boden) als Hinweis auf radiumhaltiges Material im Baugrund oder Gebäude.
  • Fachliche Hilfe: Bei unklaren Befunden unterstützen Radonfachpersonen und die Radonberatungsstellen der Länder (Fachfirma finden).
Einordnung: Auch wer in einem Haus mit Bims- oder Schlackenanteilen wohnt, muss nicht beunruhigt sein: Entscheidend ist die tatsächliche Radonkonzentration in der Raumluft – und die klärt eine einfache Messung. Zur schnellen Einordnung der Ergebnisse dient unsere Radon-Werte-Tabelle.

Häufige Fragen

Strahlt Granit in der Küche Radon ab?

Granit gehört zu den Gesteinen mit vergleichsweise höheren Gehalten natürlicher Radionuklide und kann geringe Mengen Radon freisetzen. Für die Radonkonzentration in der Wohnung ist eine einzelne Arbeitsplatte aber praktisch bedeutungslos: Der Beitrag aller Baustoffe zusammen liegt laut BfS üblicherweise bei wenigen Bq/m³, meist deutlich unter 20 Bq/m³ – die dominierende Quelle ist die Bodenluft unter dem Haus.

Kommt Radon durch Beton?

Kaum. Beton enthält zwar wie jedes mineralische Material etwas Radium und setzt geringfügig Radon frei, wirkt als intakte, durchgehende Bodenplatte aber vor allem als Barriere gegen Radon aus dem Boden. Problematisch sind nicht die Betonflächen selbst, sondern Risse, Fugen und Durchführungen, durch die radonhaltige Bodenluft einströmt.

Welche Baustoffe können Radon freisetzen?

Grundsätzlich alle mineralischen Baustoffe, aber in sehr unterschiedlichem Maß. Das BfS-Radon-Handbuch nennt z. B. für Beton, Ziegel, Porenbeton und Kalksandstein niedrige Freisetzungsraten; höhere Radium-Gehalte sind bei Naturbims und vor allem bei alten Hüttenschlacke-Produkten möglich. Hochgebrannte Ziegel setzen weniger Radon frei als ungebrannte Materialien wie Lehmputz. Relevante Radonquellen waren Baustoffe in Deutschland nur in einigen Häusern in Bergbaugebieten.

Wie erkenne ich, ob Radon aus Baustoffen oder aus dem Boden kommt?

Der wichtigste Hinweis ist das Stockwerkprofil: Kommt das Radon aus dem Boden, sind die Werte unten am höchsten und nehmen nach oben ab. Bei Verdacht auf radiumhaltiges Baumaterial (v. a. in Alt-Bergbauregionen) kann zusätzlich die Gamma-Ortsdosisleistung gemessen werden – Werte über etwa 170 nSv/h gelten laut BfS-Radon-Handbuch als Indiz für radiumhaltiges Material. Im Zweifel hilft eine Radonfachperson bei der Ursachensuche.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. BfS – Radon in Baumaterialien
  2. BfS – Natürliche Radionuklide in Baumaterialien
  3. BfS-Broschüre „Radon – ein kaum wahrgenommenes Risiko“ (Strahlenschutz konkret)
  4. BfS – Radon in Gebäuden
  5. BfS – Radon-Handbuch Deutschland (2019)
  6. § 133 StrlSchG – Baustoffe (Referenzwert)

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